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Enkirch ist neuer Treff der Weltenbummler

(Enkirch) Mehr als 700 Globetrotter kamen mit ihren Outdoor-Trucks zu Europas größtem Fernreisemobiltreffen an die Mosel.

04.09.2017
Jürgen C. Braun
USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Deutschland von der Ostseeküste bis in den Breisgau. Und auch der eine oder andere Luxemburger und ein, zwei Kennzeichen aus der Region. Alles dabei. Der große Campingplatz der Mittelmosel-Gemeinde war von Freitag bis Sonntag Schauplatz von Menschen, denen die Welt zu Füßen liegt.
„Willys Fernreisemobiltreffen“ hatte zum zweiten Mal nach der Premiere 2016 seine Zelte oder besser gesagt seine mächtigen Outdoor-Reisetrucks an der Mosel aufgeschlagen. „700 plus X“ bezifferte Mitorganisator Norbert Lüdtke die Anzahl der Teilnehmer, wohl wissend, dass „wir keine Werbung machen“. „Außer Mundpropaganda und den üblichen Einträgen im Netz kommt da nichts.“ Aber das, sagt er, „ist uns auch wichtig. Es ist voll, aber nicht picke-packe eng. Und die Zusammensetzung passt.“

 
Wie auch die zwischen den Veranstaltern und der Gemeinde, wie der erste Beigeordnete Gerald Caspari am Wochenende an Ort und Stelle bekräftigt. Das seien „ruhige und friedliebende Leute, denen man trauen könne“, hatte er dem Rat vor der ersten Auflage mitgeteilt, nachdem er sich ein solches Treffen zuvor einmal angesehen hatte. Doch die Macher von Willys Fernreisemobiltreffen, dem in Europa größten seiner Art, brauchten ein neues Zuhause, nachdem ihr angestammter Platz für das jährliche „Get together“ in der Nähe von Bad Kreuznach nicht mehr zur Verfügung stand.

 
An der Mosel haben sich mittlerweile wohl zwei Seelen gefunden, die das ausleben, was man so schön „eine Win-win-Situation“ nennt. „Zuerst waren die Leute hier skeptisch, dann gespannt, dann erstaunt“, schildert Caspari die Gefühlslage der Menschen in und um Enkirch.

 
Schließlich sei es ja auch eine enorme Werbung für den Ort. Enkirch und sein Campingplatz seien so etwas wie der Marktführer. Die vielen Clicks im Internet, die Facebook-Posts, das alles sei kostenlose Werbung für Enkirch. Und ein Minus mache man an den paar Tagen inklusive Auf- und Abbau auch nicht wegen des für andere Gäste gesperrten Wohnmobil-Stellplatzes. Caspari: „Da haben wir uns mit den Willy-Leuten auf eine Entschädigung geeinigt.“
Und auch die mittelständischen Betriebe an der Mittelmosel partizipieren an dem Treffen – nicht nur Supermärkte oder Tankstellen. Auch die einheimische Gastronomie und Hotellerie. Wie beispielsweise das ortsansässige Hotel Loosen. Dort bestätigte man, dass Angehörige des Fernreisemobiltreffens während dieser Tage gut gebucht haben. Und man hoffe auf einen Nachhaltigkeitseffekt. Auch dann, wenn die Globetrotter nicht vor Ort sind.
Die fühlen sich in der schön gelegenen und weiträumigen, einen Kilometer langen und sieben Hektar großen Anlage offensichtlich wohl. „One Life. Live it – Ein Leben. Lebe es“, prangt das persönliche Motto des Besitzers an einem Allroad-Truck. Etliche waren schon im Vorjahr dabei und kamen auch in diesem Jahr wieder. Wie jener emeritierte Professor für altgriechische Geschichte aus Hannover, der dem Campus Adé sagte und „etwas völlig anderes tun wollte, als das, was er bisher getan hatte.“ 

 
Das Ergebnis der Reiselust des spät Berufenen: drei Jahre Südamerika in seinem für diese Zwecke präparierten Wohnmobil. Danach ein Jahr nördliches China und Teile der Mongolei. Was denn jetzt noch kommen solle, wollten wir von ihm wissen. Die Antwort: „Die Welt.“