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Gute Freunde unter strömendem Regen

(Bernkastel-Kues) Bernkastel-Kueser Regatta-Urgestein Wolfgang Zimmer erinnert sich, wie sich das Ruderertreffen in 50 Jahre entwickelt hat. Bei der 68. Auflage kamen am vergangenen Samstag 1100 Sportler mit 270 Booten.

02.10.2017
Holger Teusch
Bernkastel-Kues Ruderer fürchten sich nicht vor Wasser. Das ist klar. Aber was zeitweise am Samstag bei der 68. Regatta "Um den grünen Moselpokal" in Bernkastel-Kues vom Himmel fiel, machte auch hartgesottenen Ruderern zu schaffen. Dabei sei Regen bei der von Bernkasteler Ruderverein (BRV) und Rudergesellschaft Zeltingen (RGZ) ausgerichteten Veranstaltung Ende September bisher die Ausnahme gewesen, erinnert sich Wolfgang Zimmer.
Der pensionierte Mathematik- und Physiklehrer muss es als Urgestein der größten Moselregatta wissen. "Ich bin ununterbrochen seit 1966 dabei - und habe es nie bereut", sagt der 70-Jährige. "In 50 Jahren habe ich vielleicht fünf Regentage erlebt." Als er als junger Sportler mit drei Freunden zum BRV kam, um Vierer zu fahren, sei er auch direkt für die Veranstaltung vereinnahmt worden. "Die Regatta war damals noch sehr klein. Ich schätze mal, so 50 Boote. Wir waren damals auf der Bernkasteler Seite, wo heute der Parkplatz ist", erinnert sich Zimmer an die Zeit vor dem Umzug ans Kueser Moselufer.
Was Ende der 1960er Jahre noch sehr überschaubar war, hat sich mittlerweile sehr weit entwickelt. 270 Boote habe man auf dem sogenannten Sattelplatz untergebracht, berichtet der zweite BRV-Vorsitzende Thomas Ruf stolz von der 68. Auflage. Das ist Rekord. "Selbst beim 50. Jubiläum waren es nicht so viele", sagt RGZ-Ruderwartin Marlene Schömann-Finck, die zusammen mit Ruf die Organisation leitet. Für 1100 Ruderer aus ganz Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, aber auch der Schweiz, Australien und Neuseeland war die Moselregatta der stimmungsvolle Saisonabschluss.
Garant für den Erfolg sind vor allem engagierte Frauen und Männer wie Wolfgang Zimmer, auf die man sich Jahr für Jahr verlassen kann. "Das sind tausend Kleinigkeiten zu erledigen", erzählt Zimmer. Am Samstagmorgen hat er geholfen, Stege aufzubauen. "Da muss Splitt hingeschüttet werden. Den habe ich mit dem Laster hingefahren." Weil Zimmer nur wenige Meter vom Regattagelände entfernt wohnt, kann er oft auch schnell mit seinen privaten Vorräten aushelfen. Diesmal war es Seife in den Toiletten, die fehlte und die Zimmer eben mal schnell von zu Hause holte. Als die Sicherheitsnadeln für die Startnummern ausgingen, fuhr Zimmer schnell mal zum größten Bernkastel-Kueser Supermarkt und kaufte kurzerhand den vorhandenen Vorrat auf. "Man ist Mädchen für alles", sagt er lachend. Das Schöne seien die Freundschaften, die während all der Jahre entstanden sind. "Im vergangenen Jahr hat uns der holländische Ruderverein Daventria für 35 Jahre Freundschaft ein Geschenk gemacht. Die machen immer eine ganze Woche Trainingslager hier.
Während am Samstagnachmittag der Wettkampf im Mittelpunkt steht, ist es nach der Siegerehrung Zeit für Gespräche und die Feier. "Seit ein paar Jahren haben wir das große Zelt, in dem unser Hauptsponsor freitagabends sein Betriebsfest durchführt und das wir dann benutzen können", berichtet Zimmer, wie es ermöglicht wurde, dass mittlerweile der Regattaabschluss mit Live-Musik, diesmal von der Band The New Loud, gefeiert wird.
 
Extra: MITARBEITER UND HELFER DER REGATTA

170 Helfer von Bernkasteler Ruderverein und Zeltinger Rudergesellschaft waren im Einsatz. Sanitäter des Roten Kreuzes, Wasserwacht, Wasserschutzpolizei und Freiwillige Feuerwehr sind ebenfalls dabei. Einige kleinere Kollisionen gab es diesmal. Einmal kenterte dabei ein Einerfahrer, stieg zwar wieder in sein Boot und fuhr ins Ziel, war aber anschließend so geschockt, dass er eine Zeitlang von den Sanitätern betreut wurde.