Dr. Hartmut Graßl, international renommierter Meteorologe, ist Hauptreferent des Regionalen Klimagipfels am heutigen Freitag in Wittlich. Er warnte bereits in den 80er Jahren vor dem Klimawandel und tritt für ein Energieversorgungssystem mit erneuerbaren Energien an erster Stelle ein.
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Die Schneekanone am Erbeskopf – im Bild Klaus Hepp, Geschäftsführer des Wintersportzentrums Erbeskopf – könnte wegen mangelnden Schnees künftig häufiger zum Einsatz kommen. TV-Foto: Archiv/Ursula Schmieder
Wittlich/Trier. (mai) Im TV-Interview mit Redakteurin Marion Maier schildert der Meteorologe Hartmut Graßl, wie sich die Klimaerwärmung in unseren Breiten bereits bemerkbar macht, wie sie zu stoppen ist und was er dafür tut.
Welches sind die auffälligsten Auswirkungen der Klima-Erwärmung, die in unseren Breiten schon spürbar sind?
Hartmut Graßl: Neue oder häufigere Wetterextreme richten immer größere Schäden an. Skilifte in den unteren Lagen der Alpen werden demontiert, Feuersbrünste in mediterranen Klimazonen sind schon die Norm, Sommerskigebiete sind zur Versicherung für den Winter geworden, Fichten in warmen und relativ trockenen Niederungen überleben die Schädlingsattacken nicht mehr.
Mit welcher maximalen Temperatursteigerung in Rheinland-Pfalz rechnen Sie, wenn sich in Sachen Treibhausgas-Emission nicht bald etwas ändert?
Hartmut Graßl: Rheinland-Pfalz wird wie Mitteleuropa insgesamt von höheren Erwärmungsraten getroffen als im Durchschnitt, und der Winter mit Schnee wird sich immer stärker verabschieden. Dafür nehmen winterliche Hochwasserlagen wahrscheinlich zu.
Wenn 2 Grad Celsius als maximale Erwärmung im globalen Mittel eingehalten werden können (Ziel der EU), dann kommen Sommer wie 2003 (Anmerkung der Redaktion: er wurde oft als Jahrhundertsommer bezeichnet) in einigen Jahrzehnten alle paar Jahre vor.
Wann denken Sie werden diese Maximalwerte erreicht?
Hartmut Graßl: Die maximale Erwärmung wird nicht im 21. Jahrhundert erreicht, weil auch bei starker Emissionsminderung die volle Erwärmung als Folge der erhöhten Treibhauseffekte erst Jahrzehnte später eintritt.
Wie werden die Auswirkungen dieser maximalen Erwärmung aussehen - global und in Rheinland-Pfalz?
Hartmut Graßl: Eine Hauptfolge wird die Flucht vieler Menschen zu uns nach Europa sein, weil wir ihnen in ihrer angestammten Heimat die Lebensbedingungen verschlechtern. Aber auch bei uns werden Wälder unangepasst sein und die Landwirtschaft mit sommerlicher Trockenheit kämpfen müssen.
Es gibt auch Wissenschaftler, die an den Vorhersagen zur Globalen Erwärmung zweifeln. Wie gesichert sind die Erkenntnisse zur globalen Erwärmung Ihrer Meinung nach?
Hartmut Graßl: Ich kenne nur Nichtfachleute, die dieses tun. Als Wissenschaftler habe ich zunehmendes Wissen bei immer neuen Fragen erlebt. Der Einfluss des Menschen ist in der Wissenschaft nicht mehr umstritten, jedoch das genaue Wie und Wann.
Bei welcher Temperatursteigerung lässt sich die globale Erwärmung Ihrer Meinung nach bestenfalls aufhalten?
Hartmut Graßl: 2 Grad Celsius mittlere globale Erwärmung zum Ende des 21. Jahrhunderts gegenüber der Zeit vor Beginn der Industrialisierung ist ein hehres Ziel, das noch erreicht werden könnte, das allerdings nicht ohne massive Umverteilung des Wassers, weg von semi-ariden (Anm. d. Red.: arid = trocken, wüstenhaft) Gebieten hin zu schon gut versorgten, verwirklicht werden wird.
Was müssten wir dafür tun?
Hartmut Graßl: Wir brauchen ein neues Energieversorgungssystem, in dem die erneuerbaren Energien an erster Stelle stehen.
Was tun Sie dafür?
Hartmut Graßl: Ich erzeuge weit mehr elektrischen Strom aus regenerativen Energiequellen als ich verbrauche. Meine Flugreisen kompensiere ich durch Reduktion von Emissionen an anderen Stellen. Mein Hauptverkehrsmittel ist die Bahn.Zur Person Hartmut Graßl war bis zu seiner Emeritierung 2005 Hochschullehrer an der Uni Hamburg und Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Der 68-Jährige, der in Bayern aufgewachsen ist, leitete mehrere Jahre das Weltklimaforschungsprogramm der World Meteorological Organization in Genf, war im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll aktiv und ist Mitglied des NABU-Kuratoriums.
Extra Das Programm des Regionalen Klimagipfels am 21. November im Cusanus-Gymnasium in Wittlich:
15 Uhr Eröffnung;
15.15 Uhr Film "A Crude Awakening. The Oil Crash";
16 Uhr Pause;
16.15 Uhr "Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer kommunalen Energiewende" mit Richard Pestemer;
16.45 Uhr Vorstellung lokaler Beispiele: Solarverein, EnCon und Energieagentur der Lokalen Agenda 21 Trier;
18 Uhr Hauptvortrag mit Dr. Hartmut Graßl.
Leckeres Frühstück einmal anders: Ausgedehnt und zusammen mit Freunden und oder Familie findet ein Brunch in der Regel am Wochenende statt. Ein Brunch ist die Mischung aus Frühstück und Mittagessen. mehr...
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