Parkhaus-Schranken, die sich nicht mehr öffnen lassen, Kühlprobleme in Supermärkten, Eisdielen und Metzgereien, nicht funktionierende Kassen: Die vom Stromausfall betroffenen Orte waren gestern Morgen zum Teil lahmgelegt.
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Bernkastel-Kues/Morbach/Lieser. Die Ausflugsschiffe liegen vor Anker, die Ampeln sind tot, viele Buden und Geschäfte geschlossen. Schnell verbreitet sich gestern Morgen die Nachricht vom Tod des Spritzhubschrauberpiloten in Bernkastel-Kues. Denn die Folgen des Unfalls sind bis hierhin zu spüren - und sogar noch weiter, denn auf der gesamten Schiene in den Hunsrück bis nach Blankenrath (Kreis Cochem-Zell) ist die Stromversorgung ausgefallen, weil der Hubschrauber zwei 110 000-Volt-Leitungen abgerissen hat. Zeitgleich gehen in den Orten, die an dieser Leitung hängen, die Lichter aus.
Für viele Geschäftsleute in der Stadt bedeutet das zunächst Hektik: In Metzgereien müssen Wurst und Fleisch schnell in die Kühlräume gebracht werden, die länger die Kälte halten. Auch die Eisdielen schließen gleich. Dann heißt es warten. Die Gäste in den Cafés bekommen keinen Kaffee, bezahlt werden kann nur mit Bargeld, die Küche bleibt kalt. Da freut sich der, der in seinem Laden auf möglichst wenig Technik setzt.
Da auch das Handynetz immer wieder ausfällt, sind die Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Das Schwimmbad muss schließen, weil Pumpen und Filteranlagen ohne Strom nicht funktionieren. Kurzzeitig sind Haushalte auf dem Kueser Plateau sogar ohne Wasserversorgung - eben auch wegen ausgefallener Pumpen. Abhilfe verschaffen Notstromaggregate.
Dann, um 10.42 Uhr, ertönen Jubelrufe. Leute laufen auf die Straße; der Strom ist wieder da. Allerdings nicht überall. In einigen Bereichen von Bernkastel-Kues fällt die Versorgung immer wieder aus, auch die Telefone funktionieren stundenlang nicht überall. Im Hunsrück war die Versorgung nach Auskunft der RWE bereits um 9.30 Uhr wieder sichergestellt.
Hohe Umsatzverluste
Andreas Hackethal, Bürgermeister Einheitsgemeinde Morbach, berichtet allerdings, dass erst gegen Mittag wieder alles in Ordnung gewesen sei. "In der Verwaltung selbst haben wir noch größte Probleme mit unserer EDV. Die liegt noch immer am Boden."
An den Tankstellen ging zuvor fast nichts mehr. Brigitta Johnen von der ehemaligen bft-Tankstelle in Bernkastel-Kues sagt: "Wir mussten zwei Stunden lang alle Tankkunden abweisen. Weder die Zapfsäulen noch die Kassen haben funktioniert." Bei kleineren Beträgen habe man flexibel reagiert. "Wir haben das von Hand aufgeschrieben wie früher im Tante-Emma-Laden." Johnen rechnet mit Einbußen im hohen vierstelligen Bereich.
Hohe Verluste hat auch Markus Petereit vom Edeka-Markt am Forum Alter Bahnhof zu beklagen. "Mir sind Zigtausende Euro an Umsatz entgangen", sagt er. Vier Stunden lang war der Supermarkt geschlossen - allein schon deshalb, weil das Licht nicht funktionierte. Der Ausfall der Kühlung war "hart an der Grenze". Petereit: "Wir haben schon angefangen, alles auszuräumen und wollten einen Kühl-LKW bestellen. Aber so hat es gerade nochmal ausgereicht."
Die Kunden hätten gelassen reagiert. Ein Problem im Forum-Parkhaus war allerdings, dass sich zunächst die Schranke nicht öffnen ließ. Petereit: "Wir wollten sie schon abbauen, aber dann kam jemand von der Stadt mit dem Notschlüssel."
Bei anderen großen Firmen hat der Stromausfall die Abläufe ebenfalls durcheinandergebracht. Beim Morbacher Unternehmen Papier Mettler mussten die Maschinen nach drei Stunden ohne Strom wieder komplett neu eingestellt werden, was Stunden dauerte.
Erst kurz vor 14 Uhr war nach Auskunft von RWE-Sprecher Rolf Lorig die komplette Stromversorgung auch in Bernkastel-Kues wieder hergestellt. Die Reparaturarbeiten würden noch bis Mitte kommender Woche andauern. Bis dahin verbindet ein Provisorium die beiden Stromsysteme. uq/mai/hsc
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