Wat kann et wohl Schieneres gewe als en Musselaner ze sein? Denkt's und spricht's - schließlich ist auch das Platt Grund und Ausdruck der Liebe zur Landschaft am Fluss. Der TV befasst sich in einer dreiteiligen Serie damit, wie die Musseler schwätze. Heute geht es um die Wörtersammler.
Podcast
Fotostrecke
Enkirch/Kröv/Reil/Brauneberg. Sein schwarzes Notizbuch hat Dieter Georg immer dabei. Und sobald er alte Enkircher - oder vielmehr Enkirrja - reden hört, spitzt er die Ohren. Wer weiß, vielleicht ist wieder ein Wort dabei, das er nicht kennt. Das passiert immer mal wieder, auch wenn er schon seit 1995 die Sprache seiner Heimat von den Mündern in sein Heftchen bringt.
Und damit ist er nicht allein. Überall an der Mosel, und natürlich auch jenseits des Flusses, wollen Menschen ihre Sprooch erhalten. Rudolf Hochscheid aus Reil zum Beispiel, der ein Lexikon und ein Buch mit Sätzen im Reiler Dialekt herausbringt. Schließlich würden viele Begriffe im Laufe der Zeit vergessen. Dieses "Riesenhobby" sei auch ein persönliches Anliegen, "aber es kostet sehr, sehr viel Zeit".
Die investiert auch Paul Mentges in die Mundartpflege. Der gebürtige Brauneberger, der in Bernkastel-Kues aufgewachsen ist und heute in Bitburg lebt, hat 2010 das Wörterbuch "Dusemder Platt - Fölzer Platt" veröffentlich. Darin vergleicht er die Sprachweisen in den Brauneberger Ortsteilen Dusemond und Filzen. Auch eine moselfränkische Grammatik und eine Liste von Lehnwörtern aus fremden Sprachen enthält das 334-Seiten-Werk.
Gudrun Hüls-Beth aus Kröv dagegen fragt, warum Wörter aufgeschrieben werden müssten - "schließlich rede ich es doch, es ist meine Muttersprache!". Der Dialekt solle nicht Brauchtum, sondern Alltag sein. Seit vielen Jahren organisiert die rege 81-Jährige den Mundartabend in Kröv, bei dem immer volles Haus ist. Auch einen Nachmittag zum Kröver Platt für junge Leute gab es schon. Als Leiterin der Mundartgruppe im Arbeitskreis für Heimatkunde Traben-Trarbach hat sie das Heft "Winza-Joa - Das Jahr des Winzers in moselfränkischer Mundart" herausgebracht und viele Texte selbst geschrieben. "Immer mehr Leute besinnen sich darauf", sagt die ehemalige Lehrerin über den Dialekt.
Für den Enkircher Dieter Georg sind die Sprachforschungen "Spielerei und Hobby". Hunderte von Stunden hat er in den vergangenen 17 Jahren auf den Spuren des Dialekts und der Traditionen der Bunnepälla verbracht. So werden die Enkircher genannt, weil früher dort so viele Bohnen wuchsen, die mit vielen Helfern gepellt wurden.
Dabei stieß der heute 70-Jährige auf Begriffe wie Abberadsdeppe (Einkochgefäß), Hallef gehänk (schlecht angezogener Mensch) oder Braunbrinselisch (eine undefinierbare Farbe). 42 Din-A-4-Seiten mit geschätzt 9300 Wörtern hat er inzwischen beisammen. Ob all das einmal als Buch veröffentlicht wird, steht noch in den Sternen.
Jüngst hat Georg in einem Antiquariat sogar ein Loretta-Theaterstück gefunden, das er abgeschrieben hat - auf 120 Seiten. Der Dialekt, das ist für Georg Tradition, Kultur - und "gehört einfach dazu". Deshalb soll das Lexikon der Bunnepälla auch jeder verstehen können.
Für Zartbesaitete weist er darauf hin, "dass auch die derbe Umgangssprache mit einer ganzen Reihe Wörter vertreten ist. Sie gehören ganz einfach in den Sprachschatz und werden nicht ausgespart". Da wird eine beleibte Frau eben zur "deck Fumm", der Tollpatsch zum "Flabbes" und der Geizhalz zum "Hunga-därm". Tja, die Losung lautet eben: Hiehrense mol zoo, wie sich de Leit ennerhalle!
Aufruf: Kennen Sie einen besonders schönen oder lustigen Begriff oder haben Sie eine Lieblingsredewendung im Moseldialekt? Dann schicken Sie uns diese(n) mit kurzer Erläuterung und der Angabe Ihres Namens und Wohnorts zu unter mosel-echo@volksfreund.de
Meinung
Schwätzt Platt!
Von Ursula Quickert
Also ierschtmol moß isch soon: Ich sein zwoa en Musselmädche, awa net von hei, sondern aus Treis-Koade, also weiter runna in Richtung Kowelenz. Awa doo schwätzt ma och Platt, och wenn isch dat nie richtig geliert honn. Aber isch versochen et mol. Also ich finne dat toll, dat sich die Leit hei su viel Gedanke um dat Platt mache. Wat die domit en Schaff hann und sich all die Müh mache, all die Wörter und Sprichwörter ze sammele! Dat muss ma lobe. Und ich hoff\', et ginn noch mie! Denn die gemeinsame Sprooch ist wat, wat uns all verbinnet. Das is en Stück Heimat. Kloa, man muss och Huudeitsch schwätze kinne, sus is ma annerstwo schnell verloa. Aber dat Platt erzählt su viel von oosem Lebe, et wäa en Schand, wenn dat vergäß gevt. u.quickert@volksfreund.de
Gedichte und Geschichten rund um das Winzerjahr hat Gudrun Hüls-Beth aus Kröv zusammengetragen.
Kohlgemüse liefert so viele Vorteile auf einmal wie kaum ein anderes Gemüse. Kohl ist vielseitig einsetzbar und besonders in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Vitaminlieferant. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben