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Nasses Camping ohne Heringe

Wer kennt sie nicht, die Probleme beim Aufbau eines Zeltes? Für sieben Jugendliche der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Haus Bergfried in Bausendorf und Wittlich gab es eine Steigerung: Sie stellten unter Wasser ein Zelt auf.

08.05.2009
Von unserem Mitarbeiter Holger Teusch
Bernkastel-Kues. Zeltleinen befestigt man an in den Boden geschlagenen Heringen. Normalerweise. Auf dem Grund des Bernkastel-Kueser Hallenbads fehlten vorgestern die Namensvetter der Fischgattung natürlich. Dafür bewegten sich die Jugendlichen des Hauses Bergfried, die größtenteils ihr Tauch-Debüt gaben, wie Fische im Wasser. "Man hat das Gefühl, dass man im Wasser schwebt", sagt Geraldine, und Alex ergänzt: "Es ist, als ob man fliegen würde."
 
Bis andere Taucher den Zeltboden mit Pflastersteinen beschwert hatten, sorgten das Mädchen und der Junge dafür, dass die Zeltplane nicht vom Aufstellort weggetrieben wurde. "Man muss die Gewichte und die Luftballons unter dem Zeltdach richtig verteilen", erklärt Werner Lamberti von der Wittlicher Tauchschule Yeti-Divers, die die Ausrüstung stellten und die Jugendlichen anleiteten, wie ein Zelt in die gewünschte Form gebracht wird.
 
Unter Wasser gelten andere Gesetze. Es gibt nicht nur vorwärts, rückwärts, links und rechts, sondern auch hoch und runter. Sich in diesen drei Dimensionen zurechtzufinden und zu bewegen, war eine der Lektionen der Jugendlichen. "Sie müssen sich dieser fremden Welt unter Wasser anpassen.
 
Denn auch an unsere Umwelt müssen sie sich ständig anpassen", erklärt Roland Konrath-Pütz vom Haus Bergfried den pädagogischen Hintergrund. "Jeder, egal ob zwölf oder 18, ist gleich viel wert und wird unter Wasser gebraucht", sagt der Erziehungsleiter der Jugendhilfe-Einrichtung. Rücksichtnahme und sich gegenseitig kümmern, ist wegen der Sicherheit sowieso Pflicht beim Tauchen. "Man muss aufpassen, wie es den anderen geht und immer Blickkontakt halten", hat Geraldine gelernt.
 
Extra Pädagogisches Tauchen: Ohne Hilfsmittel kann der Mensch unter Wasser nur kurz überleben. Wer sich unter Wasser (sicher) fortbewegen möchte, muss zuvor erlernte Verhaltensweisen und Regeln beachten. Weil Tauchen für Jugendliche sehr attraktiv ist, ist die Motivation groß, diese Regeln zu erlernen. Zudem wird immer gruppenweise getaucht, so dass Vertrauen auf und Verantwortung für den Tauchpartner erlernt wird. Das gilt insbesondere dann, wenn gemeinsam Aufgaben, wie beispielsweise der Aufbau einer Camping-Landschaft, gelöst werden müssen. Die freie Bewegung unter Wasser helfe insbesondere Mädchen ihren Körper besser zu erfahren, sagt der Erziehungsleiter des Hauses Bergfried, Roland Konrath-Pütz. (teu)

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