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Theaterintendant Sibelius begeistert mit Ein-Mann-Stück "Alles bleibt anders" in Bernkastel-Kues

Sänger, Schauspieler, Tänzer und Reizfigur

(Bernkastel-Kues) Gage nahm Karl Sibelius nicht mit nach Trier. Geld würde er am liebsten abschaffen, singt das Allroundtalent bei seinem Auftritt in der Mosellandhalle. Dort spielt er den Adam Schaf, der keine guten Angebote mehr bekommt und der mehrfach auf den Intendanten schimpft - auf Karl Sibelius. Die 200 Zuschauer und Zuhörer waren begeistert.

04.03.2016
Clemens Beckmann
Bernkastel-Kues. "Was für ein Künstler ist an mir verloren gegangen!" Jeder der knapp 200 Zuschauer und Zuhörer in der Bernkastel-Kueser Mosellandhalle wird Karl M. Sibelius zustimmen, auch wenn nicht jeder alles gut finden muss, was Sibelius in den knapp 90 Minuten auf der Bühne zeigt, sagt und singt.

Und da drängt sich natürlich die Frage auf, warum er Intendant des Trierer Stadttheaters geworden ist und kein Allrounder auf den Brettern, die für viele Menschen die Welt bedeuten.

Am Geld kann es nicht liegen. Denn das würde er am liebsten abschaffen. "Dann kann auch keiner mehr schießen", heißt es in einem der zeitkritischen Lieder seines österreichischen Landsmannes Georg Kreisler. Dessen Lieder durchziehen das Ein-Mann-Stück "Alles bleibt anders".

Sibelius ist mit ihm schon mehrfach in Trier aufgetreten, will es aber auch außerhalb seines neuen Arbeitsplatzes zeigen. Er spielt den alternden Schauspieler Adam Schaf, der nicht mehr die Rollen bekommt, die er glaubt, wegen seines Könnens verdient zu haben.

Sibelius schimpft über sich selbst


Sibelius hat das Stück verändert. Adam Schaf schimpft in seiner Garderobe auf den furchtbaren neuen Intendanten am Theater, der alles verändern will, das Haus auf den Kopf stellt und die Mitarbeiter vor den Kopf stößt. Er meint natürlich Karl Sibelius, der seit seinem Amtsantritt im Jahr 2015 für viel Wirbel gesorgt hat (der TV berichtete). Morgens um sieben Uhr müsse er schon zum Feedback-Gespräch antreten, kritisiert Adam Schaf.
Als Sibelius das Publikum fragt, wie viele der Besucher seit seinem Amtsantritt schon im Trierer Theater waren, gehen etwa 20 Hände hoch. "Schön, dass Sie trotzdem da sind", sagt er.

Der Mann hat viele Talente. Er ist Schauspieler, Sänger, Tänzer. Er beherrscht alle Sparten des Theaters selbst. Die Aufwärmphase vor Beginn des Stücks, als sich das Publikum noch mit Getränken versorgt, ist Teil der Inszenierung: Liegestütze, Handstand. Der Mann ist fit wie ein Turnschuh. Auch die Sprechübungen zeigen sein Können.
Am Klavier wird er von Andrey Litvinenko begleitet. "Es liegt nicht an mir und nicht an euch, dass noch kein Jubel ausbricht", sagt er. "Es liegt an ihm", sagt er mit Blick auf den Pianisten. "Sie müssen üben", rät er ihm. Auch das ist natürlich Teil des Programms. "Der Pianist war sehr gut", sagt Werner Knopp aus Hetzerath. Er spielt und baut Klaviere.

Jeder zahlt, was es ihm wert ist


Was treibt Adam Schaf, alias Karl Sibelius an? "Ich habe euch, ich liebe mein Publikum", sagt er. Kreislers "Geh ma Tauben vergiften im Park" gibt Sibelius auch zum Besten, bevor er sich leicht bekleidet von den begeisterten Besuchern verabschiedet.
"Ich wusste nicht, was mich erwartet. Ich bin wegen der Reizfigur Sibelius gekommen", sagt Adrian Hegner. Bereut hat er es nicht.

"Sehr extravagant, sehr anspruchsvoll", lobt Ute Lichter, Inhaberin einer Ballettschule. "Für Bernkastel-Kues ist das schon toll, dass so jemand hierhin kommt", sagt Martin Schäfer.
"Ich bin froh, dass so viele Leute gekommen sind. Das zeigt auch ein bisschen das Interesse an mir", sagt Sibelius. Eine Gage nimmt er nicht mit nach Trier. Es wird auch kein Eintritt erhoben. Jeder Besucher bekommt vor Beginn der Vorstellung einen Umschlag: "Jeder zahlt, was es ihm wert ist", steht darauf geschrieben.
1950 Euro stecken insgesamt drin. Das Geld fließt in die Kulturarbeit in Bernkastel-Kues.

 

 

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