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aus unserem Archiv vom 15. Mai 2012
Autor: Winfried Simon Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Traben-Trarbach Drucken  E-Mail

Traben-Trarbach: Neue Rechnungen, neue Vorwürfe

Der Streit um das Defizit des Wein-Nachts-Marktes und um Auftragsvergaben des ehemaligen Traben-Trarbacher Touris mus chefs Matthias Holzmann geht weiter. Es geht um noch zu zahlende Rechnungen und um Aufträge, von denen der Stadtrat beziehungsweise die Verwaltung offenbar nichts wussten.

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Es war erneut eine ungewöhnliche Stadtratssitzung. 80 Bürger waren am Montagabend in das Stadthaus Alter Bahnhof gekommen, um weitere Einzelheiten zum Streit um den ehemaligen Touristikchef Matthias Holzmann zu erfahren. Und das, was VG-Chef Ulrich K. Weisgerber dem Rat unter anderem per Video-Einspielung auf einer Leinwand präsentierte, bot ausreichend Stoff für weitere heiße Diskussionen.

Wenige Stunden vor der Sitzung hatte Weisgerber ein Schreiben der Firma GreenIce erhalten - die Firma, die für den Wein-Nachts-Markt vor dem Stadthaus Alter Bahnhof die Kunststoffeisbahn aufgebaut hatte. Die Firma weist in dem Schreiben, das Weisgerber in Teilen vorlas, auf einen offenstehenden Rechnungsbetrag in Höhe von 5000 Euro hin. Mit dem Tourismuschef Holzmann, so Green Ice, sei vereinbart worden, dass die Firma bei Messebesuchen in München und Moskau Werbe poster von Traben-Trarbach auf den Banden der Eisbahn anbringen werde. Hierfür sei eine monatliche Werbekostenpauschale von 1000 Euro zu zahlen.
Inzwischen seien 5000 Euro aufgelaufen, für den Monat Juni kämen weitere 1000 Euro hinzu. Diese Vereinbarung, so Weisgerber, sei dem Stadtrat nicht bekannt gewesen.

Dass der Stadtrat nun erneut eine außerplanmäßige Ausgabe für den Wein-Nachts-Markt beschließen sollte, stieß vor allem bei Renate Braband (SPD) auf große Verärgerung. Braband: "Ich bin erschrocken. Ich dachte, das Spiel sei endlich mal zu Ende."

Zwei Computer für 10 500 Euro


Einstimmig beschloss der Stadtrat, die Rechnung zunächst nicht zu zahlen. Es müsse zuvor geprüft werden, ob überhaupt ein Vertrag vorliege. Matthias Holzmann, der als Zuschauer die Sitzung verfolgte, sagte gegenüber dem TV, er habe mit der Firma eine einmalige Zahlung von 1000 Euro ausgemacht. Einen Vertrag gebe es nicht. Diese einmalige Werbezahlung gelte für den Wein-Nachts-Markt 2012 und nicht für die abgelaufene Veranstaltung.

Zuvor hatte der Stadtrat eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 4500 Euro genehmigt. Die Tourist-Information hatte, unter anderem um Videos zu drehen, für 10 500 Euro zwei teure Grafik-Computer mit entsprechender Software angeschafft. Im Haushalt der Stadt waren dafür aber nur 6000 Euro eingestellt.
Für Irritationen sorgte der Hinweis Weisgebers, die Tourist-Information habe beim Schweizer Rusch-Verlag für Weiterbildungszwecke für rund 1000 Euro CDs und Videos gekauft. Weisgerber zeigte die Internetseite das-erfolgsgeheimnis.net, auf der Verlagsgründer Alex Rusch aufgeführt ist. Dort heißt es unter anderem: "Verdienen Sie bis zu 100 000 Euro und mehr - und das jedes Jahr aufs Neue. Durch die Hilfe der Selfmade-Millionäre Dr. Oliver Pott, Helmut Ament, Alex Rusch und Erich Lejeune - dem Meister der Motivation - können auch Sie ähnlichen Erfolg erreichen." Weisgerbers ironischer Kommentar: "Was dort angeboten wird, ist nicht unbedingt zielführend für eine touristische Arbeit." Besonders beeindruckend: Weisgerber zeigte ein Internetvideo, das vor der Kulisse Monacos spielt und den Titel trägt "Internet-Millionär in 24 Monaten". Darin behaupten Pott, Ament und Lejeune: "Nie zuvor war es einfacher Millionär zu werden."

Holzmann, dessen Arbeitsvertrag die Stadt wegen arglistiger Täuschung angefochten hat, zeigte sich gegenüber dem TV betroffen über Weisgerbers Internetrecherchen. Auf der Stadtratssitzung habe dieser den Eindruck erwecken wollen, die Firma Rusch sei eine unseriöse Firma. Und er, Holzmann, würde mit diesem Unternehmen zusammenarbeiten, weil er dort einige Erfolgspakete im Rahmen der Weiterbildung gekauft habe.


Rusch führe hingegen eines der wichtigsten Marketing-Institute im deutschsprachigen Raum. Holzmann: "Weisgerber versucht mich seit August zu diskreditieren, in dem er die Unwahrheit sagt." Eine Reaktion auf diesen Vorwurf war von Weisgerber am Dienstag wegen eines dienstlichen Termins nicht mehr zu bekommen.
Extra
Der Prüfbericht der Kommunalaufsicht zum Wein-Nachts-Markt wird jetzt doch zu einem früheren Termin im Stadtrat öffentlich diskutiert. Die für den 25. Juni vorgesehene Stadtratssitzung wird auf den 11. Juni vorverlegt. Zuvor befasst sich der Haushalts- und Finanzausschuss des Stadtrates in nichtöffentlicher Sitzung am 4. Juni mit dem Prüfbericht. sim

 




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