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Update: Vorfall an Veldenzer Weiberfastnacht: Erst sollen sie bedrängt worden sein, dann doch nicht

(Veldenz) Bei der Karnevalsfeier in Veldenz sollen junge Männer aus Afghanistan Frauen sexuell bedrängt haben. Diese erstatteten Anzeige wegen „Beleidigung auf sexueller Grundlage“, worunter man zum Beispiel Begrapschen versteht. Am Freitagabend relativierte die Polizei dann aufgrund ihrer Ermittlungsergebnisse die Vorfälle. Zwar sei ein Mädchen am Arm gepackt worden, aber es habe keine sexuellen Übergriffe gegeben.

05.02.2016
Hans-Peter Linz

Flüchtlinge aus Afghanistan sollen in Veldenz junge Frauen belästigt haben. Das war die erste Nachricht, die von der Polizei am Freitag in der Redaktion einging. Ein Schock. Am Donnerstag haben 1500 Menschen friedlich und ausgelassen in Veldenz Karneval gefeiert. Nach dem Umzug ging es in Kneipen und Cafés weiter. Am Abend soll es dann zu dem Vorfall gekommen sein. Wie das Polizeipräsidium Trier zunächst meldet, sollen mehrere Mädchen von vier jungen Männern „bedrängt und geschlagen“ worden sein.

Eine 18-Jährige habe die Polizei informiert, dass sie auf dem Rückweg von einer Fastnachtsveranstaltung in Veldenz, die sie mit zwei Freunden verlassen habe, auf der Straße junge Männer entgegengekommen seien. Einer habe sie am Arm gepackt und sie zu sich herangezogen und bedrängt. Als ihre Begleiter dies unterbinden wollten, soll einer der Freunde niedergeschlagen worden sein. Während der Anzeigenaufnahme in Veldenz sollen weitere Mädchen hinzugekommen sein, so die Polizei. Diese berichteten, dass sie am Nachmittag von der gleichen Gruppe in ähnlicher Weise belästigt und bedrängt worden seien. 

Insgesamt berichtete die Polizei von fünf geschädigten Mädchen im Alter von 13 bis 18 Jahren sowie einem 19-jährigen und einen 15-jährigen Jungen, die von der Tätergruppe verletzt worden sein sollen. Ein Junge habe Gesichtsverletzungen, der andere Verletzungen am Bein davongetragen, so der Polizeibericht. Nach Bekanntwerden des Sachverhalts leitete die Polizei eine Fahndung ein. Sie konnte vier junge Männer aus Afghanistan im Alter zwischen 16 und 19 Jahren ermitteln, die in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues leben. 

Die Polizei hat Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung auf sexueller Grundlage eingeleitet. Wie Karl-Peter Jochem vom Polizeipräsidium Trier erläutert, handele es sich bei „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ zum Beispiel um begrapschen oder leichte Schläge auf das Gesäß.
 
Der Veldenzer Bürgermeister Norbert Sproß war zunächst entsetzt, als er die erste Nachricht bekam. Er teilte dem TV am Freitagmorgen mit: „Das hat mich sehr schockiert, dass so was in Veldenz passiert. Ich habe selbst allerdings nichts davon mitbekommen.“

Am Abend teilt das Polizeipräsidium dann mit: „Die umfangreichen Ermittlungen führten heute zu dem vorläufigen Ergebnis, dass ein Tatverdacht wegen Sexualstraftaten nicht vorliegen dürfte.“ Weiter führt Uwe Konz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums aus, dass in einem Fall ein Tatverdächtiger einem der betroffenen Mädchen „einen Kuss auf die Hand und anschließend ihr sowie einer Freundin einen Kuss auf den Mund geben wollte“. 

 
Beide Mädchen entzogen sich den Versuchen und lehnten dies nachdrücklich ab. „Zu sonstigen Handlungen des Mannes kam es hier nicht,“ so die Polizei. Im zweiten Fall habe derselbe Tatverdächtige ein Mädchen ohne weitere Gewaltanwendung am Arm gefasst, sie aber sogleich wieder losgelassen. Das Mädchen habe aber wegen einer zurückliegenden Erfahrung darauf „sehr emotional reagiert“.

Im dritten angezeigten Fall umfasste einer aus der tatverdächtigen Personengruppe die beiden anzeigenden jungen Frauen mit den Armen und bewegte seine Hüfte hin und her. Der Aufforderung, dies zu unterlassen, kam der junge Mann schließlich nach.

Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Die Staatsanwaltschaft Trier ist in die Bewertung der Sachverhalte eingebunden. 

 

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