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Wahlkreis 23: Kein einheitliches Bild bei SPD und CDU – Grüne verlieren dramatisch

(Bernkastel-Kues/Morbach/Thalfang) Aus Schwarz wird Rot: Die CDU ist nicht mehr stärkste Kraft im Raum Bernkastel-Kues/Morbach/Thalfang. Die meisten Stimmen büßen allerdings die Grünen ein. Die AfD bleibt unter ihrem Ergebnis auf Landesebene. Dossier zum Thema: Landtagswahl 2016

14.03.2016
Clemens Beckmann
„Ach wären wir doch alle Menschen so wie die Haager und Wenigerather.“ Das werden sich die CDU-Granden sagen, wenn sie die Ergebnisse der Landtagswahl genauer unter die Lupe nehmen. In Haag hat die Union am Sonntag bei den für die Zusammensetzung des Landtags entscheidenden Zweitstimmen fast 19 Prozent hinzugewonnen und liegt bei formidablen 59,3 Prozent. In Wenigerath sprang sie von 40,5 auf 50,3 Prozent. Gleichzeitig müssen die Christdemokraten sagen. „Gottseidank sind nicht alle Menschen Hinzerather oder Hoxeler.“ Denn dort verlor die CDU kräftig (jeweils um die 16 Prozent).

Die Einheitsgemeinde Morbach präsentiert sich in ihrem Ergebnis teilweise sehr indifferent und weit weg vom Resultat auf Landesebene. In den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Thalfang am Erbeskopf fehlen diese großen Ausschläge weitgehend – zumindest bei den beiden großen Parteien. 

Das ändert aber nichts an einem historischen Ergebnis. Erstmals triumphiert die SPD im Wahlkreis – zumindest bei den Zweitstimmen. Der Satz „Wichtig ist, dass Alex Licht die meisten Erststimmen hat“, gesprochen von Leo Wächter, dem CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden von Bernkastel-Kues, ist da sicher nur ein schwacher Trost. Die CDU hat in allen vier zum Wahlkreis gehörenden großen Kommunen verloren: in den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues und Kirchberg je 3,2 Prozent, in der VG Thalfang 2,7 Prozent und in der Einheitsgemeinde 2,4 Prozent: Die SPD hat in Bernkastel-Kues (plus 2,8), Morbach (plus 1,3) und Kirchberg (0,4) zugelegt, in Thalfang, dem Stammland von Bettina Brück, aber verloren (2,4 Prozent). In Bernkastel-Kues und Morbach bleibt die CDU allerdings stärkste Kraft, in Thalfang gilt das für die SPD. 
Schaut man nur auf die Höhe der Verluste, wird klar: Verlierer sind die Grünen. Ihre Verluste gehen teilweise über 15 Prozent hinaus. Im großen Zeltingen-Rachtig fällt die Partei von 19,1 auf 2,7 Prozent, im kleinen Gräfendhron von 13,6 auf null Prozent. 

Die FDP gewinnt durchgehend dazu – oft mehr als die zwei Prozent auf Landesebene. In einigen Orten fährt sie zweistellige Ergebnisse ein. 
Die Linke glänzt in Dhronecken mit 13,7 Prozent, liegt ansonsten aber meist nur zwischen einem und drei Prozent. In einigen Orten geht sie ganz leer aus. 

Fehlt noch die erstmals angetretene AfD. Sie bleibt in den großen Kommunen unter den 12,6 Prozent, die sie auf Landesebene erzielt hat. In der VG Bernkastel-Kues erreicht die Partei neun Prozent, in der EG Morbach 9,5 Prozent in der VG Thalfang 11,7 Prozent. Speziell dort gibt es Ausreißer nach oben: Dhronecken 20,5 Prozent, Rorodt 18,5 Prozent, Etgert 17,9 Prozent. An der Mosel ragt Lösnich mit 14,3 Prozent AfD-Stimmen heraus.

Odert wählt wider den Trend

Wie heißt das kleine Dorf in Gallien mit den besonderen Einwohnern? Es hat keinen Namen, könnte aber Odert heißen. In dem Ort in der EG Morbach wohnen auch nur etwa 100 Menschen. Nur die Hälfte der Wahlberechtigten ist dort am Sonntag zur Wahl gegangen. Und von denen haben 23,1 Prozent ihr Kreuz bei den Parteien gemacht, die unter Sonstiges firmieren.

Apropos Wahlbeteiligung: Sie stieg überall. In Bernkastel-Kues von 64,1 auf 73,3 Prozent, in der VG Thalfang von 70,1 auf 75,6 Prozent und in Morbach von 59,8 auf 68,7 Prozent. Herausragend sind Merschbach und Neunkirchen (beide VG Thalfang) mit jeweils mehr als 89 Prozent. 
Bettina Brück (SPD) hat in ihrer VG Erststimmen verloren, freut sich aber über den Sieg der Partei. Alex Licht (CDU) hat den Wahlkreis wieder geholt, grämt sich aber wegen der Niederlage der Union. Doch es gibt auch einen Sieger auf beiden Ebenen. FDP-Direktkandidat Frank Klein holte in vielen Orten Ergebnisse jenseits der zehn Prozent. Seine Partei schaffte den Wiedereinzug in den Landtag. Der bleibt dem Mann aus Gonzerath allerdings verwehrt. 

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