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Wohnmobile sind auf dem Vormarsch in der Region

(Zeltingen-Rachtig/Traben-Trarbach) Die Tage, an denen man den Campingwagenstellplatz des Großvaters erbte, sind wohl gezählt. Denn mittlerweile haben die Wohnmobilurlauber die altgedienten Campingtouristen an der Mosel zahlenmäßig deutlich überholt. Der Trend ist ungebrochen.

16.08.2017
Christian Moeris
Die Tage, an denen man den Campingwagenstellplatz des Großvaters erbte, sind wohl gezählt. Denn mittlerweile haben die Wohnmobilurlauber die altgedienten Campingtouristen an der Mosel zahlenmäßig deutlich überholt. Der Trend ist ungebrochen. Sie bereisen ferne Länder und Städte, wohnen dabei aber in den eigenen vier Wänden: Die Zahl der Touristen, die mit einem Wohnmobil an der Mosel Urlaub machen, steigt und steigt.

Im Vergleich zu den Gästen, die mit einem klassischen Wohnwagen anreisen, liegen die Wohnmobilisten mittlerweile weit vorne. Zumindest legen das Zahlen nahe, die das Statistische Landesamt für die Monate Januar bis Mai erhoben hat. Demnach verzeichneten die 18 Wohnmobilplätze an der Mittelmosel in den ersten fünf Monaten des Jahres mehr als 14000 Gäste. Auf den elf Campingplätzen waren es hingegen nur 7100. „Urlaub mit dem Wohnmobil liegt definitiv im Trend“, sagt Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin der Mosellandtouristik. „Wir machen das vor allem am Ausbau der Stellplätze fest.“

Wie Zahlen des Landesamtes zeigen, gibt es an der Mosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich mittlerweile 1120 Stellplätze für Wohnmobile (Betriebe unter zehn Stellplätzen sind nicht enthalten). Für Campingwagen sind es 820. Winkhaus-Robert: „Manche Wohnmobiltouristen reisen sogar noch zum Weihnachtsmarkt an.“

Doch warum ist der Urlaub mit den Fahrzeugen so beliebt? Eine Umfrage auf dem Wohnmobilstellplatz in Traben-Trarbach schafft Klarheit: „Für mich ist das Wohnmobil Gemütlichkeit pur“, sagt die 66-jährige Betsie Halewyn aus den Niederlanden, die nahe der Mosel vor ihrem Gefährt in einem Klappstuhl sitzt und in einem Buch schmökert. „Ich habe alles mit dabei: Essen, Getränke – und schlafen kann ich auch im Wohnmobil.“Ihre Nachbarn auf dem Stellplatz in Traben-Trarbach sind aus Wales angereist. „That is my mobile home“ (zu Deutsch: das ist mein mobiles Zuhause), sagt Nick Gadfield (64). Er fahre schon seit 20 Jahren mit dem Wohnmobil in den Urlaub, erklärt der Brite. „Campingplätze sind zwar komfortabler, aber dafür teurer“, sagt er. Auf dem Wohnmobilstellplatz in Traben-Trarbach zahlt er zwölf Euro für 24 Stunden Aufenthalt. „Auf dem Campingplatz zahle ich mindestens das Doppelte.“ Außerdem sei das Wohnmobil wendiger und er damit wesentlich schneller unterwegs als mit einem Campingwagen. „Man braucht auch den Wagen nicht abzukoppeln, das lästige Kurbeln entfällt, und man muss nichts auf- oder abbauen“, erklärt der eingefleischte Wohnmobilist.

In der Tat: Vorzelte mit Inneneinrichtung wie auf dem Campingplatz sucht man auf dem Wohnmobilstellplatz vergebens. Allenfalls einen Sonnenschutz mit Markise haben die Urlauber an ihren Wagen befestigt: So wie Gerda (66) und Jakob Kers (69) aus den Niederlanden, die es sich am Nachmittag im Schatten unter ihrer Markise gemütlich gemacht haben. „Wenn es uns an einem Ort nicht so gut gefällt, fahren wir einfach weiter. Mit dem Campingwagen wäre das etwas schwieriger, damit kann man nicht so spontan agieren“, sagt die Niederländerin. „Unser Wohnmobil ist für uns wie ein zweites Zuhause und bietet einen gewissen Luxus. Wenn man durstig ist, kann man sich zum Beispiel etwas aus dem Kühlschrank nehmen“, sagt die Niederländerin mit einem Glas Weißwein in der Hand.

Die Kritiker des Wohn- und Campingtourismus an der Mosel sehen in eben diesem Mitbringen von Speisen und Getränken und der autarken Versorgung, die viele Campingurlauber pflegen, das Problem. Aber ist die Wertschöpfung aus dem Wohnmobiltourismus wirklich so gering? „Wir gehen etwa an jedem zweiten Tag essen“, sagt die Niederländerin. „Steak essen geht hier an der Mosel immer gut“, sagt ihr Ehemann Jakob. 

Manfred Kappes, Ortsbürgermeister von Zeltingen-Rachtig, wo mittlerweile 50 Wohnmobilstellplätze für Gäste bereitstehen, sagt: „Am Ende bleibt immer etwas übrig.“ Es gebe zwar immer mal wieder Wohnmobilisten, die sich selbst versorgen würden, aber davon profitiere schließlich der Einzelhandel in der Region“, sagt Kappes. „Die kaufen Lebensmittel ein, gehen zum Friseur, kaufen bei den Winzern Wein, nutzen aber auch die Gastronomie.“ Deshalb sei die Entscheidung der Ortsgemeinde, die 2015 den Campingplatz zu einem reinen Wohnmobilstellplatz umgewandelt hat, absolut richtig gewesen, sagt Kappes. „Die Dauercamper auf dem Campingplatz waren nur selten da. Mit den Wohnmobilisten haben wir ein ständig wechselndes Publikum aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien im Ort.“ 2016 verbuchte Zeltingen-Rachtig 4000 Wohnmobile, die für eine Nacht auf dem Platz Halt machten. Kappes: „Da die meisten Wohnmobilurlauber zu zweit kommen, waren das etwa 8000 Übernachtungen.“ Der Vergleich zu der Gesamtzahl an Übernachtungen, 120 000 in 2016, zeigt jedoch, dass die Wohnmobilisten in Zeltingen-Rachtig nicht mehr sind „als eine willkommene Ergänzung“. Der Großteil der Moseltouristen bevorzugt immer noch den Luxus, den nur Hotelbetriebe und Pensionen bieten können.s