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26.01.2012
Kevin Rühle

15 Gebäude in Cochem beim Tunnelbau beschädigt

(Cochem) Der Bau der zweiten Röhre des Kaiser-Wilhelm-Tunnels ist eigentlich längst abgeschlossen, doch das Jahrhundertbauwerk wirkt nach. Noch laufen Entschädigungsverfahren für die Grundstücksbesitzer in der Oberstadt bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) in Koblenz, und auch die Schäden an den Gebäuden selbst sind noch nicht abgewickelt. Zudem entstand durch eine Setzung auf einem Privatgrundstück an der Jahnstraße ein tiefes Loch.

Cochem. Zwei Meter im Durchmesser, fast drei Meter tief: An der Jahnstraße klaffte in der Cochemer Oberstadt ein Loch - und niemand weiß warum. "Der Nachbruch ist nach Auswertung der Vortriebsdaten nicht erklärbar", sagt Torsten Sälinger, Pressesprecher bei der Bahn. Weil der Nachbruch erst neun Wochen nach Ende der Bohrarbeiten aufgetreten ist, vermuten die Gutachter der Bahn, dass das Erdreich nicht aufgrund des Tunnels, sondern durch "eventuell aufgelockerten Boden in Verbindung mit starkem Regenfall" abgesunken ist. Das Loch wurde unmittelbar mit Beton verfüllt, bisher gab es keinen weiteren Vorfall.
Trotz dieser Erklärung haben Arbeiter auch noch Wochen nach Abschluss der Tunnelbohrarbeiten weiter Bentonit, eine Mischung aus verschiedenen Tonmineralien, in den Boden der Cochemer Oberstadt gepumpt, um das Gelände weiter zu verfestigen. "Nach Ende des Vortriebs wird eine gewisse Zeit das Setzungsverhalten der Häuser weiter kontrolliert und bei Bedarf nachinjiziert, um Setzungen auszugleichen. Man nennt dies Hebungsinjektion", erklärt Torsten Sälinger. Jedoch seien diese Arbeiten nun abgeschlossen, und auch der riesige Betonschacht, der unterhalb einer Pension in der Jahnstraße gebaut wurde, um tief in den Berg zu bohren und das Gestein mit Bentonit zu sichern, wird nach Angaben der Bahn bald zurückgebaut und wieder verfüllt. Die Messgeräte, die vor der Unterfahrung der Oberstadt installiert wurden, um Setzungen zu erkennen, stehen noch immer.

Grundstücke verlieren an Wert



Damit ist die Arbeit in der Cochemer Oberstadt jedoch noch nicht getan. Der Bahn wurden bislang Schäden an insgesamt 15 Gebäuden gemeldet. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei meistens nur um Haarrisse. Die Schäden wurden bereits einer Versicherung gemeldet, diese soll nun alles Weitere regeln. "Eine Gesamtschätzung der Schäden wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation", ergänzt Sälinger. Das zeigt, dass die Abwicklung der Schäden wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ebenfalls offen ist, welche Entschädigung die Anwohner erhalten, deren Grundstücke und Häuser genau über der zweiten Röhre des Kaiser-Wilhelm-Tunnels liegen, durch dessen Bau die Grundstücke an Wert verloren haben. Wie hoch die Entschädigung ausfällt, wird im Einzelfall entschieden, sagt die SGD Nord. Insgesamt sind neun Eigentümer von dem Verfahren betroffen, mit fünf von ihnen konnte die SGD bisher eine Einigung erzielen. "Die Verhandlungen mit den übrigen vier sind noch nicht abgeschlossen", sagt Nicole Adam von der SGD Nord.
Inwieweit eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit, also eine eingeschränkte Nutzung des Grundstücks, per Zwang ins Grundbuch eingetragen wird, ist noch nicht geklärt.

Eine weitere Baustelle gibt es in der Oberbachstraße: Dort lief nun wiederholt Wasser auf die Straße. Rohre und ein Kanal fangen es nun auf, um Glatteis und andere Verkehrsstörungen zu vermeiden. Ob sich die direkt angrenzende Treppe, die vor einigen Monaten gesperrt worden war, gesenkt hat, ist nicht bekannt.

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