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Als Kölner zum Skispringen in die Eifel kamen

Übrig ist heute nur noch eine Ziegelmauer: Die Geschichte der einstigen "Adolf-Hitler-Schanze" in Hollerath

(Hollerath) Es war für damalige Verhältnisse ein Riesenbauwerk, über das heute kaum noch jemand etwas weiß: Im Skigebiet Hollerath in der nordrhein-westfälischen Eifel hat der Wintersportverein Köln zwischen 1932 und 1934 eine Sprungschanze gebaut. Das 20 Meter hohe Bauwerk in der Eifel wurde "Adolf-Hitler-Schanze" getauft und Ende des Krieges von den Amerikanern zerstört.

20.01.2016
Stephan Everling
Mitunter erzählen die Spuren der Vergangenheit eine ganz andere Geschichte als die, die auf den ersten Blick ins Auge fällt. Wie die, die von einer Ziegelmauer erzählt wird, die im Wald bei Hollerath steht - ein Ortsteil der Gemeinde Hellenthal, die in der nordrhein-westfälischen Eifel gleich an der belgischen Grenze liegt, etwa 70 Kilometer nördlich von Bitburg. Diese Ziegelmauer erzählt von Dingen, die normalerweise nicht mit Ziegelmauern in Verbindung gebracht werden - von den Winterzeiten in der Eifel und dass diese auch früher nicht so schneereich waren, wie jüngst so oft gerne behauptet wird.

Was insofern ungewöhnlich ist, als die Ziegelmauer das letzte sichtbare Überbleibsel aus der Hochzeit des Skisportes in der Eifel ist. Es handelt sich dabei um den "Backen" der "Adolf-Hitler-Skischanze", den Schanzentisch, von dem aus die Sportler in die Tiefe segelten. Heute würde das niemand mehr wagen. Er würde sofort in den hohen Fichten hängenbleiben, die mittlerweile auf dem einstigen Auslaufhügel in die Höhe geschossen sind. Verglichen mit modernen Anlagen mögen sich die Maße der "Adolf-Hitler-Schanze" lächerlich anhören, doch für das Rheinland waren sie beachtlich. 20 Meter hoch und 120 Meter lang war das Holzgerüst, auf dem die Sportler Schwung holten für den Flug.

Senkrecht geht es runter ins Tal


Wer auf dem Weg an dem einstigen Schanzentisch steht und von dort in das angrenzende Tal blickt, kann ins Schwindeln geraten. Fast senkrecht fällt der felsige Waldboden ab und verschwindet in der Tiefe. Zwischen den Fichten ist es völlig unmöglich, den Boden des Tales zu erkennen. Diese Lage ist wohl ein Grund dafür, dass die Skifans des Kölner Wintersportclubs sich diesen Ort ausgesucht haben. Dass sie das Bauwerk "Adolf-Hitler-Schanze" nannten, war wahrscheinlich mehr der Zeit geschuldet, da in den 30er Jahren alles Mögliche auf den Namen des damaligen Reichskanzlers getauft wurde.

Köln ist nicht gerade als Mekka des Wintersports bekannt. Heute ist die höchste Erhebung der Stadt der Herkulesberg, im Volksmund "Monte Klamott" genannt, da er aus den Ruinen des alten Kölns aus den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs besteht. Als die "Adolf-Hitler-Schanze" gebaut wurde, gab es ihn also gar nicht. Wer Skifahren wollte, musste in die Eifel fahren.

Auch heute noch ist die Gegend an der belgischen Grenze oberhalb Hellenthals ein Wintersportgebiet. Wenn Schnee liegt, durchziehen die Loipen die Ardennenwälder. Schließlich ist am Weißen Stein der höchste Punkt des Rheinlandes. Hier gibt es auch einen Skilift, ein zweiter, der sich in den 70er Jahren noch in Hollerath drehte, ist außer Betrieb.

Die ersten Wintersportler kamen um 1910 auf die Eifelhöhen. Mit der Eisenbahn, der "Flitsch", ging es über Kall nach Hellenthal, ab dort mit dem Bus oder auch zu Fuß hoch in die Ardennen. Und abends ging es wieder zurück in die Stadt. Um den beschwerlichen Weg zu sparen, erwarb der Wintersportverein hier schließlich ein Haus, das er übrigens immer noch in Betrieb hat.

Anfang der 30er Jahre entwickelte der damalige erste Vorsitzende William Arnet die Idee, eine Skischanze zu bauen. Eine geeignete Stelle war schnell im "Langensieffen", unterhalb des heutigen Sportplatzes, gefunden. Von 1932 bis 1934 dauerte der Bau, der ähnlich beschwerlich gewesen sein muss wie die Wege der Sportler den Berg herauf. Mit Ochsenkarren wurden die Hölzer angeliefert. Zwei kleine Sprungtische und eine große Anlage wurden errichtet. 15 000 Reichsmark soll das Ganze gekostet haben.

Doch das neue Bauwerk, das im Sog der Machtübernahme auf "Adolf-Hitler-Skischanze" getauft wurde, wurde erst zwei Jahre nach Fertigstellung offiziell in Betrieb genommen. Der Grund war banal: Es gab einfach keinen Schnee. Den Einweihungssprung machte der norwegische Skispringer Birger Ruud in seiner Saisonvorbereitung auf die Olympischen Winterspiele. Der Schanzenrekord wurde am 27. Februar 1938 von Ludwig Volke aus Willingen im Sauerland mit 42, 50 Metern aufgestellt.

Ardennenoffensive und Westwall


Einen richtigen Wettbewerb hat es nie auf der Schanze gegeben. Mit Kriegsbeginn wurde der Betrieb eingestellt. Da die Schanze mitten im Aufmarschgebiet der Ardennenoffensive unweit der Betonzähne des Westwalls lag, war ihr Schicksal unvermeidlich. Sie wurde durch Granatenbeschuss zerstört.

1953 wurde sie noch einmal aufgebaut, allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab. Über drei Jahre wurde dann nochmal in Hollerath gesprungen. Doch als wieder drei schneearme Winter kamen, schlief die Begeisterung ein, die Schanze verfiel.

Doch die Legende lebt. Die Holländer, die die alten Hotels übernommen haben, haben einen Wanderweg eingerichtet, der auch an dem Backen der alten Skischanze vorbeiführt. Und auch die Hollerather, die sich einst trauten, auf der Schanze in die Eifeler Täler hinabzusegeln, werden in Ehren gehalten. 2014 verstarb mit Artur Hanf der letzte der Einheimischen, der die originale Schanze gesprungen ist.
Extra
Skispringen ist in der Eifel kein Thema mehr, aber Rodler, Langläufer und Skifahrer kommen auch heute noch auf ihre Kosten - vorausgesetzt, es liegt genug Schnee. Die kleinen Skigebiete im Eifelkreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis haben für Wintersport-Fans einige Vorteile: kurze Anreisen, familiäre Atmosphäre, gemütliche Hütten und günstige Liftpreise. Im Eifelkreis zieht es dabei Wintersportler in die nähere Umgebung Prüms, in die Wintersportgebiete "Schwarzer Mann" oder "Wolfsschlucht". Im Skigebiet Schwarzer Mann gibt es zwei Abfahrtspisten (700 Meter und 800 Meter). Zwei Schlepplifte und ein Rodellift stehen bei vollem Betrieb zur Verfügung. Zudem gibt es eine 450 Meter lange Naturrodelbahn sowie beschilderte und gespurte Langlaufloipen mit einer Gesamtlänge von fast zehn Kilometern. Drei Kilometer nordwestlich von Prüm liegt die Wolfsschlucht. In dem Skigebiet gibt es eine 600 Meter lange Abfahrtspiste sowie einen Skischlepplift. Der Vorteil hier: zwei Schneekanonen des Ski-Klubs-Prüm stehen bereit, um auch bei nur mäßigem Schneefall das Skivergnügen zu garantieren. Rund um die Abfahrt werden zudem je nach Witterung Langlaufloipen präpariert. Im Vulkaneifelkreis gibt es rund um Daun verschiedene Möglichkeiten für Wintersportler. Auf dem Mäuseberg wird bei guten Schneeverhältnissen eine 450 Meter lange Abfahrt aufbereitet und der Schlepplift angeworfen. Auf dem ebenfalls bei Daun liegenden Ernstberg kommen Langläufer auf ihre Kosten. Bei ausreichendem Schneefall stehen dort drei Loipen bereit. Eine leichte 750 Meter lange, eine mittelschwere auf 2700 Metern und eine schwere 2200 Meter lange. Weitere Informationen samt Schneelagenbericht und Links und zu weiteren Wintersportangeboten in Nordrhein-Westfalen im Internet unter: www.eifel.info/skifahren-skigebiet.htm

 

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