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Bischof Ackermann diskutiert in Prüm die Pfarreienreform

(Prüm/Trier) 300 Gläubige haben in Prüm mit Vertretern des Bistums Trier über die geplante Pfarreienreform diskutiert. Bischof Stephan Ackermann verspätet sich um zwei Stunden. Die Angst vor dem Identitätsverlust ist in der Eifel groß.

27.05.2017
Frank Auffenberg
Die Außengrenzen bleiben unangetastet, soviel ist sicher, auch dass von 887 Pfarreien des Bistums Trier am Ende nur noch knapp 35 übrig bleiben werden. Wie die geplante Reform der Pfarreien aber im Detail aussehen wird und wie viele Pfarrer wo Seelsorge betreiben - das steht noch in den Sternen. "Fest steht aber, dass Sie zum Sonntagsgottesdienst nicht viele Kilometer zum Sitz ihrer Pfarrei fahren müssen - ihre Kirchengemeinden selbst bleiben ja bestehen", verspricht Bischof Stephan Ackermann und blickt in die oft ratlosen Gesichter von mehr als 300 Gläubigen, die zur sogenannten Resonanzveranstaltung in die Prümer Karolingerhalle gekommen sind.

Satte zwei Stunden haben die versammelten Katholiken allerdings Zeit, um sich zum Thema Pfarreienreform die Köpfe heiß zu reden und viele ihrer Ängste zu formulieren, bevor sie mit ihrem Oberhirten diskutieren können. Der reist nämlich aus Berlin an und verspätet sich. "Der Bischof musste heute unerwartet zu einem Treffen mit Angela Merkel. Er ist auf dem Rückweg, braucht aber noch etwas", sagt Dechant Clemens Grünebach, federführender Planer der Pfarreienreform. Zum ersten Mal kommt Murren in der voll besetzten Halle auf - es soll nicht das letzte Mal sein.
Nach einstimmendem gemeinsamen Gesang, einer kleinen Fragerunde über Alter und Wohnort der Anwesenden - die Antworten werden mit farbigen Karten gegeben - erläutert Grünebach erstmal die Grundzüge der Planungen (siehe Info). Wie später auch Ackermann, betont er, dass es bei der Reform nicht um Zentralisierung gehe: "Sie werden weiter Ihre Kirchengemeinden haben, nur die Verwaltung wird an den Standort der Pfarrei verlegt."

Es folgt eine kleine Podiumsdiskussion. Die dreht sich aber zunächst kaum um Sachfragen, vielmehr werden kirchliche Projekte in Daun und Gillenfeld vorgestellt - wohl auch, um zu zeigen, was moderne Kirche leisten kann und bereits leistet.

Dann endlich ist es soweit: Das Publikum darf an die Mikrofone. Gleich der erste Beitrag hat es in sich. Michael Fischer von der Pfarreiengemeinschaft Schönecken-Waxweiler: "Über Jahrhunderte alte Pfarreien sollen aufgelöst werden, aber die Gläubigen identifizieren sich mit ihnen. Ich bitte Sie, nehmen Sie uns nicht unsere Identität weg. Das wäre fatal." Fischer plädiert zumindest für die Einrichtung von Außenstellen der Pfarrbüros. Gundo Lames vom Generalvikariat in Trier kontert: "Sie verlieren die Identität unter dem Gesichtspunkt ,Ich gehöre zur Pfarrei St. Michael’, doch woher beziehen sie wirklich ihre Identität? Aus dem Leben vor Ort - und das bleibt."

Petra Müller aus Hillesheim berichtet, dass in ihrer Pfarrei die Mitglieder bei einer Umfrage Stellung zur Reform genommen haben: "Ihre Planungen sorgten für großes Entsetzen. Es wäre sinnvoll gewesen, die Pfarreien zu besuchen, bevor sowas geplant wird. Die Flächen sind einfach zu groß. Unsere Pfarrei in Gerolstein würde sich von Densborn bis Hümmel bei Adenau erstrecken. Das ist eine Stunde Fahrt und kann nicht ihr Ernst sein." Sie fürchte, dass eine Menge ehrenamtliches Engagement damit einschlafe. Vieles werde zerrissen, das heute noch gut funktioniere. Von der Resonanzveranstaltung habe sie sich übrigens mehr Inhalt versprochen. "Wir wissen, was es für tolle Projekte in den Gemeinden gibt. Wir wären mehr an konkreten Details interessiert gewesen."

Heinz Peter Johanns aus Weins heim hält die Planungen für unausgegoren: "Man weiß noch nicht, wo das Licht im neuen Raum aufgehangen werden soll, macht aber das alte schon mal aus."

Redebeitrag um Redebeitrag dreht sich um die Angst vor dem Stillstand in den Gemeinden, dann kommt die Pause und mit ihr auch der Bischof. In der zweiten Hälfte begrüßt er die Gläubigen, hebt die Notwendigkeit der Reform hervor und beruhigt: "Pfarrei ist erstmal ein kirchenrechtlicher Begriff, er wird nicht mehr deckungsgleich mit den alten Vorstellungen sein. Pfarrei ist ein Verwaltungsraum, aber Kirche wird in den Gemeinden gelebt."
Angesprochen von Marlies Pütz aus Meckel auf die Zukunft der Seelsorge, sagt Ackermann, dass es auch in Zukunft nicht einfach sein werde, vakante Stellen zu besetzen, aber die neuen Strukturen bessere Perspektiven böten. "Schauen Sie nach Prüm. Die Stelle ist ausgeschrieben, aber ich bekomme keine Bewerbungen. Ich hoffe, dass sich das ändern wird." Er sei kein Kurfürst, der Pfarrer gegen ihren Willen irgendwohin schicke. Dankbar sei er für Pfarrer im Ruhestand, die sich weiter engagierten: "Ich begrüße das sehr, aber es kann nicht die Regel sein und muss von Fall zu Fall betrachtet werden." Er betont den Entwurfscharakter: "Deswegen suchen wir ja das Gespräch mit Ihnen."

Weitere Infos und Möglichkeiten zur Beteiligung an der Reform unter:
www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/
Extra: DIE JAHRHUNDERTREFORM WIRD WEITER DISKUTIERT

Statt der bislang 887 Pfarreien soll laut Reformentwurf das Bistum Trier in Zukunft aus 35 Großpfarreien bestehen. Die Dekanate werden gestrichen. 24 der XXL-Pfarreien liegen in Rheinland-Pfalz, zehn im Saarland. Die Pfarreien haben dann zwischen 15 563 (Simmern) und 76 768 (Saarbrücken) Mitglieder. In der Eifel wird Bitburg mit 42 234 Katholiken die größte Pfarrei sein. Am Samstag, 10. Juni, diskutiert Bischof Ackermann erneut mit Gläubigen - diesmal ab 10 Uhr in der ehemaligen Abtei St. Maximin in Trier.