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07.10.2017
Rudolf Leisen, Wißmannsdorf

Die Pfarreien- gemeinschaften erhalten!

Kirche Zu unserer Berichterstattung über die Pfarreienreform schreibt dieser Leser: Die von Bischof Dr. Stephan Ackermann inszenierte Radikalkur im Bistum Trier mit der Zusammenlegung der jetzt noch bestehenden knapp 900 Pfarreien zu 35 XXL-Pfarreien ist eine totale Fehlentscheidung.


Das, was allgemein mit Unverständnis zu hören ist, dass alle bisherigen Pfarreien ihren Status als Pfarrgemeinde verlieren sollen, ist nicht hinzunehmen. Pfarreien, die 1000 Jahre und mehr bestanden haben, sind Denkmäler, ebenso wie antike Gebäude, Wegekreuze und Monumente.
Höhepunkt dieser unverständlichen Radikalkur ist, dass das Vermögen der Pfarreien in diese künftigen 35 XXL-Pfarreien übertragen werden soll. Das ist Diebstahl, wie es dies nur während der Französischen Revolution gegeben hat.
Man muss sich fragen, ob sich der Bischof überhaupt selbst der Tragweite dieser mit vielen Zweifeln belasteten Reform bewusst ist? Den Verwaltungsräten der Pfarreiengemeinschaften ist es nicht gestattet, über das Vermögen der örtlichen Pfarreien zu entscheiden.
Warum eigentlich sollen zu dieser Zeit schon die bewährten Pfarreiengemeinschaften aufgelöst werden? Bei aktuell noch 300 Priestern und weiteren 250 Priestern im Ruhestand, die noch für Gottesdienste zur Verfügung stehen, ist es einfach absurd und keinesfalls zu erklären, warum diese nicht weiter Bestand haben sollen.
Diese Pfarreiengemeinschaften haben sich bewährt und sind hervorragende Einrichtungen geworden, in denen wenigstens noch alle zwei bis drei Wochen ein Gottesdienst in den Pfarrkirchen und Filialkapellen stattfinden konnte. Den Dörfern ist in den letzten vierzig bis 50 Jahren alles genommen worden: Schule, Post, Bank, Geschäfte und so weiter.
Muss denn ausgerechnet die katholische Kirche noch das "i-Tüpfelchen" draufsetzen? Viele Gläubige der katholischen Bevölkerung im Bistum Trier befürchten, dass alles "kaputt" gemacht wird, was jetzt noch in der katholischen Kirche funktioniert.
Viele Fragen im Zusammenhang mit dieser Reform sind noch völlig offen. Es besteht verständlicherweise vielfach der Eindruck, dass noch vieles verschleiert wird. Wo sollen künftig noch Gottesdienste stattfinden? Gerade ältere Menschen, die bisher noch die treuesten Gottesdienstbesucher waren, werden wohl künftig außen vorbleiben müssen. Was geschieht mit den Kirchenpatronen in den dann entweihten Pfarrkirchen? Finden wenigstens Ostern, Weihnachten und Allerheiligen noch Messen in diesen Kirchen statt?
Das Brauchtum in den Dörfern ist nicht selten in unserer Religion begründet. Klappern in der Karwoche, Prozessionen vor Christi Himmelfahrt, Sternsinger und so weiter. Die örtlichen Vereine bestehen meist auf der Basis der Pfarreien. Auch darauf sollte geachtet werden. Aufgrund der Kirchengesetze hat der Bischof zwar viele Befugnisse.
Aber die Kirche sind wir, die gläubigen Katholiken im Bistum Trier! Dessen sollte sich der Bischof unbedingt bewusst sein.
Die katholische Kirche wäre gut beraten, sich längst etwas mehr demokratische Strukturen zu geben. Seitens der Pfarreiengemeinschaften sollten die Verantwortlichen in den Verwaltungsräten beim Bischof den Erhalt dieser Gemeinschaften für mindestens die nächsten zehn Jahre einfordern.
Rudolf Leisen,
Wißmannsdorf