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Ein Dorf nimmt Fahrt auf: Private Bauherren stecken 650 000 Euro in die Dorferneuerung von Pronsfeld

(Pronsfeld) Dorfplatz, Panoramaweg, Spielplatz - die Ortsgemeinde Pronsfeld hat sich in Sachen Dorferneuerung viel vorgenommen. Ein halbes Jahr nach Abschluss der Moderation laufen die Planungen auf Hochtouren. Wie geht es weiter? Was ist passiert? Der TV hat nachgefragt.

02.11.2016
Frank Auffenberg
Pronsfeld. Das Votum war eindeutig: Die Pronsfelder Bürger wollen einen neuen Dorfplatz. Vor genau einem halben Jahr endete die Moderation des Dorferneuerungsprogramms mit einer Abstimmung über die von mehreren Arbeitsgruppen entwickelten Projektvorschläge. 40 Gäste nahmen am Abschlussabend teil und stimmten mit 38 Stimmen dafür, dass der deutlich in die Jahre gekommene Platz im Ortskern aufgemöbelt werden soll. Sichtbares lässt sich seitdem zwar noch nicht vorweisen, der Platz besticht immer noch mit Flickwerk und eher zweifelhafter Aufenthaltsqualität, aber hinter den Kulissen brummt das Erneuerungsgeschäft.

"Ich kann von unserer Seite nur ein großes Lob aussprechen. Pronsfeld packt die Sache wirklich gut an", sagt Edgar Kiewel, Dorferneuerungsbeauftragter im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Zwar sei bisher noch nicht so viel zu sehen, Rat und Ehrenamtler seien aber voll bei der Sache, wenn es um die Umsetzung der öffentlichen Maßnahmen gehe, und auch in puncto private Investitionen könne man einiges vorweisen.

"Wir haben in der vergangenen Ratssitzung unseren weiteren Fahrplan und unsere Schwerpunkte festgelegt. Dabei nahmen wir uns die fünf bevorzugten Themen vor", sagt Ortsbürgermeister Harald Urfels (siehe Hintergrund). Noch in dieser Woche treffe man sich mit der Stadtplanerin Rosemarie Bitzigeio zu einem Ortstermin, um über den Dorfplatz zu sprechen. "Dort werden wir schauen, was gemacht werden kann und was gemacht werden muss. Anschließend geht es gleich weiter zum Spielplatz, der ebenfalls auf der Liste zu finden war", sagt Urfels.

Während Arbeiten auf dem Spielplatz relativ schnell umgesetzt werden könnten, dauere es noch eine Weile, bis der Dorfplatz in Angriff genommen werden kann. "Sobald es geht, stellen wir die ersten Pläne im Rat und damit auch den Bürgern vor", sagt er. Das Gleiche gelte für die Umbauten am alten Bahnhofsgelände und der Grillhütte oder die Ausweisung eines Panoramawegs. "Hier sind wir übrigens bereits in Gesprächen in anderer Förderrichtung - der Naturpark hat da schon seine Unterstützung zugesagt. Auch das ist möglich", sagt Kiewel.

Hohe private Investitionen


"Es wurde eine Entwicklung angestoßen, die allein schon in den nackten Zahlen gut zu erkennen ist", sagt Kiewel. In den vergangenen zwanzig Jahren seien acht Sanierungsmaßnahmen umgesetzt worden - sechs davon allerdings in den letzten zwei Jahren. "Der Schub ist also sehr deutlich", sagt er. Etwa 650 000 Euro seien in die Modernisierungen geflossen, seitdem Pronsfeld zur Schwerpunktgemeinde erklärt worden sei. "Diese Investitionen wurden mit Zuwendungen von 125 000 Euro unterstützt."

Kiewel hofft, dass das private Interesse auf diesem hohen Niveau bleibt. "Wir beraten Hausbesitzer gerne, erklären ihnen, was Aussicht auf Förderungen hat und wo es Schwierigkeiten geben könnte", sagt Kiewel.
Ein Angebot, das Rainer Proll bereits genutzt hat - allerdings bisher erfolglos. "Ich habe einen Parkplatz, der in der Woche von einem Mieter und seinen Kunden genutzt wird, am Wochenende aber von Kirchgängern und Besuchern der Sportanlage", erklärt er. Seine Idee: "Ich dachte, dass ich den Platz mit einer Förderung pflastern lasse und ihn dann offiziell der Gemeinde zum Parken zur Verfügung stellen kann." Mehrfach habe er sich beraten lassen: "Letztlich wurde mir aber gesagt, dass das Projekt - ich schätze es hätte knapp 3000 Euro gekostet - keine Aussicht auf Erfolg habe." Er bedauere das: "Richtig nachvollziehen kann ich das nicht, ich würde der Gemeinde doch bei der Lösung des Parkplatzproblems helfen."

Die Idee sei prinzipiell auch gut und Prolls Engagement sicher begrüßenswert, sagt Kiewel, allerdings entspreche ein Projekt, bei dem es nur um die Versiegelung einer Parkfläche gehe, einfach nicht den Förderbedingungen und Zielen der Dorferneuerung. "Man darf nicht vergessen, dass das Programm bei privaten Unterstützungen immer die Aufwertung des Dorfbildes mit im Blick hat." Im diesem konkreten Fall gebe es zum Beispiel bessere Aussichten auf eine Unterstützung, wenn neben der Erschließung der Parkfläche gestalterische Maßnahmen wie Hecken und Bäume berücksichtigt würden oder das angrenzende Gebäude mit einbezogen werde - "eben alles mit Blick auf die Verbesserung des Ortsbilds", sagt Kiewel.
Extra
Als einziger Ort im Eifelkreis wurde Pronsfeld 2014 zur Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung erklärt. Die Anerkennung gilt für sechs Jahre. So lange können sich alle privaten und öffentlichen Bauherren kostenlos beraten lassen und Bauzuschüsse vom Land erhalten. Allein in den Förderjahren 2000 bis 2013 wurden landesweit 991 Projekte realisiert und 42,7 Millionen Euro als Fördermittel für private und öffentliche Vorhaben gewährt. Ziele des Dorferneuerungsprogramms sind unter anderen, die Dörfer für die Zukunft zu stärken und sie für Neubürger attraktiver zu machen. aff

 

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