Das Prümer Amtsgericht hat eine neue Leiterin: Alexandra Meerfeld ist zur neuen Direktorin ernannt worden (der TV berichtete). Der Volksfreund hat die Nachfolgerin von Franz-Josef Triendl zum Interview getroffen und gefragt, was die Tätigkeit eines Richters am Amtsgericht ausmacht und welche Ziele sie sich in ihrer neuen Aufgabe gesetzt hat.
Podcast
Fotostrecke
Alexandra Meerfeld ist neue Direktorin des Amtsgerichts Prüm.
Foto: Christian Brunker
Reibungsloser Übergang: Nur wenige Tage nach dem offiziellen Ausscheiden von Franz-Josef Triendl als Direktor des Prümer Amtsgerichts hat die 44-jährige Alexandra Meerfeld die Stelle nun auch offiziell übernommen. Zuvor hatte die promovierte Juristin seit August das Gericht kommissarisch geleitet. Der Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Prüm umfasst die Verbandsgemeinden Prüm, Arzfeld und Obere Kyll. Dort leben rund 40.000 Einwohner auf einer Fläche von 868 Quadratkilometern. Jedes Jahr bearbeiten die drei Richter und die 20 weiteren Bediensteten rund 500 Zivilsachen, 350 Familienverfahren sowie rund 600 Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren. Dazu kommen rund 700 Betreuungsverfahren. Im TV-Interview spricht die neue Amtsgerichtsdirektorin, die gebürtig aus Daun stammt, über ihren Beruf und die neue Aufgabe als Leiterin des Gerichts.
Frau Meerfeld, warum sind Sie eigentlich Richterin geworden?
Alexandra Meerfeld: Ursprünglich war der Richterberuf noch nicht meine erste Wahl. Das lag an meinem Ausbilder während des Referendariats. Er war sehr frustriert, sodass ich dachte: So willst du nicht enden.
Die Ausbildung beim Anwalt war abwechslungsreicher, und dort durfte ich schon früh selbsttätig Mandate bearbeiten. Daher bin ich zunächst Anwältin geworden. Doch schon bald hat mich dabei die kommerzielle Orientierung sehr gestört. Die Sorgfalt, die man auf einen Fall verwendet, hängt mitunter davon ab, was er für den Anwalt an Gebühren einbringt.
Wenn man vom Anwaltsberuf leben will, kann man es sich in der Regel nicht leisten, die kleinen Mandate mit der gleichen Sorgfalt anzugehen wie die großen. Problematisch ist auch, wenn man für seinen Mandanten Positionen vertreten muss, die man selbst nicht teilt. Wenn man, um erfolgreich zu sein, eigene Überzeugungen verraten muss, sind das Momente, in denen man sich im Spiegel nicht mehr so richtig gut ins Gesicht schauen kann.
Als Richter hingegen bin ich nur den Rechtsvorschriften und meinem Gewissen verpflichtet und muss mich nicht irgendwelchen kommerziellen Interessen unterordnen. Hier habe ich die Freiheit, die Fälle so zu bearbeiten, wie ich es für richtig halte.
Was reizt Sie an der Aufgabe, das Amtsgericht Prüm zu leiten?
Meerfeld: Ich habe gerne mit Menschen zu tun. Ich denke auch, dass ich gut zwischen widerstreitenden Interessen ausgleichen kann. Außerdem habe ich festgestellt, dass mir Verwaltungsaufgaben durchaus Spaß machen und sehr reizvoll sein können. Beispielsweise habe ich während meiner Referendarzeit eine Wahlstation bei der deutschen Botschaft auf Malta abgeleistet. Da gehörten unter anderem Pressearbeit, konsularische und repräsentative Aufgaben sowie die Organisation von Veranstaltungen zu meiner Ausbildung.
Ich habe nach einer Tätigkeit gesucht, die diese verschiedenen Aspekte – Rechtsprechung, Rechtsfortbildung, Umgang mit Menschen, die Möglichkeit etwas aktiv zu gestalten – miteinander verbindet.
Ich glaube, dass ich mit der Tätigkeit als Direktorin des Amtsgerichts hier die ideale Mischung gefunden habe. Da ich durchaus heimatverbunden bin, bin ich sehr froh, dass ich diesem Beruf hier in der Eifel nachgehen kann.
Was macht für Sie einen guten Richter am Amtsgericht aus?
Meerfeld: Wichtig ist, dass man entscheidungsfreudig ist, dass man bereit ist, für seine Entscheidungen auch die Verantwortung zu übernehmen und dafür einzustehen.
Als Richter sollte man geradlinig sein und auf Menschen zugehen können. Wenn man zu den Menschen, über die man richten muss, keinerlei Zugang mehr hat, dann wirkt sich das negativ auf die zu treffenden Entscheidungen aus. Ein guter Richter sollte neben umfassenden Rechtskenntnissen auch eine gewisse Lebenserfahrung haben.
Wie geht man mit Zweifeln an den eigenen Entscheidungen um?
Meerfeld: Es gibt durchaus Fälle, in denen ich als Familienrichterin Zweifel habe, ob die getroffene Entscheidung die Richtige ist. Ich versuche immer, den Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, um so der Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Dennoch kann ich mich mit meiner Einschätzung irren, das ist eines der Risiken meines Berufs.
Da ist es für mich als erstinstanzlicher Richter beruhigend zu wissen: Es gibt eine zweite Instanz, die mich korrigieren kann, wenn ich falsch gelegen habe – dafür ist sie da.
Welche Ziele haben Sie sich für das Amtsgericht Prüm gesetzt?
Meerfeld: Ich möchte, dass wir hier am Standort Prüm mit unseren Mitarbeitern ein gutes Dienstleistungsangebot für die Bevölkerung vorhalten. Es ist für mich wichtig, dass das Recht nicht durch einen unbekannten, anonymen Apparat gesprochen wird, sondern dass man weiß, wo und was passiert.
Transparenz ist mir auch in meinen Entscheidungen immer sehr wichtig – sowohl was das Verfahren anbelangt, als auch was das Ergebnis betrifft. Ich kann bei meinen Entscheidungen oft nicht erreichen, dass das Ergebnis allen Beteiligten schmeckt. Aber ich kann dafür sorgen, dass jeder Beteiligte nachvollziehen kann, wie ich zu der Entscheidung gelangt bin. Diese Fairness ist sehr wichtig im Umgang miteinander.
ZUR PERSON
Alexandra Meerfeld ist 44 Jahre alt, verheiratet und stammt aus Daun. Nach dem Abitur am Thomas-Morus-Gymnasium in Daun studierte sie in Trier und Lancaster (Großbritannien) Rechtswissenschaften.
Nach dem Referendariat war sie zunächst knapp drei Jahre als Rechtsanwältin tätig, bevor sie im Oktober 2000 in die rheinland-pfälzische Justiz eintrat. Ihr beruflicher Weg führte sie sodann vom Landgericht Koblenz über das Amtsgericht Bitburg und das Landgericht Trier an das Amtsgericht Wittlich. Dort war sie seit dem 1. März 2003 schwerpunktmäßig als Familienrichterin tätig und erhielt mit Wirkung zum 1. August 2003 eine Planstelle als Richterin am Amtsgericht. Seit einigen Jahren leitet sie auch die familiengerichtliche Arbeitsgemeinschaft für Rechtsreferendare.
Verwaltungserfahrung sammelte sie ab 2010 zunächst im Rahmen einer Abordnung als Präsidialrichterin beim Landgericht Trier und dann von Juni bis Dezember 2011 im Rahmen einer weiteren Abordnung an das Oberlandesgericht Koblenz. Anschließend war sie an das Amtsgericht Daun abgeordnet, wo sie den Direktor des Amtsgerichts Kreten in dessen familienrichterlichen Dezernat vertreten hat. Seit August 2012 hat sie das Amtsgericht Prüm zunächst kommissarisch geleitet, am 8. Oktober wurde sie offiziell ernannt. ch
Kohlgemüse liefert so viele Vorteile auf einmal wie kaum ein anderes Gemüse. Kohl ist vielseitig einsetzbar und besonders in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Vitaminlieferant. mehr...
Finden Sie uns auf Facebook und auf Twitter | Kommentare: Kommentar schreiben