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Entwidmung der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm - Nun sind die Richter am Zug

(Gerolstein/Prüm) Prüm und Gerolstein drängen auf Entwidmung der Bahnstrecke Gerolstein-Prüm. Auch von anderer Seite bekommt die Gesellschaft, die dort mal Züge fahren lassen wollte, Gegenwind.

04.10.2017
Mario Hübner
Der Schein trügt: Während sich auf und an der seit Jahren nicht mehr befahrenen Bahnstrecke Gerolstein-Prüm nichts tut und Hecken, Bäumchen und Sträucher weiterhin munter auf und neben dem Gleisbett sprießen, herrscht hinter den Kulissen mächtig Bewegung. So haben die Stadt Gerolstein und die Verbandsgemeinde Prüm, denen die Bahnstrecke seit 2005 gehört, ein Verfahren zur Entwidmung eingeleitet. Damit wollen sie erreichen, dass die Strecke nicht mehr als Bahnstrecke eingestuft wird, somit die Gleise abgebaut werden können und der Weg frei wird, um dort einen Radweg zu bauen. Ein langgehegter Wunsch der Kommunen.

Das bestätigt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm. Er sagt: "Ja, wir haben den Antrag auf Entwidmung gestellt, weil auf der Strecke nichts passiert und außerdem der Abriss der Eisenbahnbrücke bei Lissingen ansteht. Wir hatten nie das Gefühl, dass sich da ernsthaft um einen Betrieb der Strecke bemüht wird."
Zum Radweg, der seiner Ansicht nach zahlreiche Radtouristen aus dem Kölner Raum anlocken wird, da "wir damit eine Lücke in unserem ansonsten guten Netz in der Eifel schließen können", sagt Söhngen: "Er wird kommen!"

Die Zentrale des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Koblenz bestätigt auf TV-Nachfrage den Entwidmungsantrag. Derzeit würden die Stellungnahmen zu der beabsichtigten Freistellung geprüft. Mit einer Entscheidung ist laut LBM aber "nicht kurzfristig zu rechnen", da zunächst der Ausgang eines anderen Verfahrens abgewartet wird. Und dafür ist nicht das LBM, sondern das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium zuständig. Nach TV-Informationen geht es dabei um Folgendes: Das Landes-Verkehrsministerium hat inzwischen die der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) vor rund drei Jahren erteilte Betriebsgenehmigung für die stillgelegte Bahnstrecke Gerolstein-Prüm wieder entzogen. Und dagegen hat die RSE laut TV-Informationen Widerspruch eingelegt. Von den Streitparteien ist dazu aber nichts Konkretes zu erfahren. Während sich das Ministerium mit der Begründung in Schweigen hüllt, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt, hat die RSE überhaupt nicht auf eine entsprechende Anfrage des TV reagiert.

Und was ist mit dem Abriss der maroden Eisenbahnbrücke bei Lissingen, die der LBM Gerolstein für dieses Jahr angekündigt hatte? Antwort von Gerolsteins LBM-Chef Harald Enders: "Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, spätestens 2018 werden wir den Abriss aber vornehmen." Zunächst einmal würden aber die laufenden Verfahren bezüglich der Bahnstrecke beobachtet.
Extra: GESCHICHTE DER BAHNSTRECKE

Die Stadt Gerolstein und die Verbandsgemeinde Prüm hatten die Bahnstrecke Gerolstein-Prüm 2005 für 430 000 Euro von der Bahn AG gekauft, da sie dort einen Radweg bauen wollen. Entwidmet wurde sie aber nicht. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn und die sie unterstützende Interessengemeinschaft Westeifelbahn hatten den beiden Kommunen angeboten, die Strecke für den symbolischen Betrag von einem Euro zu pachten und sie für rund 320 000 Euro instand zu setzen, um vor allem einen touristischen Betrieb zu ermöglichen. LBM und die Eigentümerkommunen stufen den Sanierungsbedarf für die Strecke aber wesentlich höher ein, im siebenstelligen Bereich. Im März 2014 hatte die RSE eine zehnjährige Betriebsgenehmigung erhalten - und laut TV-Informationen nun wieder entzogen bekommen, weil in der Zwischenzeit nichts auf der Strecke passiert ist. Ein Grund dafür: Die Eigentümerkommunen haben die RSE nicht auf die Strecke gelassen - auch weil bezüglich der Pacht keine Einigung erzielt wurde. Nun die Verfahren um die Entwidmung und die Betriebsgenehmigung.