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Erneuter historischer Fund am Prümer Hahnplatz: Ofen, Holz und eine Scherbe

(Prüm) Die Umbau-Arbeiten in Prüm bleiben spannend: Am Freitag wurden am Oberen Hahnplatz weitere Überreste aus vergangenen Jahrhunderten entdeckt

21.04.2017
Fritz-Peter Linden

Nein, das war es noch nicht mit den Überraschungen am Hahnplatz: Neben den ausgegrabenen Mauerresten (TV von Freitag) sind nun gleich die nächsten Funde aufgetaucht. Am Oberen Hahnplatz wurden beim Baggern die Überbleibsel eines Kalkbrennofens freigelegt – und kleine Keramikscherben, die möglicherweise sehr alt sind. Die Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Trier ließen deshalb die Arbeiten zwischenzeitlich stoppen.

Ein solcher Ofen, sagt Lars Blöck, der wissenschaftliche Grabungsleiter vom Landesmuseum und der Generaldirektion Kulturelles Erbe, sei verwendet worden, um Kalk herzustellen, den man für Mörtel bei Bauarbeiten benötigt habe: Entweder sei er für ein bestimmtes Bauvorhaben errichtet oder von einem kommerziellen Betrieb genutzt worden.

Das Alter des Ofens sei zunächst schwer einzuschätzen, sagt Blöck: „Die sehen von der Römerzeit bis in die Neuzeit eigentlich gleich aus." Ein solcher Ofen sei zwischen drei und sechs Metern breit und etwa ebenso hoch gewesen: „Man baut als erstes ein Holzgerüst, darauf werden dann Kalksteine geschichtet." Das Feuer erhitzt die Steine so stark, dass sie anschließend zu Kalk zerbröseln und für Mörtel verwendet werden können.

In den Erdschichten am Hahnplatz kann man unterschiedliche Färbungen erkennen. Schwarz sind die Reste von Holzkohle, rötlich-braun die Schichten, die beim Brandvorgang „verziegelt" wurden: Die große Hitze, sagt Blöck, führe dazu, dass das Erdreich zu Keramik werde.

Stadträtin und Basilika-Führerin Monika Rolef glaubt, dass der Ofen für den Bau der Kirche in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts verwendet wurde. Lars Blöck vermutet das eher nicht: Solche Kalköfen seien immer sehr nah am Bauobjekt errichtet worden – der jetzt entdeckte liegt aber rund 80 Meter von der Kirche entfernt. „Da tippe ich eher, dass das mit einer anderen Baumaßnahme zu tun hat." Das Alter des Ofens kann durch eine Radiocarbon-Untersuchung der Holzkohle bestimmt werden: Dann, sagt Lars Blöck, wisse man zumindest, aus welchem Jahrhundert er stamme.

Noch spannender könnte die Antwort auf die Frage nach den Scherben sein, die gestern gefunden wurden: Die müsse er sich allerdings genau anschauen, sagt Blöck. Seine vorsichtige Einschätzung, nachdem er ein Foto gesehen hat: „Entweder Mittelalter oder früher."

Die Entdeckungen vom Freitag seien durchaus zu erwarten gewesen und „jetzt nicht der Jahrhundertfund", sagt Grabungstechniker Marcus Thiel. Die Arbeiten gingen kurz darauf weiter. Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy wär’s schon recht, wenn es so bliebe.