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Kein Bahnbetrieb von Prüm nach Gerolstein

Verkehrsministerium lehnt den Antrag der Rhein-Sieg-Eisenbahn ab - Unternehmen kündigt Klage an

(Prüm) Die Bahnstrecke zwischen Prüm und Gerolstein wieder in Betrieb nehmen - das war das Ziel der Rhein-Sieg-Eisenbahn aus Bonn. Doch nun hat das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium den Antrag abgelehnt.

11.09.2011
Christian Brunker
Prüm. Das Einzige, was sich in den letzten Monaten an der alten Bahntrasse zwischen Prüm und Gerolstein sichtbar getan hat, ist der zunehmende Bewuchs neben und auf den alten Gleisen. Diesen Zustand zu beenden, wieder Züge auf die Strecke zu bringen und damit die alte Verbindung reaktivieren - das will die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE). Deshalb hatte das Bonner Unternehmen im vergangenen Jahr beim Verkehrsministerium in Mainz eine Betriebsgenehmigung beantragt (der TV berichtete). Danach tat sich lange nichts.

Info-Abend am 13. September


Doch nun hat das Ministerium den Antrag nach mehrmonatiger Prüfung abgelehnt. Zu den Gründen will man sich, weil sie das Unternehmen betreffen, nicht näher äußern. "In Rheinland-Pfalz ist der Erhalt von Schienenstrecken entgegen der schriftlichen Vereinbarungen im Koalitionsvertrag wohl nicht gewollt", sagt Daniel Preis, Eisenbahnbetriebsleiter der RSE. Der Antrag sei "aus nichtigen Gründen" abgelehnt worden, auf die er ebenfalls nicht genauer eingehen will. In anderen Bundesländern seien vergleichbare Vorhaben - auch erst kürzlich - ohne weitere Nachfragen akzeptiert worden. "Uns bleibt daher nichts anderes übrig, als unser gesetzlich verankertes Recht auf dem Gerichtsweg zu erlangen. Wir werden daher unmittelbar Klage beim Verwaltungsgericht in Mainz einreichen", sagt Preis. Man sei gewillt, den Weg bis zur letzten Instanz zu gehen. Preis weist ausdrücklich darauf hin, dass mit der Ablehnung der Betriebsgenehmigung nicht die Entscheidung über die Entwidmung der Strecke verbunden ist. Diese ist notwendig, um die Gleise entfernen und einen Radweg errichten zu können, wie es die beiden Besitzer der Strecke, die Verbandsgemeinde (VG) Prüm und die Stadt Gerolstein, vorhaben.
Dennoch ist Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, zufrieden über den Etappenerfolg: "Wir begrüßen die Entscheidung natürlich."
Nun müsse man abwarten, wie das Gerichtsverfahren ausgehe - dem er keine großen Chancen einräumt. Er hoffe, dass bald der erklärte Wille der beiden verantwortlichen politischen Gremien - des VG-Rats Prüm und des Stadtrats Gerolstein - umgesetzt werden und endlich der geplante Radweg gebaut werden könne.
Doch zunächst muss das Verwaltungsgericht in Mainz entscheiden. "Weder Eisenbahn noch Radweg werden kommen, bis rechtskräftig entschieden worden ist", sagt Preis. Auch weiterhin wird die Verwilderung das Einzige sein, was auf der Bahnstrecke voranschreitet.
Fahrrad, Schienenbus oder Stillstand - das ist auch das Thema einer Veranstaltung, zu der der CDU-Ortsverband Prüm-Land am Dienstag, 13. September, 20 Uhr, ins Hotel Kirst nach Gondelsheim einlädt. Dort wird Söhngen über den aktuellen Stand informieren.
Meinung
Das Gezerre geht weiter

Wird es nun endlich etwas mit dem Ende des Stillstands auf der alten Bahntrasse von Prüm nach Gerolstein? Darauf zu hoffen, wäre verfrüht. Zwar ist die Ablehnung des RSE-Antrags ein erster Schritt, die Situation endlich und abschließend zu klären. Doch wie zu erwarten war, muss nun ein Gericht über die Reaktivierung der Bahnstrecke entscheiden. Und es ist unwahrscheinlich, dass es bei einer Instanz bleiben wird. Denn egal wie sie entscheidet, keine der beiden Seiten wird so schnell die Niederlage einräumen. Bis endlich feststeht, was aus der Bahnstrecke wird, werden vermutlich wieder Jahre ins Land gehen. Der Tourismus, der sowohl von der Bahn als auch vom Radweg profitieren würde, bleibt auf der Strecke. Zwar ist ein Radweg wegen der längeren jährlichen Nutzungszeit und der größeren Möglichkeiten für Radfahrer, Spaziergänger und Inlineskater eher wünschenswert als ein touristischer Bahnbetrieb, der nur in den Sommermonaten verkehrt. Aber dem Abbau der Gleise stehen nach wie vor hohe rechtliche Hürden im Wege. Von daher wird es auf einen Kompromiss hinauslaufen, und es stellt sich die Frage, ob man dafür die Jahre bis zu einer letztinstanzlichen Gerichtsentscheidung warten muss, ober ob man nicht schon vorher eine gemeinsame Lösung findet - auch wenn bei der Qualität des Radwegs Abstriche gemacht werden müssen. c.brunker@volksfreund.de Die Bahnstrecke: Die 1883 eröffnete Strecke zwischen Prüm und Gerolstein wurde 2001 endgültig stillgelegt und auch der Güterverkehr eingestellt. Der Personenverkehr ruht bereits seit 1980. Im Dezember 2005 haben die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein die 23 Kilometer lange Strecke gekauft. 2007 fiel die Entscheidung, die Strecke in einen Radweg zwischen den beiden Städten umzuwandeln um damit eine familienfreundliche Verbindung zwischen Prümtal- und Kylltalradweg zu schaffen. Wissenschaftliche Arbeit: Wissenschafter haben sich mit der Westeifelbahn im Allgemeinen und dem Abschnitt von Prüm nach Gerolstein im Speziellen befasst. Christopher Eul aus Gerolstein hat bei Professor Heiner Monheim an der Universität Trier im Fachbereich Geowissenschaften eine Bachelorarbeit unter dem Titel "Die Westeifelbahn Gerolstein-Prüm - Nutzungskonflikte um die Zukunft einer Bahntrasse" vorgelegt. Mögliche Potenziale: Darin untersucht er die Strecke auf mögliche Potenziale - ob als Draisinenverkehr, als Radweg, als touristischer Schienenbusverkehr oder ob gar eine Wiederinbetriebnahme als reguläre Bahnverbindung sinnvoll wäre. Außerdem setzt er sich mit den verschiedenen Varianten einer Radwegverbindung zwischen Prüm und Gerolstein - auf der Trasse, direkt daneben oder über vorhandene Wirtschaftswege - auseinander. Eul kommt zu dem Fazit, dass eine Lösung mit Bahnbetrieb und einem Radweg, teils über vorhandene Wirtschaftswege, teils neben der Strecke, die sinnvollste wäre. ch

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