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Keine Frage der Finanzen

Auch wenn es für den Bahnbetrieb der Strecke Prüm-Gerolstein keine öffentlichen Förderungen gibt, kann die Trasse nicht in einen Radweg umgebaut werden, wie es Verbandsgemeinde (VG) Prüm und Stadt Gerolstein anstreben. Wie das Eisenbahnbundesamt in Bonn mitteilt, kommt es allein darauf an, ob es ein Interesse an der Strecke gibt - unabhängig von der Frage der Finanzierbarkeit.

09.07.2009
Von unserem Redakteur Christian Brunker
Prüm/Gerolstein. Die Luft für die diejenigen, die die Bahnstrecke Prüm-Gerolstein in einen Radweg umbauen wollen, wird dünner. Auch falls die Vulkaneifelbahn (VEB) für den Betrieb der Eifelquerbahn bis nach Prüm keine öffentliche Förderung bekommt - wie von VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen und Gerolsteins Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz angestrebt -, ändert sich nach Ansicht von Experten nichts daran, dass die Gleise nicht abgebaut werden dürfen. Denn entscheidend sei die Frage, ob jetzt oder in absehbarer Zeit ein Bedarf für die Bahnstrecke besteht - unabhängig davon, ob es für den Betrieb ein schlüssiges Finanzierungskonzept gibt. "Die Tatsache, dass sich ein Unternehmen um den Betrieb der Strecke bemüht, zeigt, dass ein Bedarf für die Strecke vorliegt", sagt der Jura-Professor und Leiter der Kölner Forschungsstelle für deutsches und internationales Eisenbahnrecht (FER), Hans-Jürgen Kühlwetter. Dementsprechend seien eine Entwidmung und damit der Abbau der Gleise nicht möglich.
 
Das Eisenbahnbundesamt in Bonn bestätigt, dass es bei der Frage nach der Entwidmung nicht darum gehe, ob ein möglicher Betreiber ein tragfähiges Finanzierungskonzept vorlegen kann. Für Andreas Kurth, Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Eifel-Nebenbahnen ist klar: "Die Frage der Finanzierbarkeit einer Reaktivierung ist für den Schutz der Infrastruktur völlig unerheblich."
 
Zum Hintergrund: Die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein hatten die Strecke 2006 für insgesamt 420 000 Euro von der Bahn gekauft. Im Dezember 2007 entschieden sich die Räte für die Umwandlung der Strecke in einen Radweg, die dafür notwendige Freistellung vom Bahnbetrieb sollte eingeleitet werden. Doch im Mai dieses Jahres bescheinigte das Mainzer Verkehrsministerium der Entwidmung nur "geringe Perspektiven", eben weil die Vulkaneifelbahn (VEB) sich um die Nutzung der Strecke bemüht.
 
Daraufhin wandten sich Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, und Karl-Heinz Schwartz, Stadtbürgermeister von Gerolstein, mit einer Anfrage ans Ministerium und stellten die öffentlichen Förderungen für die Vulkaneifelbahn infrage (der TV berichtete). Denn mit diesen öffentlichen Mitteln würden andere wichtige Projekte von großem öffentlichen Interesse wie der Radweg und der Abriss der Bahnbrücken in Lissingen und Oos blockiert. Ohne die öffentlichen Zuschüsse könnte die Vulkaneifelbahn aber nicht fahren. Das heißt: Sollte die Landesförderung eingestellt werden, fiele die VEB als Interessent an der Bahnnutzung weg und würde der Entwidmung nicht mehr im Wege stehen. So zumindest die Rechnung von Söhngen und Schwartz. Doch nach allem Anschein weisen die Weichen derzeit in eine andere Richtung.

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