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Künstlernachwuchs in Niederprüm: Der 19-jährige Lukas Kruft bringt Metall schön in Form

(Niederprüm) Die Kunstwerke von Hubert Kruft kennt man in der ganzen Region, der Skulpturenpark der Familie in Niederprüm ist zudem eine Besucherattraktion. Jetzt macht sich Sohn Lukas daran, seinem Vater zu folgen - weil etwa anderes für ihn auch gar nicht in Frage kam. Er will Metallbauer werden.

11.01.2016
Fritz Peter Linden
Viele Eltern schlafen erst einmal schlecht, wenn das Kind ihnen ankündigt: "Ich werd’ Künstler!" Bei Liane und Hubert Kruft in Niederprüm ist das anders: Sie freuen sich darüber, dass Sohn Lukas das Gleiche machen will wie sein Vater - und sich deshalb zum Metallgestalter ausbilden lässt.

Die Familie betreibt im Prümer Stadtteil den Skulpturenpark, bevölkert von allerlei handgemachten Tieren und anderen Werken, sehr ansehnlich und bei Besuchern beliebt: "Unsere Hauptsaison ist der Sommer, wenn viele Touristen da sind" sagt Diplom-Designer Hubert Kruft. Und die Besucher kaufen anschließend im hauseigenen Laden kleinere Skulpturen - "davon leben wir". Hinzu kommen größere Aufträge wie die Gruppe von Milchkühen aus Cortenstahl, die jeder kennt, der die A 60-Ausfahrt Prüm schon einmal genommen hat (der TV berichtete).

Kein anderer Beruf


Jüngstes Großwerk aus dem Hause Kruft: Die 3,20 Meter hohe Figurengruppe am neuen Gemeindehaus von Watzerath. "Die heißt ,Gemeinschaft’", sagt der 64-jährige Senior. "Und das ist auch eine gute Gemeinschaft in Watzerath." Schön, aber auch familienintern scheint es zu fluppen, denn sonst wäre Sohn Lukas kaum beim Vater in die Lehre gegangen: "Und zwar komplett freiwillig", sagt der 19-Jährige. In die Nachfolge habe ihn niemand zwingen müssen. "Nä - ich hätte nicht gewusst, was ich sonst machen würde. Das war von Anfang an klar." Das gilt fast wörtlich: Schon zu seinem dritten Geburtstag, wirft Mutter Liane ein, habe Lukas von einer Tante Hammer und Nägel geschenkt bekommen "und überall Nägel eingeschlagen". Das Haus hat die frühen Versuche des kleinen Lukas weitgehend unbeschadet überlebt. Inzwischen hat der heute 19-Jährige eine ganze Reihe von Werkstücken gefertigt, auch an den beiden erwähnten Skulpturen für den öffentlichen Raum hat er mitgearbeitet. Die sind übrigens so groß, sagt der Vater, dass die beiden Krufts dafür wieder mit dem Metallbauer Erwin Fußmann auf der Dausfelder Höhe zusammenarbeiteten. "Der hat die großen Maschinen, um Bleche zuzuschneiden. Und die Hebevorrichtungen."

Immerhin wiege das Werk in Watzerath 500 Kilogramm, "das kann man nicht einfach so hin- und hertragen". Und was hält Hubert Kruft von seinem Lehrling? "Es macht ihm Spaß. Er ist auch begabt und macht das mit großem Elan." Das bedeutet vermutlich, dass die Zukunft des familiären Betriebs geregelt ist, oder? Naja, sagt der Vater, bei den jungen Leuten wisse man das ja nie. "Aber wir nennen ihn schon Juniorchef" sagt Mutter Liane. "Das gibt ihm Auftrieb." Den wird Lukas im August brauchen. Dann legt er vor der Handwerkskammer Trier seine Prüfung ab. Der Metallgestalter hieß früher übrigens Kunstschmied - und auch am Amboss würde Lukas vermutlich eine gute Figur machen. Denn auf dem Niederprümer Gelände steht auch noch die alte Dorfschmiede, in der die beiden Krufts gelegentlich noch arbeiten.Vater Hubert hat aber noch nicht vor, den Ruhestand einzuläuten - er will auf jeden Fall noch weitermachen. "Ja klar - so lange, wie es mir Spaß macht. Das ist ein Beruf, den man auch im gestandenen Alter noch ausführen kann." Und einer, ergänzt Sohn Lukas, "bei dem man sich nicht morgens aus dem Bett quälen muss."
 
Extra
Die Berufe Kunstschmied und -schlosser sind seit Ende der 1980er Jahre unter der neuen Bezeichnung "Metallbauer" zusammengefasst worden. Sie stellen unter anderem Geländer und weitere Bauelemente rund ums Haus her. "Bei der Konstruktionstechnik lernt man Türen, Fenster und Fassaden aus Stahl oder Aluminium herzustellen und zu montieren", heißt es auf der Internetseite der Handwerkskammer Trier. Im Nutzfahrzeugbau fertige der Metallbauer Fahrwerke, Rahmen und Bremssysteme für Spezialfahrzeuge. "Künstlerischen Anspruch erheben die kreativ geschmiedeten Teile aus Eisen und Kupfer, die als dekorative Elemente eingesetzt werden." Routine gebe es bei der Metallgestaltung nicht, "da meist Einzelstücke entstehen". 

 

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