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Lange Baustelle, kurzer Geduldsfaden - Autofahrer fahren zu schnell durch B51-Baustelle

(Prüm-Dausfeld/Willwerath) Arbeiten auf der Bundesstraße 51: Die weitaus meisten Autofahrer krachen zu schnell durch die verengten Spuren. Neue Messgeräte des Landesbetriebs Mobilität und Kontrollen der Polizei liefern erschreckende Zahlen.

17.02.2017
Fritz-Peter Linden
So ein langes Stück Baustelle wie derzeit auf der B 51 "verlangt schon ein bisschen Disziplin von den Autofahrern", sagt Bruno von Landenberg, stellvertretender Chef des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein. Die Behörde lässt zwischen Brühlborn und Willwerath zurzeit die Fahrbahnen und Bankette erneuern, die Arbeiten werden bis voraussichtlich Sommer dauern (der TV berichtete, siehe Extra).

Disziplin. Das heißt: langsam fahren. Und zwar, abgesehen von den Baustelleneingängen - da gilt Tempo 30 - eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde.
Der LBM hat jetzt dem TV aufschlussreiche Zahlen präsentiert, ermöglicht durch die beiden neuen Anzeigentafeln: Das sind die Dinger, die den Autofahrer rot blinkend darauf stoßen, dass er gerade zu flott unterwegs ist. Die Geräte sind seit dem 11. Januar aufgebaut und ersetzen die vorigen Exemplare, die aufgrund eines Defekts aus dem Verkehr gezogen wurden.

Die neuen Apparate haben einen Vorteil gegenüber den ausgemusterten Modellen: Sie zeichnen auch die Zahl der Fahrzeuge und deren Geschwindigkeit auf. Ergebnis der Auswertung in den vergangenen fünf Wochen: Von den täglich im Schnitt 10 500 Personen- und Lastwagen, Motorrädern und anderen Vehikeln waren stramme 95 Prozent zu schnell - das wären exakt 9975. Täglich, wie gesagt.

Die Geräte registrieren alles, was schneller unterwegs ist als Tempo 50. Schneller als 79 Kilometer pro Stunde waren dabei 15 Prozent, der Spitzenreiter krachte mit 170 Sachen in Richtung Trier - "wohlgemerkt: im 50er-Bereich", sagt von Landenberg. Ein Zweiter raste mit Tempo 133 durch die Baustelle - kein Wunder, dass die Baufirmen um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter bangen und deshalb bereits die Polizei ansprachen, die auf dem betreffenden Stück auch schon Kontrollen vorgenommen hat.
"Das macht der zentrale Verkehrsdienst der Polizeidirektion Wittlich", sagt Christoph Cremer, Chef der Inspektion Prüm. Und die Kollegen hätten ihm von mehreren Kontrolltagen "mit erschreckendem Ergebnis" berichtet. "Da hagelte es Fahrverbote."

Beispiel Dezember: Da seien nach zwei Kontrollen mit 2000 gemessenen Fahrzeugen 269 Verwarnungen ausgesprochen, 55 Anzeigen geschrieben und sechs Fahrverbote verhängt worden.
Ähnlich groß sei das Problem zwischen Stadtkyll und der Abzweigung nach Schönfeld - dort ist die Geschwindigkeit ebenfalls runterreguliert, an der Einfahrt zur Baustelle für die Windräder und wenige hundert Meter weiter dahinter bei den Arbeiten an der Wildbrücke.

In diesem Abschnitt hat die Polizei vorigen Sonntag ihre Messgeräte aufgestellt. Ergebnis: 69 Fahrer, deren Erlaubnis nun vorläufig eingezogen werde - "fast so viele, wie im ganzen vergangenen Jahr", sagt Christoph Cremer. In einem Zeitraum von vier Stunden, sagt der PI-Chef, wurden mehr als 1100 Fahrzeuge gemessen, 160 Fahrer werden in Kürze verwarnt, "245 kriegen eine Anzeige", darunter die Piloten mit den Fahrverboten. Der Schnellste wurde auch hier mit 170 Kilometern pro Stunde gemessen.

Überhaupt seien viele Fahrer auf dem Abschnitt zwischen Brühlborn und der Grenze zu Nordrhein-Westfalen deutlich zu schnell unterwegs. Cremer: "Da sind Geschwindigkeiten von jenseits der 150 - und da drücke ich mich jetzt vorsichtig aus - keine Seltenheit."
Konsequenz: Die Polizei wird weiter - und wahrscheinlich noch öfter - kontrollieren. Christoph Cremer: "Davon kann man ausgehen."
Kommentar
Meinung
Ganz einfach

Hand aufs Herz: Wer würde schon behaupten, dass er noch nie zu flott unterwegs war, und sei es nur aus Ablenkung oder Gedankenlosigkeit? Aber es ist zu gefährlich. Deshalb: Raus aus der Hektik und runter vom Gas. Das geht, man muss sich nur immer wieder selbst zur Räson rufen. Aber davon abgesehen: Wie irre muss einer sein, der mit mehr als 100 durch die verengten Spuren rast und nicht nur sich, sondern auch die Bauarbeiter und die anderen auf der Straße in Gefahr bringt? f.linden@volksfreund.de
ZWEITER BAUABSCHNITT BEI OLZHEIM
 
Extra
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat bereits vor mehr als zwei Jahren den Abschnitt der Bundesstraße 51 zwischen Olzheim und Willwerath für fast fünf Millionen Euro erneuern lassen, jetzt laufen die Arbeiten am 3,1 Kilometer langen Stück von der Talbrücke Willwerath bis zur Brücke Dausfeld, für weitere 6,6 Millionen Euro. Die Straße ist vor allem von den vielen Lastwagen in den vergangenen Jahren stark beschädigt worden. Täglich werden dort zwischen Olzheim und Brühlborn im Schnitt 10 500 Fahrzeuge gezählt, knapp ein Drittel sind LKW. An der Messstelle bei Neuendorf sind es 10 900 Fahrzeuge. Im Jahr 2005 zählte man noch 9700 Fahrzeuge. Freitags steigt die Zahl übrigens noch einmal deutlich: Auf durchschnittlich 13 500 Fahrzeuge.