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Moin, Herr Praktikant!

Björn Marzahn, der Pressesprecher der Hamburger Elbphilharmonie, nimmt eine Auszeit im Forstamt Prüm

(Prüm) Von der Elbe in den Eifelwald: Beim Forstamt Prüm arbeitet in diesen Wochen ein ungewöhnlicher Praktikant. Denn Björn Marzahn ist eigentlich Pressesprecher der Hamburger Elbphilharmonie. Und brauchte einmal eine Auszeit. Dossier zum Thema: Topthemen

11.03.2015
Fritz-Peter Linden
Stellen wir gleich einmal die Dimensionen klar: Die Hamburger Elbphilharmonie sollte anfangs, das war 2004, 147 Millionen Euro kosten, davon 60 Millionen aus einer privaten Spende. Die Eröffnung war für 2009 vorgesehen. Mittlerweile ist man bei Januar 2017 angekommen - und voraussichtlichen Kosten von 790 Millionen Euro.

Anders gesagt: In den Kassenkrater, den der Musiktempel gerissen hat, passt das Nürburgring-Fiasko fast dreimal hinein. Und wer als Pressesprecher ein solches Vorhaben in der Öffentlichkeit vertritt, ist nicht zu beneiden. Den Job hat in den vergangenen Jahren Björn Marzahn gemacht: Der 49-Jährige bekennt, dass ihm dabei manche extrem steife Brise um die Nase geweht sei: "Man sitzt zwischen allen Stühlen", sagt er im Gespräch mit dem TV. Und gibt zu, in diesen vier Jahren "echt Federn gelassen" zu haben.

Und deshalb verbringt er jetzt ein paar Monate in Prüm. Als Praktikant. Im Forstamt. Wie kam er nur da hin? Und auf die Idee? "Ich wollte eigentlich Förster werden", sagt Marzahn. Statt aberwie so viele, die eine berufliche Auszeit als Ranger in Neuseeland nutzen oder Tier-Aufzugstationen in Tansania unterstützen, habe er sich für den deutschen Wald entschieden. "Ich habe mich bei 150 Forstämtern beworben. Und die Prümer haben Ja gesagt." Wobei er von der Stadt noch nie gehört hatte - und sie deshalb erst einmal googeln gegangen sei.

Anfang Februar kam er in die Eifel. Und spürt bereits, wie sich sein emotionales Gefieder zu erholen beginnt: "Ich bin seit ein paar Wochen hier und total glücklich", erzählt Björn Marzahn.

Sein derzeitiger Chef Peter Wind und alle Mitarbeiter im Forstamt seien unglaublich freundlich, die Aufgaben vielfältig: "Das naive Bild vom Förster im grünen Loden, Dackel und Büchse hatte ich zwar nicht, dass die Arbeit aber so dermaßen ekomplex ist, das hat mich erstaunt." Wobei sich der Praktikant offenbar gut einbringt: Für Peter Wind ist Marzahn zwar nicht gerade der typische Kandidat, aber trotzdem ein Gewinn: "Total positiv" seien die bisherigen Erfahrungen. Marzahn sei hoch interessiert, packe überall mit an und hinterfrage vieles, "was für uns selbstverständlich ist".

Der Wald labert nicht

Dadurch erhalte man einen neuen Blick auf die eigene Arbeit. Zudem berate er das Amt natürlich bei Fragen zur Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel auch beim Auftritt auf der Grenzlandschau in diesem Frühling. Kurz: Was man durch den Praktikanten an Aufwand habe, "das kriegen wir locker zurück".

Marzahn freut sich zugleich über die Erfahrungen, die er gerade macht: "Das Wunderbare ist, dass ich hier mit dem Revierleiter rausgehe und dabei bin, wenn er Bäume auszeichnet." Das klingt nicht spektakulär, wird es aber an anderer Stelle: Schließlich gehe es hier um Entscheidungen, "die in 60 Jahren gültig werden". Dieser "lange Atem des Tuns"sei es, was sich vo n der Stadt unterscheide. Und: "Der Wald labert nicht." Stille, Ruhe und dabei arbeiten - das alles lernt er hier kennen.

Auch schön: "So offen, wie ich hier aufgenommen worden bin, das wäre, gestehe ich, in Hamburg nicht denkbar. Die Transparenz, die sympathische Art, wie alles vermittelt wird, das ist schon toll. Da kann sich Hamburg eine Scheibe von abschneiden."

Das werde er auf jeden Fall in seine Heimat mit zurücknehmen. Und, apropos googeln, da lässt er gern noch eine Anekdote zurück: Als die Stadt vor zehn Jahren die Philharmonie in New York vorstellte, war auch Marzahn dabei. "Hinterher kommt ein Journalist auf mich zu und sagt: Mr. Marzahn, ein großartiges Projekt. Aber … wo ist Hamburg?"
Zur Person
Björn Marzahn wurde vor 49 Jahren in Kiel geboren, wuchs in Hamburg auf und ist gelernter Journalist: Er fing als Volontär bei der Badischen Zeitung in Freiburg an, studierte in München Journalismus, ging dann zur Leipziger Volkszeitung und 1999, gleichzeitig mit dem Wechsel der Bundesregierung, in die alte und neue Hauptstadt, zur Berliner Zeitung, die damals vom heutigen Bild-Kolumnisten Franz-Josef Wagner geleitet wurde. Im Jahr 2004 folgte er dem Ruf der damaligen Kultursenatorin Karin von Welck nach Hamburg, wurde ihr Sprecher, später ging er zur Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt - und die lieh ihn in den vergangenen vier Jahren an die Elbphilharmonie aus.
Bis Ende April bleibt Björn Marzahn in Prüm, danach geht er zurück ins Umweltamt. Er ist seit 2014 verheiratet mit Bettina Bermbach - einer Kollegin: Sie ist die Pressesprecherin der Hamburgischen Staatsoper. fpl

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