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Museumstreff in Pronsfeld

(Pronsfeld) Am Sonntag feiert der Musikverein mit seinen Besuchern wieder das Fest an der Lok, und die Eisenbahner präsentieren ihre aufgefrischte "Donnerbüchse".

07.06.2017
red/fpl
Das Eisenbahnmuseum der Ortsgemeinde Pronsfeld auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände hat sich zur Attraktion am Radweg entwickelt, und der kleine Zug mit der alten Diesellok und den angehängten Wagen "ist wohl das am meisten fotografierte Objekt in Pronsfeld", sagt Winfried Richards, der sich mit seinen Bahn-Mitstreitern um die Anlage kümmert.

Am Sonntag, 11. Juni, kann erstmals die neueste Errungenschaft des Museums - ein Personenwagen aus dem Jahr 1940 - besichtigt werden. Ähnliche Wagen dieser Bauart (3. Klasse mit Holzsitzen) waren auch auf den Pronsfelder Bahnstrecken eingesetzt, als noch Dampfloks verkehrten, wegen der starken Fahrgeräusche seien sie damals als "Donnerbüchsen" bezeichnet worden, sagt Richards.

Im November 2015 erreichte der Personenwagen, von der Waggonfabrik Busch in Bautzen hergestellt, seinen wohl letzten Heimatbahnhof in der Eifel (der TV berichtete). Die ehrenamtlich tätigen Pronsfelder "Eisenbahner" arbeiten seit mehr als einem Jahr an der Außen- und Innenrestaurierung des Wagens und freuen sich jetzt, das Ergebnis vorzeigen zu können, auch wenn die Arbeiten noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

Kostenlose Führungen durch das Museum, bei denen der Museumszug mit der Lok Köf II, Güterwagen und Personenwagen im Mittelpunkt stehen, finden um 11.30 Uhr, 13.30 Uhr und 15.30 Uhr statt. Treffpunkt ist jeweils an der Lok. Alle Bahnfans, die Bürger, alle Wanderer und Radler, die auf den ehemaligen Bahnstrecken unterwegs sind und eine Pause einlegen wollen, sind zum Museumstreff eingeladen. Für Unterhaltung, Speis und Trank ist auch gesorgt, denn der Musikverein Pronsfeld feiert am gleichen Tag sein Sommerfest, das "Lokfest", in unmittelbarer Nähe am Radweg.

Nähere Informationen dazu unter www.pronsfeld.de
 
Extra: GEDACHT FÜR DIE TÜRKISCHE STAATSBAHN

Ursprünglich wurde der Pronsfelder Waggon für die türkische Staatsbahn gebaut, die 1938 ein größeres Kontingent davon bestellt hatte. Wegen des Kriegsbeginns kam es jedoch nicht mehr zur Auslieferung, und die Wagen blieben in Deutschland. Ein Großteil der Fahrzeuge wurde an Privatbahnen verkauft. So kam der "Pronsfelder" Waggon zum Wagenpark der Reichswerke Hermann Göring, Watenstedt (Salzgitter), einem nationalsozialistischen Erzbergbau- und Eisenhüttenkonzern. Nach Kriegsende war der Wagen bis 1974 als "Salzgitter 0003" bei den Verkehrsbetrieben Peine -Salzgitter GmbH eingesetzt. 1974 übernahm der "Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde" das Fahrzeug und setzte es bis 2013 bei Museumszügen ein. Die Gemeinde konnte einen dieser Wagen erwerben, wobei im Rahmen der Dorferneuerung auch ein Zuschuss für Ankauf, Transport und Restaurierung gewährt wurde.

Per Spezialtransport kam der Waggon schließlich am 19. November 2015 im Museumsbahnhof Pronsfeld an und bildet nun mit der Lokomotive Köf II und dem Güterwagen einen kleinen Museumszug - und soll als Bistro-Wagen am Radweg dienen.