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Nur noch ein Interessent für Bahnbetrieb 127 Jahre Bahngeschichte

Drei Unternehmen hatten noch vor ein paar Monaten ihr Interesse an einem Bahnbetrieb der Strecke von Prüm nach Gerolstein bekundet. Davon ist mittlerweile nur noch einer übrig - die anderen haben ihre Anträge zurückgezogen.

04.10.2010
Von unserem Redakteur Christian Brunker
Prüm. Vulkaneifelbahn, Westeifelbahn und Rhein-Sieg-Eisenbahn: Die drei Unternehmen hatten im Frühjahr ihr Interesse beim rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium angemeldet, die alte Bahnstrecke von Prüm nach Gerolstein zu reaktivieren - sei es mit Draisinen wie im Fall der Westeifelbahn oder mit einem eher touristischen Konzept wie Vulkaneifelbahn oder die Rhein-Sieg-Eisenbahn.
 

Reaktivierung der Trasse gefährdet Radweg-Projekt


 
Allen Anträgen gemein: Würde auch nur einem von ihnen stattgegeben, gäbe es ein großes Problem für den zwischen beiden Städten geplanten Radweg auf der Trasse. Denn wie der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein ermittelt hat, würde eine Lösung, die Bahn und Rad unter einen Hut bringt, deutlich teurer. Je nach Streckenführung kalkuliert der LBM zwischen 6,7 und 7,3 Millionen Euro. Das ist nach einhelliger Meinung im Prümer Verbandsgemeinderat nicht finanzierbar. Dort favorisiert eine Mehrheit den Weg auf der Trasse, der rund 2,3 Millionen Euro kosten würde (der TV berichtete).
 
Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass alle Anträge auf Nutzung abgelehnt werden und die Strecke entwidmet wird - erst dann dürfen die Gleise abgebaut werden. Die Entscheidung hierüber muss der LBM treffen. Nach aktuellem Stand ist jedoch von den ursprünglich drei Bewerbern nur noch einer übrig: die Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH aus Bonn. VG-Chef Aloysius Söhngen hofft daher, dass das Entwidmungsverfahren bald abgeschlossen ist und die Gleise abgebaut werden können, damit fast drei Jahre nach der Pro-Radweg-Entscheidung im VG-Rat mit dem Bau begonnen werden kann.
 
Die Westeifelbahn, die auf der Strecke eine Draisinenbahn betreiben wollte, hat ihren Antrag zurückgezogen. "Als wir im Frühjahr von dem Antrag der Rhein-Sieg-Eisenbahn gehört haben, haben wir diesem eine Priorität eingeräumt und unsere Bemühungen vorerst nicht weiterverfolgt", sagt Andreas Kurth von der Projektgruppe Westeifelbahn. Denn wenn sich mehrere Betreiber für eine Bahnstrecke interessieren, bekomme derjenige den Zuschlag, der seinen Antrag am schnellsten durchbekomme. Weil die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) bereits in ähnlichen Fällen erfolgreich war, habe man keinen Zweifel, dass sie auch diesem Fall schneller sei. Sollte jedoch der Antrag der RSE abgelehnt werden, werde man den eigenen Antrag neu aufgreifen, sagt Kurth. Insgesamt sei man jedoch sicher, dass die Reaktivierung der Strecke mit der RSE kommen werde, denn das Bahnunternehmen habe Kompetenz bei zahlreichen anderen Strecken unter Beweis gestellt - etwa bei der Oleftalbahn im benachtbarten Hellenthal (Nordrhein-Westfalen).
 
Auch die Vulkaneifelbahn (VEB) überlässt der RSE zunächst den Vortritt. Das Bonner Unternehmen habe die größere Erfahrung, solche Reaktivierungen auch auf juristischer Ebene zu erkämpfen, sagt Geschäftsführer Jörg Petry. "Daher haben wir unseren Antrag zurückgezogen." Letztlich sei es egal, wer die Betriebsgenehmigung bekomme, denn dieser müsse auch andere auf der Strecke fahren lassen. "Es geht einfach um den Erhalt der Strecke."
 
22. Dezember 1883: Der erste Abschnitt der Westeifelbahn von Gerolstein nach Prüm wird eröffnet.
 
1. Oktober 1886: Die Strecke zwischen Prüm und Bleialf wird in Betrieb genommen.
 
1. Oktober 1888: Der Abschnitt bis St. Vith ist fertig.
 
6. Juli 1907: Die Stichstrecken von Pronsfeld nach Waxweiler und Neuerburg werden eröffnet.
 
22. November 1948: Wiedereröffnung der im Krieg weitgehend zerstörten Strecke von Prüm nach Gerolstein. 1949 wird auch der Betrieb bis zur Landesgrenze bei Ihren wieder aufgenommen.
 
1. Januar 1966: Der Personenverkehr von Pronsfeld nach Bleialf/Ihren und Waxweiler wird stillgelegt
 
1. Juni 1969: Auf dem Abschnitt zwischen Pronsfeld und Neuerburg fahren keine Personenzüge mehr.
 
28. Mai 1972: Ende des Personenverkehrs zwischen Prüm und Pronsfeld.
 
27. September 1980: Ende des Personenverkehrs zwischen Gerolstein und Prüm.
 
31. Mai 1987: Auch der Güterverkehr auf den Stichstrecken von Pronsfeld nach Bleialf und Waxweiler wird schließlich eingestellt.
 
28. Mai 1989: Ende für den Güterverkehr auf der Strecke von Pronsfeld nach Neuerburg.
 
Ende 1994: Der Güterverkehr zwischen Prüm und Pronsfeld wird eingestellt.
 
11. Juni 2001: Die Strecke zwischen Gerolstein und Pronsfeld wird für den Gesamtverkehr stillgelegt.
 
September 2002: Die Deutsche Bahn baut die Gleise am Prümer Bahnhof ab.
 
Juni 2003: Prüm und Gerolstein wollen auf der Bahnstrecke eine Draisinenbahn einrichten, aber die Eigentumsverhältnisse bleiben unklar.
 
Dezember 2005: Die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein kaufen die Bahnstrecke. Die Diskussionen, wie die Strecke genutzt werden soll, gehen weiter.
 
März 2006: Baubeginn für den Radweg von Prüm nach Pronsfeld.
 
24. August 2007: Eröffnung des "Eifel-Ardennen-Hohes-Venn-Radwanderwegs von Prüm bis St. Vith auf rund 30 Kilometern ehenmaliger Bahntrasse. Auch auf den Stichstrecken von Pronsfeld nach Waxweiler und Neuerburg entstehen Radwege oder sind bereits fertig.
 
Dezember 2007: Prümer VG-Rat enscheidet sich dafür, die Bahntrasse von Prüm nach Gerolstein in einen Radweg umzubauen.
 
Juni 2010: Die Entwidmung der Strecke Prüm-Gerolstein wird beantragt. (ch)

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