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Runter vom Rädchen, rein in die Dörfer: Kylltal-Radweg brummt und lockt Spontanbesucher in die Orte

Kylltal-Radweg brummt und lockt Spontanbesucher in die Orte

(Hallschlag/Jünkerath) Die hohen Erwartungen an den neuen Abschnitt des Kylltal-Radwegs haben sich erfüllt. Es brummt dort seit der Eröffnung im Mai - und viele Radfahrer gönnen sich zudem einen Abstecher in die Orte entlang der Strecke.

14.09.2015
Frank Auffenberg und Fritz-Peter Linden
Hallschlag/Jünkerath. "Das ist der Eifelsteig in Rad", sagt Andreas Wisniewski, Chef der Tourist-Information Oberes Kylltal. Und macht damit deutlich, wie gut das neue Streckenstück angenommen wird. "Wir hatten immer schon Radtouristen in der Region. Aber durch diesen neuen Radweg, der auch eine ganz andere Qualität hat, bekommen wir zum Beispiel auch Gäste aus Belgien."

Die nämlich könnten sich nun in Weywertz überlegen: "Fahr ich nach rechts in Richtung St. Vith und bleibe auf der Höhe? Oder fahr ich nach links ins Kylltal? Und diese Entscheidung fällt immer öfter fürs Kylltal."

Große Erwartungen


Sieben Jahre wurde geplant, 5,5 Millionen Euro kostete der Bau des Abschnitts - als am ersten Maisonntag endlich die Strecke zwischen der belgischen Grenze, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eingeweiht wurde, war die Freude groß in allen Orten entlang der Trasse. Ähnlich dimensioniert war mancherorts aber auch die Erwartungshaltung an das Projekt. Jetzt, fast sechs Monate später, klingt die erste Saison langsam aus.
Und die Zeichen stehen gut: "Er ist und bleibt eindeutig eine grandiose Sache - darüber braucht man nicht diskutieren", sagt Hallschlags Ortsbürgermeister Dirk Weicker. Der Radweg habe dafür gesorgt, dass deutlich mehr Leute ihren Weg ins Dorf finden als je zuvor. "Ohne Übertreibung - an sonnigen Tagen zählt man locker pro Stunde 100 Radfahrer auf der Strecke", sagt der hauptberufliche Heilpraktiker.

Schön sei, dass viele nicht einfach über die ehemalige Bahntrasse düsten, sondern gemütlich radelten. Sie schauten sich um, genössen die Landschaft und verließen die Trasse auch hier und da, um die Dörfer am Rand zu besuchen. "Es ist richtig auffällig, dass viel mehr Radfahrer durch den Ort kommen als noch vor der Eröffnung der Strecke."
Im August hat Weicker gemeinsam mit dem Hallschlager Franz Fittler ein Hinweisschild aufgestellt, das schon auf dem Radweg auf die Angebote im Ort verweist. "Die Unternehmen an der neu gebauten Trasse haben diese Schilder bezahlt. Im Moment weist es auf eine Herberge im Ort hin, ich hoffe, dass es demnächst aber mehr werden und vielleicht so mancher Dachstuhl noch als Gästezimmer ausgebaut wird."

Auch die seit einigen Wochen leer stehende Frittenbude werde hoffentlich bald aufgenommen: "Mit ein bisschen Glück haben wir sie bald wieder verpachtet", sagt Weicker. Auch in Kronenburg, Stadtkyll, Jünkerath, Birgel und Lissendorf stehen Schilder - "und das Interesse der Gewerbetreibenden an einer Werbung ist exorbitant", sagt Andreas Wisniewski. "Die schlagen sich darum, auf die Schilder zu kommen."

Gut für Gastronomen


Denn die Gastronomie am Streckenverlauf lohnt sich, wie das Beispiel der Glaadter Hütte in Jünkerath zeigt. Die Wirte Simon Cox und Susanna Vinken eröffneten pünktlich mit dem Radweg ihr Lokal und zeigen sich bisher sehr zufrieden. "Es war ein Prachtsommer - vom Wetter hätten wir es nicht besser treffen können. So kamen gerade an den Wochenenden sehr viele Radfahrer vorbei, die auch bei uns dann Halt machten", sagt er.
Man habe sich schnell etablieren können: "In der Woche ist es naturgemäß etwas ruhiger, aber an manchen Sonntagen gingen 260 Essen aus der Küche", sagt er. Das sei für einen neuen Betrieb, der sich erst noch auf dem Markt behaupten müsse, schon sehr gut.

Auch bei Jünkerath weist übrigens ein Schild auf die Einkehrmöglichkeit hin. "Das ist natürlich toll", sagt Cox. "Aber bei uns steht es so nah am Lokal, dass die Leute schon fast in den Biergarten fallen, wenn sie es lesen."
Extra
Der Radweg sei "ein voller Erfolg", sagt Andreas Wisniewski. Und das spüren auch die neuen oder vergrößerten Betriebe im Umfeld: Die Glaadter Hütte hat gerade die erste erfolgreiche Saison hinter sich (siehe Haupttext). Seit Juli wieder am Start: das Hotel am Park in Stadtkyll. Und dort, sagt Mitarbeiterin Sarah Kreuel, habe es gerade an den schönen Sommertagen etliche Radler gegeben, die abends spontan Übernachtungen gebucht hätten. In Stadtkyll eröffnet zum Jahresende auch das Mühlenhotel mit Angeboten speziell für Radler (der TV berichtete), angeschlossen ist es ans Gasthaus Alt Stadtkyll - der Betrieb erweitert damit von bisher sieben auf 22 Betten. Weitere Angebote entlang der Strecke sind in Planung, aber noch nicht spruchreif. fpl

 

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