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Skulpturen sollen Radler locken

Initiative plant deutsch-belgische Kunst-Trasse am Kylltalradweg zwischen Jünkerath, Losheim und Trois-Ponts

(Jünkerath/Losheim) Der Kylltalradweg auf der alten Bahntrasse kommt langsam in die Gänge: Im Sommer sollen, nach Jahren der Vorbereitung, die Arbeiten am ersten Abschnitt beginnen. Darüber hinaus wird bereits weiter geplant: Eine deutsch-belgische Initiative setzt sich für Kunst entlang der Strecke ein.

04.04.2013
Fritz-Peter Linden und Christian Brunker
Jünkerath/Losheim. Der Bau des Kylltalradwegs auf der Bahntrasse zwischen Jünkerath und der belgischen Grenze bei Losheim hat sich jahrelang verzögert. In diesem Sommer aber soll ein erster, rund 4,5 Kilometer langer Abschnitt von der belgischen Grenze über den Bahnhof Losheim in Richtung Hallschlag in Angriff genommen werden.
Zwei Brücken sind inzwischen repariert, die Trasse wird von Bewuchs befreit. Für 2014 ist dann das zweite Stück bis Jünkerath vorgesehen.
"Wir stehen kurz davor, Baurecht zu bekommen", sagt Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein. Allerdings sind immer noch letzte Fragen bei der Finanzierung offen, beispielsweise in welchen Tranchen die auf 6,3 Millionen Euro für den Bau vom Bund bereitgestellt werden. "Aber ich hoffe, dass wir das noch im ersten Halbjahr klären können."
Das heißt: Im kommenden Jahr wird die Region voraussichtlich - neben dem Eifel-Ardennen-Radweg zwischen Prüm und St. Vith - über eine weitere Verbindung ins Nachbarland verfügen, die hinter der Grenze bis nach Trois-Ponts weiterführt, sobald auch auf belgischer Seite die letzten Lücken geschlossen sind. Außerdem verbindet im Norden der Vennbahn-Radweg Aachen mit Troisvierges.

Dichtes Netz der Radwege


In absehbarer Zeit, sagt Radweg-Aktivist Arnold Knörr, habe man damit das größte europäische Radwegenetz auf Bahntrassen vor der Haustür. Knörr lebt in Köln, stammt aber aus dem Stadtkyller Ortsteil Niederkyll. Er setzt sich seit Jahren für den Kylltalradweg ein - und gehört jetzt auch zu den deutschen und belgischen Initiatoren des "Transit-Skulpturenparks Kyll-Amblève".
Das Vorhaben wurde soeben im belgischen Bütgenbach präsentiert. Die Idee: Wenn der Radweg einmal von Jünkerath bis nach Trois-Ponts führt, sollen ihn Skulpturen und andere Kunstwerke noch attraktiver machen.
Zu den Initiatoren zählt auch Wolf-Dietrich Bukow, emeritierter Professor für Soziologie und Erziehungswissenschaft der Universität Köln und jetzt Berater in einem Forschungskolleg der Uni Siegen, das sich unter anderem mit regionaler Entwicklung befasst. Bukow hat einen Zweitwohnsitz in Jünkerath-Glaadt und verfolgt auch deswegen die Entwicklung des Kylltalradwegs seit Jahren. Gemeinsam mit weiteren Experten auf belgischer und deutscher Seite hat er das Skulpturenkonzept entwickelt.
"Wir meinen, dass man da sehr viel machen kann", sagt Bukow im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Kunst könne die Attraktivität des Radwegs deutlich steigern: "Touristisch und ökonomisch ist das ein ideales Konzept." Zumal er die Eifel in dieser Beziehung noch für unterentwickelt hält.
Außerdem sei ein Engagement in dieser Hinsicht durchaus günstig. Der Radfahrer gebe erfahrungsgemäß genau so viel Geld am Tag aus wie der motorisierte Besucher, sagt der Professor: 60 bis 80 Euro. Zugleich sei aber die Investition in den Radtourismus deutlich geringer als ins Auto - Straßen seien erheblich teurer in Bau und Instandhaltung als Radwege.
Vor allem aber sei das derzeit entstehende Bahntrassen-Netz "wahnsinnig attraktiv", und das aus mehreren Gründen: Geringe Steigungen bedeuten, dass die Radwege für Familien geeignet seien, zugleich führen die Strecken durch teils unberührte Täler in schönster Natur - auch deshalb, weil die Region in früheren Jahrzehnten nur als Aufmarschgebiet gesehen worden sei und sich deshalb nie Industrie dort angesiedelt habe.
Darüber hinaus biete der deutsch-belgische Grenzraum viel Geschichte, die man beispielsweise am Westwall noch erfahren könne: "Wir haben hier eine eigene, gewachsene Kulturzone. Und das soll durch diese Skulpturenidee sichtbar gemacht werden."
Zunächst sollen dafür Akteure aus der Region, aber auch überregional bekannte Künstler gewonnen werden, die dazu bereit sind, sich an zehn Stationen mit Geschichte, Kultur, Architektur und anderen Merkmalen der Region kreativ auseinanderzusetzen. Zur Finanzierung der Arbeiten sollen unter anderem auch Sponsoren gewonnen werden.