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Spitzenweg mit kleinem Manko: Kylltalradweg erhält Höchstbewertung - Kritik an Verlauf in Jünkerath

(Jünkerath) Der neue Abschnitt des Kylltalradwegs zwischen Jünkerath und der Grenze zu Belgien hat auf der bundesweit führenden Website für Bahntrassenwege die Höchstbewertung erhalten. Ein Schönheitsfehler bleibt aber vorerst, wie viele finden: In Jünkerath verlässt der Weg die Trasse und führt durchs Gewerbegebiet. Dossier zum Thema: Topthemen

16.04.2015
Fritz-Peter Linden
Er kennt sie fast alle: Achim Bartoschek hat in den vergangenen 13 Jahren deutschland- und europaweit Radwege auf alten Bahnstrecken erkundet und bewertet, allein in der Bundesrepublik sind es Hunderte, von denen er mehr als 90 Prozent schon unter die Reifen nahm. Wenn er also dem Abschnitt zwischen Jünkerath und Losheim schon vor der Eröffnung am ersten Maisonntag die Höchstnote (vier Fahrräder) erteilt, ist das eine richtig gute Nachricht. Zumal seine Website (bahntrassenradeln.de) allein im vergangenen Jahr von mehr als einer Million Besuchern aufgerufen wurde.

Die Begeisterung über den neuen Abschnitt, sagt Bartoschek, "ist schon weit jenseits der Anliegergemeinden angekommen: Diese Stecke ist im Moment diejenige, zu der es bei mir die meisten Rückmeldungen und Anfragen von Radlern, insbesondere aus Nordrhein-Westfalen bis in die Niederlande, gibt."

An Ostern sei er noch einmal auf der Strecke gewesen. Sein Fazit: "Ein erstklassiger Radweg, der einen der wichtigsten letzten Bausteine im Vennbahnsystem darstellt" (siehe Extra).

Expertenlob, das dürfte die Kämpfer für die Verlegung des Radwegs auf die Trasse freuen - bis hin zu den Bürgern Arnold Knörr und William Pratt, die zu den Initiatoren zählen und jetzt an der Idee arbeiten, den Radweg mit Kunst noch zu verschönern (der TV berichtete). Allerdings gibt es für viele auch ein Manko: "Bei aller Zustimmung und Freude", sagt Wolfgang Stark aus Jünkerath, sei da eben der Umstand, dass die Radler in Glaadt die Trasse verlassen und "ein wirklich nicht ungefährliches Teilstück durch das stark befahrene Industrie- und Einkaufsgebiet" nutzen müssen. Dieser "leidliche Umstand" gehöre daher bald beseitigt.

Sportler werden aktiv


"Was lange währt, wurde endlich gut", urteilt auch Heinz Reifferscheid aus Gönnersdorf, Vorsitzender des VfL Jünkerath. Der VfL werde den Radweg in den nächsten Wochen auch für die Sportabzeichenabnahme vermessen. Zugleich wolle der Verein bezogen auf den Verlauf in Jünkerath ebenfalls aktiv werden, "weil die Strecke durch das Gewerbegebiet eigentlich nur als Übergangslösung akzeptabel ist". So sieht es auch Achim Bartoschek: "Mit der jetzigen Streckenführung wird einiges verschenkt", sagt er.

Anruf bei der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll: Karl Müller, Chef des Bauamts, verweist darauf, dass ein Antrag von VG und Ortsgemeinde beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) vorliege. Der Radweg, der hinter dem Rathaus wieder auf die Trasse gelangt, soll bis Glaadt doch noch komplett auf die alte Bahnstrecke verlegt werden.

Das Problem: In diesem letzten Abschnitt, sagt LBM-Chef Harald Enders, "liegen drei weitere Brücken und eine Stützwand, die zu sanieren oder zu erneuern wären. Mit der jetzt umgesetzten Lösung ist das Planungsziel des Bundes, die Bundesstraße vom Radverkehr zu entflechten, bereits voll erreicht." In fast allen anderen Gemeinden am Kylltalradweg bis hinab nach Trier sei die Nutzung von Ortsstraßen aus Kostengründen nicht zu umgehen gewesen. Prinzipiell seien aber "punktuelle Verbesserungen denkbar - unter Umständen auch mit kommunalen Baulastträgern".

Auch wenn das also noch dauern kann: Insgesamt überwiegt die Freude über das neue Teilstück . Und sie reicht bis ins Wittlicher Land: Aus Plein, "mit dem schönsten Stück Maare-Mosel-Radweg vor der Nase", hat sich Karl Josef Schleidweiler beim TV gemeldet. Ihn freut die Fertigstellung - und "dass so was länderübergreifend möglich ist". Auch wenn die Trassenradwege seiner Meinung nach zu spät kommen, der Region sei dadurch "einiges an Einnahmen durch die Lappen gegangen". Trotzdem gelte: Die Vernetzung der Radwege "bietet ein großes Potenzial zu Erhöhung der Verweildauer. Und davon hätten doch alle etwas."
Der neue Abschnitt wird eröffnet am Sonntag, 3. Mai, mit viel Programm in den Dörfern.
Extra
Das sagt der Kenner: Was Radweg-Fachmann Achim Bartoschek über den 20 Kilometer langen Abschnitt im Oberen Kylltal sagt, klingt wirklich begeistert: "Die Fortschritte, die hier in den letzten beiden Jahren gemacht wurden, sind beachtlich: Endlich gibt es eine steigungsarme und attraktive Querverbindung zwischen der Vennbahn und dem Kyllradweg. Sowohl der Ausbaustandard als auch der sehr hohe Anteil der früheren Bahntrasse, der tatsächlich zum Radweg umfunktioniert wurde, sind vorbildlich." Auch die noch nicht asphaltierte Lücke rund um Büllingen habe sich schon stärker als erwartet verkleinert. "Wenn sie ganz geschlossen ist, steht einem wahrlich grenzenlosen Radvergnügen nichts mehr im Wege." Bartoschek hat fast 700 Radwege in Deutschland getestet. Die Höchstnote vergab er bisher 35 Mal, in unserer Region auch an den Maare-Mosel-Radweg, den Ruwer-Hochwald-Radweg, den Enztal-Radweg und den Eifel-Ardennen-Radweg. fpl