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Tesla fährt in Prümer Werk weiter auf hartem Kurs

(Prüm) Autobauer gegen IG Metall: Mitarbeiter sollen besser bezahlt werden, aber ohne Tarifvertrag. Und ohne Gespräche mit der Gewerkschaft.

28.04.2017
Fritz-Peter Linden
Das kam beinah wie bestellt: Der amerikanische Elektroauto-Hersteller Tesla, der zum Jahresbeginn das Prümer Grohmann-Werk übernahm, hat am Mittwochabend, wenige Stunden nach einer Pressekonferenz der IG Metall in Prüm, noch einmal auf deren Forderungen nach besserer Entlohnung und Tarifverhandlungen reagiert. Am Ende steht eine Absage an die Gewerkschaftler.

Zunächst betont das Unternehmen, dass man die Bedingungen für die Beschäftigten in Prüm verbessern wolle, denn die bestehende Vergütung sei "nicht angemessen". Tesla-Chef Elon Musk habe sich bereits "in einem rechtlich bindenden Schreiben" zu einer fünfjährigen Arbeitsplatzgarantie und "zur Prüfung und Umsetzung fairer Vergütungsstrukturen" verpflichtet. Betriebsbedingte Kündigungen bis Ende April 2022 habe man mit einer Ergänzung in den Arbeitsverträgen ausgeschlossen. Von der nächsten Abrechnung an sollen alle Mitarbeiter 150 Euro brutto mehr erhalten, hinzu komme eine Einmalzahlung von 1000 Euro netto mit der Abrechnung im April - plus Tesla-Aktien im Wert von 10 000 Euro.

Den Betriebsrat werde man "bei der Einführung neuer Vergütungsstrukturen" zwar beteiligen. Aber nicht die Gewerkschaft, wie am Ende des Schreibens klar wird: "Die Schritte, die wir bisher unternommen haben, sind rechtlich bindend, ohne dass Dritte involviert werden mussten. Zudem wollen wir mit dem Betriebsrat intensiv daran arbeiten, die skizzierten weiteren Verbesserungen schnellstmöglich umzusetzen. Wir sehen daher keine grundsätzliche Notwendigkeit einer formalen Einbeziehung Dritter."

Trotz dieser Absage: "Wir freuen uns darüber, dass der Druck der IG Metall wirkt", sagt Gewerkschaftssekretär Patrick Georg angesichts der Nachbesserungen. Man werde jetzt "mit den Mitgliedern das weitere Vorgehen besprechen".
Tesla Grohmann Automation - so heißt das Unternehmen seit der Übernahme - hat in Prüm 680 Mitarbeiter. Vor dem Einstieg der Amerikaner beim Eifeler Maschinenbauer waren etwa 250 von ihnen gewerkschaftlich organisiert, seitdem ist diese Zahl auf mehr als 350 gestiegen.

Die Atmosphäre im Betrieb ist angespannt, nicht zuletzt seit dem überraschenden Ausstieg von Firmengründer Klaus Grohmann Anfang April und der Kündigung aller Fremdkunden-Aufträge. Grund dafür: Tesla braucht alle Kapazitäten in Prüm, um die Produktion des angekündigten Model 3 voranzutreiben.

Die Belegschaft ist gespalten: Einerseits sorgen sich viele, dass die Initiative der IG Metall dem Unternehmen schaden könne, auf der anderen Seite unterstützen etliche Mitarbeiter den Vorstoß.