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Wenn aus dem Tod Schönes hervorgeht

(Weißenseifen) "Material-Foto-Collagen" nennt die Künstlerin Walburga Poeplau ihre Arbeiten aus Fundstücken. Nun ist eine Ausstellung mit ihren Werken in Weißenseifen zu sehen.

04.10.2017
Weißenseifen (bb) "Hier ist alles echt", meint Walburga Poeplau, wenn sie von der Galerie am Pi in dem Waldweiler Weißenseifen zwischen Mürlenbach und Schönecken spricht. Ihre Kunst an diesem kraftvollen Ort zeigen zu können, sei bei Dutzenden von Ausstellungen in Großstädten etwas Besonderes, erklärt die 68-Jährige, deren Geburtsjahr mit dem Gründungsjahr der Künstlersiedlung zusammenfällt. Kennengelernt hatten sich Walburga Poeplau und die Galeristin Christiane Hamann vor zwei Jahren bei der Kyllburger Kampagne "Fundstücke" (der Trierische Volksfreund berichtete).
"Fundstücke" - das ist von jeher auch Poeplaus Programm. Seit 1984 fotografiert die gelernte Buchhalterin Abbruchhäuser, alte Haustüren und Graffiti. Seit 1991 arbeitet sie mit Fundsachen von der Straße und von Bauplätzen und mit Treibholz hauptsächlich vom Rhein, arrangiert Verlorenes und Liegengelassenes auf Wellpappe, Hartfaser, Blechabdeckungen. Seit 2007 verbindet sie Fotografie und Fundstücke. 2015 erscheint ihr erstes Buch mit diesen Motiven und eigenen Texten.
In der aktuellen Ausstellung mit mehr als 80 Exponaten treffen Uhrpendel und Flexscheiben auf von Sonne und Witterung verändertes Blech. Haben Schuhsohle, Spielzeug und Haushaltswaren auf verwaschenem Holz oder vor einer Fotografie von Bäumen oder Garderobenhaken mit Mänteln zusammengefunden. "Geht aus Alter und Tod Neues und Schönes hervor", wie es Walburga Poeplaus Kölner Freundinnen Katharina Klaus und Dagmar Keitsch in ihrer dialogischen Rede zur Vernissage auf den Punkt brachten. Christiane Hamann gab der Ausstellung den Titel "Sedimente Poesie" in Anspielung auf Sedimente als abgelagertes Material an Land und im Wasser und auf Poesie als etwas Stilles, das sich der Alltagssprache entzieht. Wie treffend!

Die Ausstellung "Sedimente Poesie" von Walburga Poeplau wird bis zum 15. Oktober in der Galerie am Pi in Weißenseifen gezeigt, und zwar freitags bis sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (06594/883). Die Finissage am Sonntag, 15. Oktober, beginnt um 16 Uhr und wird auf Wunsch verbunden mit einem Besuch des Skulpturengartens und der Künstlersiedlung.