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aus unserem Archiv vom 30. August 2012
Autor: Fritz-Peter Linden Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Stadtkyll Drucken  E-Mail

Zwei Millionen Gäste, null Chancen

Eine schöne Nachricht in schwierigen Zeiten: Im Waldfreibad der Verbandsgemeinde Obere Kyll ist der zweimillionste Gast begrüßt worden. Die Zukunft der sanierungsbedürftigen Einrichtung bleibt aber ungewiss.

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Stadtkyll. Familie Fris geht baden: Vater Wim, Mutter Adry und die Kinder Lieneke, Andrea und Wilbert beschlossen vor einigen Tagen, dem Freibad im Stadtkyller Wirfttal einen Besuch abzustatten. Der Lohn: ein dicker Präsentkorb, überreicht von Diane Schmitz, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll, und Andreas Wisniewski von der Tourist-Information. Denn eines der fünf Familienmitglieder war der zweimillionste Badbesucher seit der Eröffnung vor 42 Jahren.
Sie werden wohl zu den letzten zählen, die im Wirfttal wassern dürfen: Bekanntlich muss es für mindestens drei Millionen Euro saniert werden, das Land jedoch versagte die zunächst vom Ex-Innenminister Karl Peter Bruch in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung (der TV berichtete).
Das vorläufige Ende vom Lied: Nach dieser Saison ist Schluss. Dabei verzeichnet man noch einmal ordentliche Besucherzahlen: 25 300 bisher, 9000 mehr als im Vorjahr. "Und wenn es noch eine Zeit lang schön bleibt, kriegen wir noch mehr", sagt die Bürgermeisterin. Das muss allerdings auch so sein, denn den Einnahmen (bei drei Euro Eintritt) steht ein Jahresverlust von 180 000 Euro gegenüber. Wobei die Gäste des nahen Landal Green Parks nicht bezahlen: Ihr Eintritt wird vom Ferienpark über eine ungenannte Pauschale abgegolten.

Auswertung von Umfrage


Dennoch sei das Bad eine "wichtige Infrastruktureinrichtung", sagt Diane Schmitz. Und um diese Bedeutung zu untermauern, hat die VG in den vergangenen Wochen eine Untersuchung vorgenommen. Etwa 300 Personen wurden befragt, zwei Drittel davon waren Touristen, ein Drittel Einheimische.
Die Auswertung soll demnächst im VG-Rat vorgestellt werden. Fest steht aber bereits jetzt: Kaum jemand würde gern auf das Bad verzichten. Fast gleichauf mit dem Kronenburger See landete es auf Rang zwei der meistgenutzten Freizeiteinrichtungen. Bei vielen habe außerdem das Freibad zur Entscheidung beigetragen, an der Oberen Kyll Ferien zu machen. Insgesamt, sagt VG-Mitarbeiter Markus Dederichs, der mit Sarah Wiesen von der Tourist-Information die Befragungen vornahm, sei das Bad "sehr positiv" bewertet worden. Einige hätten sich ein Volleyballfeld gewünscht, andere eine Sauna. Kritik habe es am Zustand der Umkleidekabinen gegeben. Das allerdings, habe eine Bürgerin geantwortet, sei kein Grund, das Bad zu schließen.
Aber auch das wird nicht genügen, um die Einrichtung zu retten. Die VG hofft deshalb auf den Ferienpark - so wäre eine Übernahme des Bads durch Landal zwar möglich, wahrscheinlich ist sie aber nicht: Wenn sein Unternehmen vor der Alternative stünde, das Bad schließen zu lassen oder es zu übernehmen, "dann weiß ich, was passiert", sagt Parkleiter Mark Oostrom. Seine Chefs in den Niederlanden würden eine Übernahme nicht zulassen.
Dennoch kann er sich eine erweiterte Unterstützung vorstellen: Durch Hilfe beim Personal oder eine erhöhte Kurtaxe. "Zusammenarbeit - auf jeden Fall", sagt Oostrom. "Aber Landal wird es nicht übernehmen."
Extra
Laut einer Untersuchung der Tourist-Information Oberes Kylltal beträgt der Nettoumsatz mit Feriengästen und Tagesbesuchern in Stadtkyll jährlich rund 16,5 Millionen Euro. Davon würden 42 Prozent zu direktem Gewinn - das sind 6,9 Millionen Euro. Die verbleibenden 58 Prozent des Umsatzes, so heißt es, "werden zu Vorleistungen (Lebensmittel, Energie, Sachleistungen) ausgegeben und führen zu Einkommen bei Lieferanten und Versorgern". Der Beitrag zum Gesamt-Einkommen im Luftkurort liegt bei 16 Prozent. Etwa 140 Menschen arbeiten in Stadtkyll in der Tourismusbranche - fast zehn Prozent der Einwohner. Das Freibad, am 18. Juli 1970 eröffnet, kostete 1,2 Millionen Mark. In starken Jahren zählte man rund 50 000 Besucher, einmal gar 87 000. Mittlerweile liegt man eher bei 20 000. Vor zwei Jahren wurden Sanierungskonzepte diskutiert, aber nicht umgesetzt. Inzwischen hat die Landesregierung keine Förderung mehr in Aussicht gestellt. fpl

 




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