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700 Atom-Störfälle seit 1986: Experte bezweifelt Sicherheit

(Cattenom (wie)) Wie sicher ist das Kernkraftwerk im lothringischen Cattenom unweit der deutschen Grenze? Nach der Pannenserie in französischen Atomanlagen sind viele Menschen in der Region verunsichert. Zumal die Anlage in Cattenom ähnlich der des Reaktors im südfranzösischen Tricastin ist, in dem Mitarbeiter verstrahlt wurden und aus dem Uran ausgetreten ist.

24.07.2008
Die Pannenserie in französischen Atomanlagen reißt nicht ab: Nach einem Leck in einem Reaktor im südfranzösischen Tricastin wurden 100 Mitarbeiter verstrahlt. Erst vor zwei Wochen waren in Tricastin 74 Kilo Uran ausgetreten und in zwei Flüsse gelangt. Innerhalb weniger Wochen gab es damit bereits vier Zwischenfälle in französischen Atomanlagen.

Kann so etwas auch in Kernkraftwerk im lothringischen Cattenom in Sichtweite der deutschen Grenze, geschehen? „Ja“, sagt der renommierte Atomwissenschaftler Mycle Schneider. Allerdings sei die Gefahr durch einen Atomunfall in Cattenom größer als in anderen Anlagen in Frankreich. Die Bevölkerungsdichte rund um den lothringischen Reaktor sei viel höher als anderswo. Im näheren Umfeld liegen die Großstädte Metz, Saarbrücken, Trier und Luxemburg.

Das Kraftwerk in Cattenom ist der größte Stromerzeuger in Frankreich. Bei den vier Reaktoren handelt es sich um Druckwasserreaktoren genau wie die in der wesentlich kleineren Anlage in Tricastin. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen in Cattenom. Der letzte öffentlich bekannt gewordene ereignete sich am 20. April. Die Lüftung in fiel während Wartungsarbeiten aus. Einen Monat zuvor war ein Mitarbeiter verstrahlt worden.

Laut Schneider, der auch Atomberater der Bundesregierung war, hat es in den vergangenen 20 Jahren mindestens 700 Zwischenfälle in Cattenom gegeben. Bei einer Inspektion im April durch die französische Atomaufsicht wurden in einem dem TV vorliegenden Prüfungsberichts den Verantwortlichen der Anlage Auflagen in Sachen Sicherheitskultur gemacht.

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