Autor: Von unserem Redakteur Rolf SeydewitzDruckenE-Mail
Evangelische Kirche: Finanzielle Sorgen und ein Luxusproblem
Die Fusion von Kirchengemeinden oder Kirchenschließungen sind auch bei den Protestanten in der Region Trier ein Thema. Das sagt Superintendent Christoph Pistorius, der den Kirchenkreis seit zehn Jahren leitet. 2012 will der 48-jährige Pfarrer für eine dritte Amtsperiode kandidieren, kündigt er im Gespräch mit dem TV an.
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Die evangelische Kirche Trier will sich bis spätestens 2014 von der Christuskirche trennen. Montage/Foto: TV-Archiv/Hans Krämer
Trier. Gemessen an seinem katholischen Mitbruder Stephan Ackermann hat Christoph Pistorius ein Luxusproblem. Während der Trierer Bischof froh ist über jeden Neupriester, kann sich der Superintendent über einen Mangel an Nachwuchs nicht beklagen. "Für jede Pfarrstelle", sagt Pistorius, "gibt es mindestens drei Bewerber." Vor zehn Jahren seien "bei interessanten Pfarreien" sogar 60 bis 70 Bewerbungen eingegangen. Ein weiterer Unterschied zur anderen Konfession: Immer mehr Frauen studieren evangelische Theologie und bewerben sich um eine Pfarrstelle. "Bei der Besetzung von Leitungsfunktionen mit Frauen haben wir aber noch Nachholbedarf", räumt Pistorius ein.
Zahl der Pfarrstellen reduziert sich um vier
Es gibt auch Themen, bei denen sich der Leiter des Trie rer Kirchenkreises (siehe Extra) und Bischof Stephan Ackermann die Hand geben können: Beide Glaubensgemeinschaften werden in den nächsten zehn Jahren Mitglieder verlieren. Christoph Pistorius schätzt, dass die Zahl der Protestanten im ehemaligen Regierungsbezirk um knapp 2000 auf dann 55 000 sinken wird. Zum Vergleich: Bei den Katholiken im flächenmäßig deutlich größeren Bistum Trier rechnen die Verantwortlichen im gleichen Zeitraum mit einem Rückgang um rund 50 000 auf dann 1,45 Millionen Mitglieder. Weniger Mitglieder bedeutet weniger Kirchensteuereinnahmen. Hinzu kommt, dass die Altersstruktur der Mitglieder wächst. "Wer pensioniert ist, zahlt keine Kirchensteuer mehr", sagt Superintendent Christoph Pistorius.
So wächst im Bereich des Evangelischen Kirchenkreises der finanzielle Druck. "Angebote und Strukturen müssen sich verändern", sagt Pistorius, "wir müssen überlegen, was geht und was geht nicht mehr." Bereits beschlossene Sache ist, dass die Zahl der Pfarrstellen im Kirchenkreis in den nächsten fünf Jahren um vier auf dann 25 Stellen reduziert wird. Klar ist für den Superintendenten auch: Es wird in den nächsten Jahren unter den 22 Gemeinden weitere Fusionen geben; eher im Hunsrück, wo die Gemeinden schon von der Fläche her deutlich kleiner sind als etwa in der Eifel. Auch Kirchenschließungen sind laut Pistorius "ein Thema", auch wenn derartige Beschlüsse zunächst Sache der jeweiligen Kirchengemeinde seien.
In Trier etwa, der mit über 10 000 Mitgliedern größten regionalen Kirchengemeinde, soll sich das Gemeindeleben künftig rund um die Basilika konzentrieren. Die Christuskirche im Stadtteil Heiligkreuz soll demnach bis spätestens 2014 aufgegeben werden - "am liebsten an eine andere Glaubensgemeinschaft", sagt Presbyteriums-Vorsitzender Georg Friedrich Lütticken. Der Schritt sei bedauerlich, aber notwendig.
Auch die Evangelische Gemeinde in Bitburg hat sich laut Pistorius bereits von einem Gotteshaus getrennt. Um die Neuerburger Waldkirche kümmere sich nun wieder die Kommune.
Nach Ansicht von Superintendent Christoph Pistorius wird dieser Strukturveränderungsprozess auch in den nächsten Jahren weitergehen, womöglich sogar noch an Fahrt gewinnen. Die Zusammenarbeit der Kirchenkreise werde immer wichtiger, sagt er, die einzelnen Gemeinden müssten künftig besser vernetzt werden, ihre Angebote aufeinander abstimmen: "Da muss noch mehr passieren."
Wenn es nach Christoph Pistorius geht, mit ihm an der Spitze des Kirchenkreises, dem er seit zehn Jahren vorsteht. 2012 endet die Amtszeit des dreifachen Familienvaters. "Ich möchte noch einmal antreten", sagt er, "es macht Spaß, und ich habe noch Ideen." Extra Kirchenkreis Trier: Der Evangelische Kirchenkreis Trier ist der flächengrößte im Rheinland. Er ist in etwa deckungsgleich mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Trier. In den 22 Kirchengemeinden leben knapp 57 000 evangelische Christen. Das entspricht etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Eine Dias pora-Situation, sagen die Protestanten selbst. Die Geschicke des Kirchenkreises leitet seit zehn Jahren Superintendent Christoph Pistorius (Foto: privat). (sey)
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