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aus unserem Archiv vom 09. Juli 2009
Ort: Trier/Hermeskeil/Jünkerath/IIrrel/SpeicherKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Trier: Integrierte Gesamtschule kommt

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Trier am Schulzentrum Wolfsberg kommt. Die Trierer Einrichtung steht auf einer Liste von insgesamt 17 IGS, die Bildungsministerin Doris Ahnen vorgestellt hat. Groß ist die Enttäuschung hingegen in Salmtal (Kreis Bernkastel-Wittlich). Auch Jünkerath und Hillesheim (Kreis Vulkaneifel) sowie Hermeskeil, Speicher und Irrel gehen zunächst leer aus.

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Die Cusanus-Hauptschule und die Ludwig-Simon-Realschule auf dem Wolfsberg haben den Zuschlag erhalten. Sie dürfen ab dem Schuljahr 2010/11 Integrierte Gesamtschule (IGS) werden. Josef Linden, Leiter der Ludwig-Simon-Realschule, erfährt die Neuigkeit vom TV: „Wir haben eine ganze Menge Arbeit im Vorhinein geleistet. Jetzt können wir mit einem tollen Gefühl in die Ferien gehen.“ Der nächste Schritt sei nun die Zusammenstellung der pädagogischen Arbeitsgruppe, die in einjähriger Planungsphase das detaillierte Konzept zu Didaktik, Methodik und inhaltlichen Schwerpunkten erarbeiten wird.
Der Knackpunkt an der Sache: die Finanzierung. Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink, erklärt: „Wir müssen jetzt sehen, wie wir die finanzielle Realisierung schnell auf den Weg bringen. Durch die Arbeit der Planungsgruppe wird sich das Projekt inhaltlich und finanziell entwickeln.“
Woher genau der zweistellige Millionenbetrag kommen wird, der für Ausstattung und Ausbau notwendig ist, und wer was zusteuern wird, kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. „Wir arbeiten aber mit Hochdruck an der Realisierung.“ Hildegard Muriel von der Initiative „Eine Schule für alle“ sagt: „Wir hoffen nun, bei der Ausarbeitung des Konzepts mit einbezogen zu werden.“ Auch eine erste Realschule plus wird in Trier errichtet. Für Markus Lehnert, Schulleiter der Pestalozzi-Hauptschule, keine Überraschung. Für ihn ist klar: „Die Entscheidung, die Hauptschulen aufzulösen, ist konsequent richtig.“ Vor Stadt und Schulen liegt jedoch noch jede Menge Arbeit.

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Die Verbandsgemeinden Obere Kyll und Hillesheim (Kreis Vulaneifel) hatten einen Antrag gestellt, wonach die Regionale Schule Jünkerath sowie die Haupt- und die Realschule Hillesheim zusammengeführt werden sollten: „Der Antrag ist zurückgestellt – zur Nachbesserung“, sagt Wolf-Jürgen Karle, Pressesprecher des Ministeriums. „Obwohl es bisher sehr konstruktive Gespräche gegeben hat.“ Karle weist jedoch darauf hin, dass die beiden Kommunen im kommenden Jahr erneut einen Antrag stellen können. „Wir haben ein Jahr verloren“, sagt die Hillesheimer VG-Bürgermeisterin Heike Bohn. „Ich finde es schade, dass der Elternwunsch ignoriert worden ist.“ Ihre Kritik richtet sich dabei jedoch nicht gegen das Ministerium, sondern vor allem gegen das Lehrerkollegium an der Realschule, das die Einrichtung einer IGS mehrheitlich ablehnt. Anders an der vom Schülerschwund bedrohten Hauptschule: Dort waren Lehrer und Eltern für die IGS, wie Rektorin Monika Buhr-Schenk sagt. Wie es jetzt mit ihrer Schule weitergehe, „das steht in den Sternen“.

Heike Bohns Kollege an der Oberen Kyll, Werner Arenz, sieht die Eifel bei der Verteilung der IGS-Standorte insgesamt benachteiligt: „Man muss sich nur einmal die Landkarte anschauen: Die Eifel ist blank, aber an der Rheinschiene reiht sich IGS an IGS.“ Auch in Jünkerath sprachen sich allerdings die Lehrer ebenfalls gegen die IGS-Lösung aus.

Die Erich-Kästner-Realschule in Hermeskeil steht nicht auf der Liste. Die Gremien der Schule (Schulaussschuss und Gesamtkonferenz der Lehrer) hatten sich im Februar 2009 ohne Gegenstimme für diesen Schritt, der auch die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe vorsah, ausgeprochen. Der Kreis Trier-Saarburg hatte daraufhin einen entsprechenden Antrag auf die Reise nach Mainz geschickt. Dass die Hermeskeiler Realschule mit ihrem Anliegen nun doch nicht zum Zug gekommen ist, findet der kurz vor seinem Wechsel nach Morbach stehende Rektor Hans-Joachim Gärtner "sehr bedauerlich. Die Schule wäre für diese Umwandlung bestens vorbereitet gewesen". Gärtner geht aber davon aus, dass der Kreis nun einen neuen Antrag auf Einrichtung einer IGS in Hermeskeil im Schuljahr 2011/12 stellt. Im vor einigen Monaten verabschiedeten Kreis-Schulentwicklungsplan ist Hermeskeil neben Saarburg (dessen Realschule mit ihrem Antrag ebenfalls leer ausging) als IGS-Standort vorgesehen. Klar ist für Gärtner: "Wir wollen keine Realschule plus werden."

Auch für die Schulstandorte in Irrel und Speicher gab’s vom Bildungsministerium keine guten Nachrichten: Dem Antrag auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule wurde nicht stattgegeben. „Ich habe fest mit der Option gerechnet“, sagte Jürgen Weber, Schulleiter der Simon-Salomon-Realschule, die gemeinsam mit der St.-Michael-Hauptschule in Speicher zu einer IGS verschmelzen wollte. Otto Böcker, Rektor der Speicherer Hauptschule, wurde noch deutlicher: „Ich bin enttäuscht, immerhin haben wir 18 Monate darauf hingearbeitet.“ Er hofft, dass die Eltern im Speicherer Raum es nicht den beiden Schulen anrechnen, dass es vorerst nicht geklappt hat mit der IGS.
Claus von Bronewski, kommissarischer Schulleiter der Grund- und Regionalschule Irrel, wollte sich am Vormittag noch nicht zu der Entscheidung äußern.

Saarburg ist ebenfalls nicht auf der veröffentlichten Liste der 17 Einrichtungen, die zur Integrierten Gesamtschule (IGS) umgewandelt werden sollen. Der Standort Schulzentrum Beurig taucht entgegen der Empfehlung des Kreis-Schulentwicklungskonzeptes nicht auf. Zu den Hintergründen dieser Auswahl wusste Bürgermeister Leo Lauer (CDU) auf TV-Nachfrage nichts Näheres. Mit dem Kreis und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD), der Schul-Aufsichts-Behörde, wolle man sich in einem nächsten Schritt austauschen. Eine entsprechende Resolution für je eine IGS an den Standorten Saarburg und Hermeskeil hat der VG-Rat Saarburg heute auf den Weg gebracht. Lauer wie auch Georg Schmitt, Rektor der Realschule Saarburg, schließen nicht aus, dass Saarburg möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt zum Zuge kommt.
Landrat Günther Schartz (CDU) zeigte sich auf  TV-Nachfrage mehr als überrascht. Das Konzept sei schließlich nach langwierigen Beratungen mit der ADD abgestimmt worden. In nicht öffentlicher Kreis-Ausschuss-Sitzung werde das Thema kommenden Mittwoch, 15. Juli, beraten.

„Eine Riesen-Enttäuschung" - so kommentiert der gestern in den Ruhestand verabschiedete Leiter der Regionalen Schule Salmtal (RGS) die Entscheidung aus Mainz, dass die RGS keine Integrierte Gesamtschule zum Schuljahr 2010/11 werden wird. Das Lehrerkollegium habe ein klares pädagogisches Konzept erarbeitet, man habe auf eine 96-prozentige Zustimmung der Eltern aufbauen können und systematisch auf die IGS hingearbeitet.
"Ich weiß nicht woran es liegt, dass wir diese Chance nicht bekommen haben", sagt Matthias Richter. Zumal man in Salmtal trotz allgemein sinkender Schülerzahlen jedes Jahr mehr Schüler habe binden können. "Im nächsten Jahr haben wir sogar fünf fünfte Klassen. Ich sehe überhaupt keine Problem, die Zahl von jeweils 120 neuen Schülern zu erreichen", sagt Matthias Richter, "Mein Kollegium wird demotiviert sein."
Zwei Mal sei eine verpflichtende Ganztagsschule in Salmtal abgelehnt worden und jetzt auch die Integrierte Gesamtschule. Womöglich stehe die Entscheidung im Zusammenhang mit der ungeklärten Situation in Wittlich. "Wir sind am Rande von Wittlich eine attraktive Schule, die auf einem anderen Weg zum Abitur führen könnte. Ich bin enttäuscht", schließt Matthias Richter seine Reaktion auf die Nachricht aus Mainz.

Eines der Kernergebnisse der Schulentwicklungsplanung Bernkastel-Wittlich war zudem: "Vorgeschlagen wird die Bildung einer Integrierten Gesamtschule mit eigener Oberstufe." Diese Gesamtschule würde vor allem die Realschule und die Gymnasien in der Stadt Wittlich entlasten, heißt es weiter und: "So wie Gymnasiasten und etliche Realschüler aus der Verbandsgemeinde nach Wittlich kommen, um ihre Schule zu finden, würden künftig einige aus Wittlich das Angebot im Salmtal nutzen. Diese neben Bernkastel-Kues schülerstärkste Verbandsgemeinde sollte ihre eigenen Kinder mit Blick auf das schulische Angebot zu allen Abschlüssen führen können". Diese Möglichkeit wird in der aktuellen Entscheidung aus Mainz nicht unterstützt. Eine Begründung, warum Salmtal nicht berücksichtigt wurde, gibt die Presseerklärung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur nicht.

Auch wird es vorerst keine gemeinsame Integrierte Gesamtschule an den beiden Standorten Hillesheim und Jünkerath geben. Das Landes-Bildungsministerium in Mainz hat den Antrag der Verbandsgemeinden (VG) zurückgestellt.
Das gilt allerdings nicht für die Verbandsgemeinden Obere Kyll und Hillesheim, die einen Antrag auf die Errichtung einer gemeinsamen IGS gestellt hatten (der TV berichtete). Darin sollten die Regionale Schule Jünkerath sowie die Haupt- und die Realschule Hillesheim zusammengeführt werden: „Der Antrag ist zurückgestellt – zur Nachbesserung“, sagt Wolf-Jürgen Karle, Pressesprecher des Ministeriums. „Obwohl es bisher sehr konstruktive Gespräche gegeben hat.“ Karle weist jedoch darauf hin, dass die beiden Kommunen im kommenden Jahr erneut einen Antrag stellen können.

„Die Schulstrukturreform in Rheinland-Pfalz, die zum kommenden Schuljahr erstmals ihre Wirkung entfaltet, kommt mit Riesenschritten voran. Für das Schuljahr 2010/2011 wurden insgesamt 102 Anträge auf Errichtung einer Realschule plus oder einer Integrierten Gesamtschule (IGS) vorgelegt. Dies zeigt, dass die Vorgaben für das neue System der weiterführenden Schulen auf hohe Akzeptanz stoßen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf freiwilliger Basis – vor 2013 – umgesetzt sein werden.“ Dies unterstrich Bildungsministerin Doris Ahnen bei der Vorstellung der neuen Entscheidungen zur Schulstruktur in Rheinland-Pfalz.

17 Integrierte Gesamtschulen – 50 Realschulen plus

„50 Realschulen plus sowie 17 Integrierte Gesamtschulen im Land erhalten für das übernächste Schuljahr nun eine Errichtungsoption“, kündigte die Ministerin an. Es sei sehr positiv, dass in einem recht kurzen Zeitraum so viele Anträge zur Weiterentwicklung der Schulstruktur vor Ort zustande gekommen seien. „Ich bin zuversichtlich, dass die neuen Schulen zum Schuljahresstart 2010/2011 an den Start gehen können“, sagte Doris Ahnen.

Zur Erinnerung: Mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 starten 122 Schulen landesweit mit der neuen Schulart „Realschule plus“. 31 davon entstanden aus bisherigen Haupt- und Realschulen neu, zudem wurden 91 bisherige Regionale Schulen und Duale Oberschulen in Realschulen plus umgewandelt. Die Anmeldezahlen insbesondere für die neu gebildeten Realschulen plus für das kommende Schuljahr lagen teilweise sogar über den Zahlen der Vorgängerschulen im Schuljahr 2008/2009. Die Zahl der Integrierten Gesamtschulen, deren Errichtung mit dem Schulstrukturgesetz erleichtert wurde, erhöht sich zum kommenden Schuljahr um zehn neue Standorte auf dann 35 Integrierte Gesamtschulen.

Die Entwicklung der Schulreform zeige sich auch daran, dass zum Schuljahr 2010/2011 nur noch 39 staatliche Haupt- und 22 Realschulen in der alten Form Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Für einzelne vorliegende Anträge, bei denen noch Klärungsbedarf bestehe, werde zudem eine Nachfrist bis zum 30. September 2009 eröffnet, fügte sie hinzu. Deshalb könne sich die Zahl der Optionen für neue Schulen noch erhöhen.




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