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aus unserem Archiv vom 26. Juni 2012
Autor: Ralf Kotschka Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Trier in alten Filmen: Trierer Typen auf dem Viehmarkt (Teil 2)

Eigene und eingekaufte Filmstreifen lieferten ein abwechslungsreiches Programm, aber bald zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen beim Publikum. Etwas Neues musste her: sprechende Bilder. Bis zur Erfindung des Tonfilms sollte es noch einige Zeit dauern, und deshalb entstand bald die Rolle des „Filmerklärers“.
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Peter „Pit“ Marzen machte seine Sache gut. Ironisch, witzig und reißerisch kommentierte er alle Filme: natürlich auf Trierisch. Ein ganz neues Unterhaltungsmedium war geboren.

Mit allen Mitteln lockten die Marzens das Publikum in die Filmvorstellungen. Dabei spielten selbst gedrehte, lokale Filmaufnahmen von größeren Menschenmengen eine wichtige Rolle: das Publikum strömte herbei, um sich selbst auf der Leinwand bewundern zu können. "Mamm, geff mer zwei Groschen, eich sein och droff!" ist ein überlieferter Ausspruch. Was lag da für Marzen näher, als Events zu filmen, auf dem er möglichst viele Trierer vor die Linse bekam? Also baute er seine Kamera an einem hohen Feiertag vor dem Dom auf und filmte Hunderte von Menschen, die nach dem Gottesdienst auf den Domfreihof strömten. Je mehr Menschen im Bild, desto mehr Kinobesucher.

„Milliune Leit“ waren auch auf dem regelmäßig stattfindenden Viehmarkt zu erwarten. Hier gab es noch echte „Typen“ zu sehen. Die Viehhändler kamen aus der ländlichen Umgebung in die Stadt, um ihr Vieh zu verkaufen.

Dabei durfte ein Bierausschank nicht fehlen, er kommt auch kurz in Marzens Filmaufnahmen ins Bild. Regisseur Marzen inszenierte hier kleinere Szenen: er will unbedingt einen waschechten Kuhhandel aufnehmen. Für Außenstehende ein nicht nachvollziehbares Ritual, wie sich die Viehhändler durch wiederholtes Abschlagen der Hände auf einen Preis einigen. Ein originelles, wettergegerbtes Gesicht eines Trierer Bauern samt Filzhut holt sich Marzen direkt vor die Kamera.

Solche Aufnahmen konnte er bei den späteren Vorführungen mit witzigen Sprüchen garnieren. Am Ende gestattet sich die Kamera noch einen Blick auf Basilika und Kurfürstliches Palais: der öde Sandplatz davor sollte erst in den 30er Jahren zu einem öffentlichen Park umgestaltet werden.

Das Trierer Stadtmuseum Simeonstift zeigt in seinem Projektionsraum „Trier-Kino“ über 60 Trier-Filme. Für seine Sammlung sucht es aktuell weiteres historisches Filmmaterial über Trier. Alte Amateurfilme sind ebenso willkommen wie Filmrollen vom Speicher (keine Videos etc). Mitmachen und  Fundstücke abgeben: Adresse: Verwaltung des Stadtmuseums, Simeonstiftplatz 1, 54290 Trier, Mo-Fr., 9-12 Uhr 


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