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Abwasser und Flüsse verunreinigt: Kläranlagen in Rheinland-Pfalz müssen für Hunderte Millionen Euro nachgerüstet werden

(Trier) Mehr als acht Milliarden Euro wurden seit 1985 in die Kläranlagen des Landes investiert – doch ein Ende ist nicht in Sicht. Phosphate sowie winzige Schadstoffe aus Arzneien, Pflanzenschutzmitteln oder der Industrie stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen.

03.02.2016
Katharina de Mos
Wenn Großprojekte den Steuerzahler Millionen kosten, gibt es meist Gegner und Befürworter, politische Debatten, Kompromisse. Umso erstaunlicher, wie leise in Rheinland-Pfalz mit dem Jahr 2015 ein Milliardenprojekt abgeschlossen wurde: Bis auf wenige Einzelgehöfte sind nun alle Orte des Landes an Kläranlagen angeschlossen. 8,4 Milliarden Euro hat dieses Großvorhaben die Steuerzahler seit 1985 gekostet. 

Ein Ende der Ausgaben ist jedoch noch lange nicht in Sicht. Um die Qualität der Gewässer weiter zu verbessern, werden bis 2021 rund 470 Millionen Euro investiert: Bäche und Flüsse werden renaturiert und Stauwehre für Fische umgebaut. 

Der größte Teil des Geldes jedoch – 360 Millionen Euro – fließt erneut in die Kläranlagen. Sie werden nachgerüstet, um Phosphate besser aus dem Abwasser entfernen zu können. Noch überhaupt nicht eingerechnet sind die enormen Kosten, die auf Land und Kommunen zukommen, um ein Umweltproblem zu lösen, das derzeit in den Fokus der Öffentlichkeit rückt: Mikroschadstoffe. Neben Fäkalien und Phosphaten belasten nämlich auch Pflanzenschutzmittel, Medikamentenrückstände, Östrogene, Röntgenkontrastmittel, Rostschutzmittel, Mikroplastik oder perfluorierte Tenside (PFT) die Gewässer. 

Es handelt sich um winzige Teilchen, die mit den üblichen Reinigungsmethoden nicht entfernt werden können. „Wir müssen davon ausgehen, dass diese Stoffe über die Nahrungskette auch auf den Menschen schädliche Auswirkungen haben könnten“, sagt Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne). 

Bis zu 200 Millionen Euro könnte es kosten, alleine die größten Kläranlagen des Landes mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten, die solche Stoffe herausfiltern kann. Weitere 18 Millionen Euro würde der Betrieb jährlich verschlingen. Um die Gebührenzahler nicht zu sehr zu belasten, sucht das Land nach einer Strategie, die nicht erst am Ende des Abwasserrohres ansetzt, sondern dort, wo die Schadstoffe ins Wasser gelangen. 

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