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Bio boomt: Immer mehr Bauern stellen ihre Produktionsweise um

1510 rheinland-pfälzische Betriebe zertifiziert – Ökofläche soll auf 20 Prozent wachsen

(Trier) Viele Menschen legen Wert auf ökologisch erzeugte Produkte – und zahlen dafür auch mehr. Der rheinland-pfälzische Markt passt sich langsam an: 8,5 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden biologisch bewirtschaftet, 20 Prozent sollen es werden.

21.02.2016
Katharina de Mos
Für 95 Prozent der Deutschen ist gutes Essen und Trinken Teil ihrer Lebensqualität. Das zeigt die repräsentative Studie „So isst Deutschland 2016“. Ein Viertel der Befragten ist auch bereit, für Bioqualität mehr zu zahlen. Das spiegelt der Markt wider. Für konventionelle Milch gibt es aktuell nicht einmal 30 Cent pro Liter – viele Betriebe stehen vor dem Aus, weshalb die grünen Agrarminister von sieben Bundesländern aktuell ein Sofortprogramm Milch von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) fordern. Mit Biomilch hingegen lassen sich rund 50 Cent pro Liter verdienen.

Die Kunden wollen Ökoprodukte und wir kommen mit unseren Flächen nicht hinterher“, sagt Regino Esch, Landesvorsitzender von Bioland. Dabei hat sich in Rheinland-Pfalz viel getan: Seit 2010 ist die Ökofläche um 60 Prozent gewachsen. 1510 Biobauern bewirtschaften nun 8,5 Prozent der Flächen.

Doch soll es noch viel mehr werden. „Wir wollen die Ziele der Bundesregierung umsetzen und in Rheinland-Pfalz den Anteil der Ökofläche auf 20 Prozent steigern“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

„Wer umstellt, erfährt plötzlich, dass er ein begehrtes Produkt herstellt“, sagt Esch und prophezeit Bauern viel Besuch von Molkereien und Verbänden.

Jetzt, wo der Milchpreis viele Höfe der Region in die Krise stürzt, klingt das verlockend. Dennoch muss der Schritt gut überlegt sein. „Nur wer bei seinem konventionellen Betrieb alles im Griff hat, kann das ökologisch schaffen“, sagt Michael Horper, Präsident des Bauernverbands Rheinland-Nassau. Schließlich hat der Betriebsleiter weniger Hilfsmittel, weil Kunstdünger, Kraftfutter und Pflanzenschutzmittel tabu sind. Die Erntemenge und die Milchleistung der Kühe gehen deutlich zurück.

Die höheren Biopreise gibt es allerdings erst zwei Jahre nach der Umstellung. Wer diese Durststrecke durchsteht, hat die Chance auf schwarze Zahlen. Die Genossenschaft Arla, die der weltweit größte Hersteller von Bioprodukten ist, will in Zukunft mehr als eine Milliarde Liter Biomilch verarbeiten. Daher berät sie Bauern und zahlt den Biozuschlag ein halbes Jahr früher.

In den kommenden Monaten wird der TV ausführlich über die Lage der Landwirtschaft und die Herkunft unserer wichtigsten Lebensmittel berichten. 
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