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„Die Situation ist brenzlig“ - Interview mit dem Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster zur Sicherheitskonferenz

(Trier) Bernhard Kaster, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Trier, hat als Vorsitzender der deutsch-russischen Parlamentariergruppe an der Münchner Sicherheitskonferenz teilgenommen. Unmittelbar nach Ende des Treffens sprach unser Redakteur Bernd Wientjes mit dem Politiker.

15.02.2016
Herr Kaster, Sie haben das erste Mal an der Sicherheitskonferenz teilgenommen. Wie ist Ihr Eindruck? Kann man sagen, dort wird Weltpolitik gemacht?
Bernhard Kaster: Auf jeden Fall wird dort Weltpolitik gemacht. Es ist die bedeutendste Sicherheitskonferenz der Welt. Nirgends ist die Dichte an Entscheidern größer als in München. Wenn man sich die aktuelle Weltlage ansieht, die während der Konferenz als die gefährlichste seit dem Kalten Krieg bezeichnet worden ist, erkennt man, wie wichtig eine solche Konferenz ist. 

Stichwort Kalter Krieg. Wie groß ist die Gefahr einer neuen Konfrontation zwischen den USA und Russland?
Kaster: Wir befinden uns in einer besorgniserregenden, brenzligen Situation. Die Weltlage ist enorm angespannt. Und Russland nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Die Rede des russischen Ministerpräsidenten Medwedew war von Stärke und einer gewissen Aggression geprägt. Wir befinden uns am Rande eines Kalten Krieges. Das Verhältnis zwischen Europa und Russland ist zerrüttet. 

Betreibt Russland bewusst die Destabilisierung Europas?
Kaster: Ja. Russland strebt eine Destabilisierung Europas an. Das ist auch die Meinung der Nato, die hier in München klar zum Ausdruck gekommen ist. 

Was muss nun konkret geschehen, damit ein Kalter Krieg oder gar ein Dritter Weltkrieg verhindert werden kann? Muss Europa auf Russland zugehen?
Kaster: Europa muss vor allem eine Solidarität und Geschlossenheit zeigen, es muss mit einer Stimme sprechen. Russland muss wissen, dass ihnen ein geeintes Europa gegenübersteht, das weiß, was es will. Dazu gehört auch der Schulterschluss mit den USA. Nur weil Europa nicht mit militärischen Auseinandersetzungen Politik macht, anders als Russland, darf das nicht als Schwäche ausgelegt werden. Um so wichtiger ist, dass man entschieden in die Verhandlungen mit Russland geht, auch was die Ukraine-Krise angeht. Der Gesprächsfaden mit Russland darf aber nicht abreißen. Alle aufgenommenen Verhandlungen müssen fortgeführt werden. 

Wie hilfreich sind dabei Reisen einzelner Ministerpräsidenten, etwa des bayerischen, nach Russland?
Kaster: Alles, was dazu beiträgt, den Eindruck aufkommen zu lassen, dass man etwa in Deutschland unterschiedliche Positionen hat, ist nicht geeignet, die Lage zu entspannen. Das wird als Schwäche ausgelegt. 

Wie zuversichtlich sind Sie hinsichtlich eines Waffenstillstands in Syrien?
Kaster: Ich bin sehr skeptisch. Die Lage dort ist hochgefährlich. Nun denkt die Türkei darüber nach, Bodentruppen zu schicken. Wenn man von Waffenstillstand spricht, müssen auch die Bombardements eingestellt werden und es zu einer Zusammenarbeit zwischen USA und Russland kommen. Es darf aber nicht sein, dass Europa nicht mehr so genau bei der Ukraine-Krise hinschaut, um den Frieden in Syrien voranzutreiben. wie

Extra
Zur Person


Bernhard Kaster, Trier, CDU-Bundestagsabgeordneter, ist Vorsitzender der deutsch-russischen Parlamentariergruppe. 


 

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