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Ehemaliger Trierer Bistumspriester droht Missbrauchsopfer

(Trier) Ein ehemaliger Trierer Bistumspriester, der in den 1960er Jahren mehrere Messdiener missbraucht haben soll, droht nun einem seiner Opfer mit rechtlichen Schritten. Kommt es wegen der sexuellen Übergriffe doch noch zu einem Prozess?

09.04.2013
Rolf Seydewitz, Katja Bernardy
Anfang Juli 2010 schildern in einem Trierer Pfarrsaal drei Männer Mitte 50, was ihnen vier Jahrzehnte zuvor in genau dieser Pfarrei widerfahren ist: Über Jahre hinweg wurden die damals minderjährigen Messdiener demnach von einem offenbar pädophilen Kaplan missbraucht. Wie ihnen erging es Ende der 60er Jahre nach deren Angaben mindestens 14 weiteren Jungs – in Trier und in der Vulkaneifel, wo der Kaplan zuvor eingesetzt war.

Und auch in seiner ersten Pfarrstelle in einem Ort im Altkreis Bitburg hinterließ der Gottesmann seine Spuren: Nachdem er Anfang der 70er Jahre eine Frau geschwängert hatte, schied er aus dem Priesteramt aus, zog mit der Familie weg. Der Mann wurde Lehrer, ist längst pensioniert.

Erst mit Aufkommen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche wurde der ehemalige Priester von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Opfer nach dem anderen hatte plötzlich Mut, von den traumatischen Kindheitserlebnissen zu berichten.

Einer von ihnen: der in der Region Trier bekannte Historiker Thomas Schnitzler. Er war damals Messdiener in der Trierer Pfarrei, ist heute ehrenamtlicher Sprecher der Trierer Opferinitiative Missbit.

Dass Schnitzler dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, brachte ihm jetzt die Zuschrift eines Rechtsanwalts ein. Der Mainzer Jurist vertritt nach eigenen Angaben den ehemaligen Trierer Bistumspriester und verlangt von Schnitzler, dass dieser die Missbrauchsbehauptungen unterlässt. Ansonsten werde er seinem Mandanten zu weiteren rechtlichen Schritten raten, droht der Anwalt in dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben. Bliebe Schnitzler stur, könnte es sogar einen Prozess geben.

Schwer vorstellbar: Denn beim Trierer Generalvikariat dürfte es nur über wenige Täter derart viele Opferaussagen geben wie im Fall des heute 79-jährigen Ex-Priesters. Nach Angaben von Bistumssprecher André Uzulis haben sich bislang 17 Betroffene gemeldet, die der Mann missbraucht haben soll. Der ehemalige Geistliche selbst hat sich öffentlich nie dazu geäußert. Sein Anwalt sagte gestern Abend unserer Zeitung, bis auf das eine Schreiben habe man nichts in dieser Sache unternommen.

Laut Uzulis hat das Bistum Trier in den vergangenen drei Jahren gegen insgesamt 21 Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet.

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