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Eifelkreise wollen gegen belgische Atomanlage klagen

Bundesumweltministerin sieht in Kraftwerk eine Gefahr - Keine Gespräche mit Frankreich wegen Cattenom

(Tihange) Bundesumweltministerin Barbara Hendriks (SPD) spricht nächste Woche mit dem belgischen Innenminister über die Sicherheit des Atomkraftwerks Tihange. Eine Notwendigkeit für Gespräche mit Frankreich wegen Cattenom sieht sie aber nicht.

27.01.2016
Bernd Wientjes
Am Sonntagmorgen ist der Pannenreaktor im belgischen Tihange mal wieder heruntergefahren worden. Im Maschinenraum des ersten von drei Reaktorblöcken wurde ein Leck entdeckt. Abgeschaltet wurde die Anlage aber nicht, sie produziert weiter Strom - mit gedrosselter Leistung.

Seit Monaten stehen die beiden Atomkraftwerke in Belgien, Doel und Tihange, das 140 Kilometer von Prüm entfernt ist, in der Kritik. 2012 wurden in beiden Anlagen Tausende Haarrisse in den Reaktorblöcken gefunden. Die Anlagen wurden daraufhin vom Netz genommen. Ende vorigen Jahres wurde Tihange wieder hochgefahren, ein paar Tage später kam es zu einem Brand im nichtnuklearen Bereich.

Rheinland-Pfalz fordert seit langem die generelle Abschaltung beider belgischer Kraftwerke. "Was muss noch alles passieren, damit die belgische Regierung die Schrottreaktoren endlich stilllegt?" fragt die Grünen-Landtagsabgeordnete Stephanie Nabinger (Saarburg). Nun haben sich die Landkreise Bitburg-Prüm und Vulkaneifel einer möglichen Klage der Städteregion Aachen, zu der auch das niederländische Maastricht gehört, gegen Tihange angeschlossen. Welche Möglichkeiten für eine Klage bestehen, soll am Donnerstag vorgestellt werden.

Bundesumweltministerin Hendricks will sich am Montag mit dem für Reaktorsicherheit zuständigen Innenminister Belgiens, Jan Jambon, treffen und ihm die Sorgen der deutschen Bevölkerung wegen der beiden Atomkraftwerke schildern. Aus deutscher Sicht sei fraglich, inwieweit die Sicherheit der Anlagen "mit grundlegenden Anforderungen an die Sicherheit von Atomkraftwerken vereinbar ist", sagt eine Ministeriumssprecherin unserer Zeitung. Man nutze "alle Möglichkeiten", um der belgischen Regierung "unsere atomkritische Haltung zu vermitteln".

Ein ähnliches Gespräch mit Vertretern Frankreichs über das Atomkraftwerk Cattenom soll es aber nicht geben. Die Sicherheit Cattenoms werde in der deutsch-französischen Kommission für Fragen der Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen debattiert, so die Ministeriumssprecherin. Außerdem seien für Cattenom keine derartig "sicherheitsrelevanten Befunde" bekannt wie für Tihange und Doel.

 

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