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Endlager für Atommüll gesucht: Rheinland-Pfalz nicht geeignet - Experte kritisiert Vorgehen in Frankreich

(Trier/Koblenz) Ende Juni soll feststehen, welche Kriterien das geplante deutsche Atommüll-Endlager erfüllen muss. Ein Mitglied der Endlager-Kommission verrät schon jetzt: In Rheinland-Pfalz gibt es keine geeigneten Lagerstätten. Allerdings soll im nahen Lothringen ein Endlager entstehen. Der Experte kritisiert das Vorgehen Frankreichs.

28.01.2016
Katharina de Mos
Wohin mit dem Atommüll? Für fast ein Drittel der Deutschen ist es das wichtigste Umweltthema der kommenden Jahre, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Vor der eigenen Haustür ist ein Endlager jedoch nicht erwünscht: 56 Prozent der Befragten würden dazu Nein sagen, selbst wenn es dort einen besonders geeigneten Standort gäbe.

Rheinland-Pfälzer können nun aufatmen: Nach Ansicht der Kommission, die bis Juni die Kriterien festlegt, die ein Endlagerstandort erfüllen muss, kommen die hiesigen Gesteine nicht infrage. „Sie verfügen nicht über die nötige Tiefe und Mächtigkeit“, sagt Kommissionsmitglied Ulrich Kleemann. 

Geeignete Salzstöcke gibt es laut Landesamt für Geologie nicht, die Kristallingesteine der Pfalz sind nicht mächtig genug, und auch die Tongesteine im Westerwald, Oberrheingraben und im Nordpfälzer Bergland bieten keine guten Voraussetzungen, weil sie in Störungszonen liegen, nicht groß genug sind oder zu viel Wasser durchlassen. 

Bei der neuen Suche nach einem Endlager werden vorbehaltlos alle geeigneten Standorte nach rein wissenschaftlichen Kriterien überprüft. Bis 2031 soll eine Lagerstätte gefunden sein. Läuft alles glatt, könnte 2050 die Einlagerung in mindestens 300 Metern Tiefe beginnen. Schon 2022 will Deutschland aus der Atomenergie aussteigen. 

Kleemann, der im Bundesamt für Strahlenschutz jahrelang für die sichere Lagerung des Atommülls zuständig war, kritisiert, dass man jenseits der nahen Grenze anders vorgeht. „Frankreich ist ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte“, sagt der Geologe. Dass im 230 Kilometer von Trier entfernten Bure (Lothringen) ein Endlager geplant ist, sei keine wissenschaftliche, sondern eine rein politische Entscheidung. Die Öffentlichkeit sei dort zu spät beteiligt worden.

Rheinland-Pfalz und Luxemburg sehen das Projekt kritisch. Eine Studie soll klären, welche Risiken das Endlager für die Großregion hat. Beim Einsturz eines Stollens im Forschungszentrum Bure ist diese Woche  ein Mensch ums Leben gekommen . Der Bau des Endlagers soll 2020 beginnen. Der erste Müll könnte 2025 eingelagert werden. Alternativen sind nicht in der Diskussion.
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