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„Es handelt sich um Einzelfälle“: Zahl sexueller Straftaten hat sich in den ersten Wochen des Jahres nicht erhöht

(Trier) Nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht hat es auch in Rheinland-Pfalz und in der Region ähnliche Fälle gegeben. Allerdings verzeichnet das Mainzer Innenministerium keinen Anstieg sexueller Straftaten im Land.

12.02.2016
Von Bernd Wientjes
Ihr wurde an den Po gefasst, sie wurde begrapscht. Das, was Hunderten von Frauen in der Silvesternacht in Köln passiert ist, hat es auch auf einer Party in einem Ort in der Verbandsgemeinde Trier-Land gegeben. Ein 23-jähriger Asylbewerber soll dort zunächst eine Minderjährige und später ein anderes Mädchen und eine 18-Jährige sexuell belästigt haben. Insgesamt hat es, so das Mainzer Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung, in der Silvesternacht in Rheinland-Pfalz drei Straftaten mit sexuellem Hintergrund und einen Taschendiebstahl gegeben. 
In zwei Fällen, darunter der in Trier-Land, sei es „sehr wahrscheinlich“, dass die Täter Zuwanderer seien, sagt der Sprecher des Innenministers. An Fastnacht registrierte die Polizei in der Region sechs Anzeigen wegen des Verdachts von sexuellen Übergriffen (der TV berichtete). 

Ermittlungen gegen Flüchtlinge

Allerdings verweist das Ministerium, dass es zumindest im Januar keine Steigerung von sexuellen Straftaten im Land gegeben hat. 249 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs, Nötigung oder Vergewaltigung sowie wegen Beleidigungen auf sexueller Grundlage wurden in den ersten Wochen des Jahres von der Polizei registriert. In 29 Fällen werde gegen Flüchtlinge ermittelt, sagt der Ministeriumssprecher. Im Januar vergangenen Jahres sei die Zahl dieser Straftaten mit 302 um 53 Fälle höher gewesen als in diesem Jahr. 

Genau wie in Köln gibt es auch in Rheinland-Pfalz keine Hinweise, dass es sich bei den seit Jahresanfang registrieren sexuellen Übergriffen um organisierte Kriminalität handelt. Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass es sich bei den bislang bekannt gewordenen Fällen noch um Einzelfälle handelt, „die bislang keine organisierte oder strukturierte Vorgehensweise erkennen lassen“. 

Die Kölner Polizei geht mittlerweile davon aus, dass sich vereinzelte Männerbanden über soziale Netzwerke im Internet für die Silvesternacht verabredet haben. „Einzelne haben da wohl gesagt: ,Wir fahren nach Köln, da soll große Party sein.’“, sagt der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies. Er ist erst seit Mitte Januar auf diesem Posten, nachdem sein Vorgänger wegen der Vorkommnisse in der Silvesternacht in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. 

Das Verhalten, dass Frauen von vielen Männern zugleich eingekesselt und dann missbraucht werden, hätten die Täter wahrscheinlich schon aus ihren Herkunftsländern gekannt. Dieses Phänomen sei für Deutschland bislang nicht bekannt gewesen, sagt Mathies, der von „nordafrikanischen Intensivtätern“ spricht. 

Der Kölner Polizeipräsident nennt die Vorfälle im und rund um den Bahnhof „grässlich und wirklich schlimm“. Er habe zahlreiche Videos zu den Übergriffen gesehen, sagte er der Tageszeitung Kölnische Rundschau. Die Opfer hätten Qualen erlitten. Dies sei schwer zu ertragen gewesen. Es sei „zutiefst verstörend und für die Betroffenen traumatisierend“ gewesen, dass die Übergriffe in Köln im öffentlichen Raum stattgefunden hätten, heißt es in einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Die betroffenen Frauen hätten sich „trotz Anwesenheit der Polizei und anderer Menschen“ als schutzlos erlebt. 

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