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Fehlende Unterlagen: Bau der Hochmoselbrücke stockt

Landesbetrieb Mobilität ringt mit Baufirmen um vertragsgemäße Fortsetzung der Arbeiten

(Lösnich/Mainz) Das größte Verkehrsprojekt in Rheinland-Pfalz gerät ins Stocken. Die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen hat laut Landesbetrieb Mobilität die Unterlagen zur abschließenden Baustatik und die Ausführungspläne der Hochmoselbrücke noch nicht vollständig geliefert. Ein Baustopp droht.

25.04.2012
Frank Giarra, Winfried Simon
Lösnich/Mainz. Im Moselort Lösnich sind die ersten Spuren des gigantischen Bauwerks zu besichtigen. Von dort führt eine nur für Baufahrzeuge zugelassene Straße zur Hangkante. Die Straße wird später der Autobahnzubringer. Auf der Höhe schlängeln sich asphaltierte Baustraßen zu mehreren Baustellen und -containern. Raupen und Bagger bewegen Erdmassen. Geld wird auch massenhaft bewegt: Rund 360 Millionen Euro verschlingt das Projekt nach derzeitigem Stand.
Wo die Brücke auf dem Hang aufliegen wird, ist ein mächtiger Betonpfeiler im Bau. Im Vergleich zu den Pfeilern, die später die 160 Meter hohe und 1,7 Kilometer lange Brücke über die Mosel bei Zeltingen-Rachtig tragen, ist dieser aber eher mickrig. Arbeiter bringen Holzverschalungen an, in die später Beton gegossen wird. Dahinter ragt ein riesiger Laufkran, mit dem die tonnenschweren Stahlteile in Position gebracht werden, empor.
Wie lange noch weitergebaut wird, ist im Moment offenbar fraglich. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) ringt mit der Arbeitsgemeinschaft "Neubau Hochmoselquerung", bestehend aus den Firmen Eiffel Deutschland Stahltechnologie GmbH, Eiffage Construction Metallique Frankreich und Porr Technobau und Umwelt GmbH, um "eine einvernehmliche Lösung und eine vertragsgemäße Fortsetzung der Arbeiten". Die "technische Komplexität des Bauwerks" erfordere eine intensive Abstimmung, heißt es auf TV-Anfrage. An einem Baustopp sollten beide Seiten kein Interesse haben.
Weitere Details will der LBM derzeit nicht nennen. Zuerst müssten offene Fragen zwischen ihm und der Arge der Baufirmen einvernehmlich geklärt werden. Immerhin verrät man auf Nachfrage, dass es nicht um technische Hindernisse bei der Gründung der Brückenpfeiler gehe.
Eben das mutmaßt die grüne Landtagsabgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler aus Bernkastel-Kues, die auch Mitglied der Bürgerinitiative Pro Mosel gegen den Bau der Brücke ist. "Die Verzögerungen wundern mich überhaupt nicht", sagt sie. Es sei schon lange bekannt, dass die Grundlegung der Brückenpfeiler aufgrund der geologischen Verhältnisse technisch schwierig sei. "Das Problem ist wohl zu meistern, bedarf aber intensiver Planung", urteilt Blatzheim-Roegler.
Elisabeth Reis von der BI Pro Mosel schlägt einen schärferen Ton an. Sie spricht via Kurznachrichtendienst Twitter von "Pfusch bei der Planung". Ein einjähriger Baustopp drohe.

 

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