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Gregor Gysi trommelt für die Linken und spricht im TV über den Papst, Helmut Kohl und die Welt

(Trier) Der ehemalige Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hat noch nicht entschieden, ob er 2017 erneut für den Bundestag kandidieren wird. Das sagte der 68-jährige Politiker am Mittwochnachmittag bei einem Besuch in der Redaktionskonferenz des Trierischen Volksfreunds. Gysi zeigte sich zuversichtlich, dass es die Linke noch in den Mainzer Landtag schafft.

17.02.2016
Rolf Seydewitz
Vor wenigen Monaten wäre es unvorstellbar gewesen, dass Gregor Gysi durch die Lande tourt, während Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag eine Regierungserklärung abgibt, die schon im Vorfeld für reichlich Schlagzeilen und Spekulationen gesorgt hat. Bis Oktober vergangenen Jahres war Gregor Gysi nicht nur Vorsitzender der Linken-Bundestagsfraktion, sondern auch Chef der größten Oppositionsfraktion und damit derjenige, der als Erster auf eine Regierungserklärung kontern durfte.

Eine Möglichkeit, von der der 68-jährige Rhetorikakrobat bis zu seinem Rückzug in die zweite Reihe genüsslich Gebrauch machte. Trotzdem sei es "eine bewusst getroffene Entscheidung" gewesen, den Fraktionsvorsitz aufzugeben, sagt Gysi gestern Nachmittag in der TV-Redaktionskonferenz. Wahr ist aber auch, dass ihm seine Nachfolger Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch im Nacken saßen.

An diesem Nachmittag kontert Wagenknecht in Berlin die Regierungserklärung, während Gysi Wahlkampf in Rheinland-Pfalz macht. Bernkastel-Kues steht auf der Tagesordnung und zuvor noch ein anderthalbstündiges Redaktionsgespräch in Trier.

Gregor Gysi hat kaum Platz genommen, da sprudelt er auch schon los. Berichtet nicht ohne Stolz davon, dass er am Empfang schon drei Autogramme gegeben habe und darüber hinaus am Deutschen Theater in Berlin eine regelmäßige Talkshow mache. Günther Jauch war schon da, auch Springer-Chef Mathias Döpfner oder Schauspieler-Legende Mario Adorf.

Nach einer knappen Viertelstunde ist Gysis Eröffnungsmonolog beendet - "Sie wollten bestimmt auch Fragen stellen", sagt er. Es geht um die Flüchtlingskrise, um Europa, den Nahen Osten, Weltfrieden und die ungleiche Verteilung von Reichtum und Vermögen. Gregor Gysi hat zu allen Themen eine Meinung, wie es sich für Spitzenpolitiker gehört. Der Unterschied zu früher: "Ich bin jetzt freier in dem, was ich sage." Dabei hat Gysi auch als Linken-Fraktionschef aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht, war und ist gerade wegen seines Talents, die Dinge auf den Punkt zu bringen und dabei auch noch unterhaltsam zu sein, ein gefragter Talkshowgast.

Landtagswahl 2016

Auch jetzt noch. Das erste freie Wochenende in diesem Jahr habe er erst im Juli, berichtet Gysi nicht ohne Stolz und fügt hinzu, wie sehr er in den drei wahlkämpfenden Bundesländern gefragt sei. "Die wollten mich jeweils zwischen sieben und zehn Tagen haben", sagt der 68-Jährige, der nun überall zu den Auftakt- und Abschlussveranstaltungen geht und sich ansonsten auf ein, zwei Auftritte zwischendurch beschränkt.

Während Sachsen-Anhalt für die Linken sicher ist, müssen sie in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zittern. Gysi macht den Wahlkämpfern Mut, sagt, dass die Stammwählerschaft schmilze und sich immer mehr Wähler erst kurz vor der Wahl entschieden. "Raus auf die Straße, kämpfen und Optimismus ausstrahlen", schreibt der sich selbst als Zweckoptimist bezeichnende Gysi seinen Parteifreunden ins Stammbuch.

Die Linken-Plakate mit dem Konterfei des Papstes oder von Altkanzler Kohl findet Gysi eine kluge Idee. "Wahlplakate bringen keine Stimmen", zitiert er den Linken-Vordenker Andre Brie, "aber keine Wahlplakate kosten Stimmen."
Extra
Gregor Gysi (68) war bis Oktober 2015 Linken-Fraktionschef im Bundestag. Zu DDR-Zeiten war der studierte Jurist einer der wenigen freien Rechtsanwälte und vertrat bekannte Regimekritiker. Berichte, wonach Gysi als IM für die Staatssicherheit gearbeitet haben soll, wurden nie zweifelsfrei bestätigt. Gysi ist einer der beliebtesten Linken-Politiker. sey

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