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aus unserem Archiv vom 28. September 2012
Autor: Frank Giarra Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier/Mainz Drucken  E-Mail

In Freundschaft verbunden: Enge Vertraute von Kurt Beck

Rheinland-Pfalz wird künftig von einer Triererin regiert: Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerin Malu Dreyer (51) wird Ministerpräsidentin. Ein Porträt der in mancherlei Hinsicht außergewöhnlichen Politikerin.
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Sie heißt Marie-Luise, aber niemand kennt sie unter diesem Namen. Der fällt nur alle fünf Jahre nach gewonnenen Landtagswahlen, scherzte Ministerpräsident Kurt Beck einmal. Die Frau, die als seine Nachfolgerin zur ersten Regierungschefin in Rheinland-Pfalz aufsteigt, wird von aller Welt Malu genannt. Eine niedliche Koseform, die zu ihrem Wesen passt.

Malu Dreyer ist charmant, fröhlich und herzlich. Sie verfügt über die seltene Gabe, mit ihrem ansteckenden Lachen und ihrer authentischen Art Menschen zu gewinnen. Erst kürzlich schwärmte eine Seniorin, als Dreyer sie im Rahmen einer Pressereise zu Hause in Trier besuchte: „Das ist eine ganz Liebe.“

Erst seit sechs Jahren weiß man, dass die gebürtige Pfälzerin, sie stammt aus Neustadt an der Weinstraße, auch eine starke Frau sein muss. Damals machte sie ihre Krankheit öffentlich. Dreyer leidet seit 18 Jahren an Multipler Sklerose (MS), einer chronisch entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nur selten kann sie alleine gehen, meistens wird sie gestützt oder fährt im Rollstuhl.

Trotz dieses Handicaps merkt man Dreyer kaum etwas davon an, weil sie sich nichts anmerken lässt. Ihre politische Karriere begann sie als Bürgermeisterin von Bad Kreuznach, damals noch parteilos, 1995. Schnell fiel ihr Talent auf, und zwei Jahre später wurde die Juristin Sozialdezernentin der Stadt Mainz.

Kurt Beck holte Malu Dreyer, zu der er seit jeher ein enges Verhältnis pflegt, 2002 als Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerin ins Kabinett. In diesen Ressorts trägt sie noch immer Verantwortung. Mittlerweile ist sie die dienstälteste Gesundheitsministerin in Deutschland.

Als versierte Expertin auf ihren Gebieten genießt die 51-Jährige über Parteigrenzen hinweg Respekt, obwohl sie eine ausgewiesene Sozialdemokratin ist und stets die Fahne der sozialen Gerechtigkeit schwingt. Malu Dreyer kommt mit der FDP zurecht, sie kann gut mit den Grünen, und selbst die oppositionelle CDU findet selten kritische Worte über sie. Wenn, dann fallen diese recht verhalten aus.

Malu Dreyer kämpft nicht nur für ihre politischen Ziele, sie lebt sie auch. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, wohnt sie in Trier im Schammatdorf. Dort wohnen Familien mit Kindern, Menschen mit und ohne Behinderungen, Senioren, Studenten und Alleinerziehende in guter Nachbarschaft zusammen und helfen sich gegenseitig im Alltag, wenn es Probleme gibt.

Als eine der wichtigsten Stützen des Kabinetts hat Malu Dreyer längst auch bewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Sowohl 2006 als auch 2011 hat sie jeweils bei der Landtagswahl den Wahlkreis Trier direkt für die SPD geholt. CDU-Kontrahent Berti Adams hatte vor einem Jahr keine Chance. Und selbst Christoph Böhr, fünf Jahre zuvor sogar Spitzenkandidat der Landes-CDU, musste ihr den Vortritt lassen.

Freundlichkeit und Warmherzigkeit sind indes nur die eine Seite von Malu Dreyer. Sie kann auch anders. Als es darum ging, die politischen Verhältnisse innerhalb der Trierer SPD neu zu ordnen, deren Vorsitzende sie seit 2005 ist, zeigte sie Entschlossenheit und Härte.

Viele wird es überraschen, dass Dreyer das Rennen um die Nachfolge von Ministerpräsident Beck gemacht hat und nicht die lange favorisierten Roger Lewentz und Hendrik Hering. Beck kreidete offenbar Innenminister Lewentz Indiskretionen über seine Nachfolge an, die Anfang des Jahres an die Öffentlichkeit kamen.

Zudem konnten sich Lewentz und SPD-Fraktionschef Hendrik Hering nicht einigen. Hering zog dem Vernehmen nach vor einigen Wochen zurück, als ihm klargeworden war, dass mit ihm als ehemals Verantwortlichem für die Problemprojekte Nürburgring und Hahn kein Neustart für die SPD zu machen gewesen wäre.

Malu Dreyer ist Fragen zu ihren Ambitionen stets ausgewichen. Verneint hat sie aber nie, Ministerpräsidentin werden zu wollen. Sie ließ zunächst Lewentz und Hering gewähren und warf ihren Hut erst in den Ring, als namhafte Sozialdemokraten sie dazu ermunterten. Eine Absprache mit Kurt Beck dürfte dann den Ausschlag gegeben haben.

Beim grünen Koalitionspartner kommt die Entscheidung der SPD gut an. „Sie war unsere heimliche Wunschkandidatin“, lässt sich Fraktionschef Daniel Köbler entlocken. Die Koalition werde weiter hervorragend zusammenarbeiten, auch menschlich. Und strategisch sei diese Wahl mit Blick auf die nächste Landtagswahl 2016 günstig.




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