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15.05.2013
Bernd Wientjes

In der Großregion entsteht erstes Atommüll-Endlager

(Bure) Kritiker haben es schon immer vermutet: Im lothringischen Bure, etwas mehr als 200 Kilometer von Trier entfernt, soll ein Atommüll-Endlager entstehen. Nun ist es offiziell: Seit gestern läuft ein Anhörungsverfahren.

Bure. Offiziell waren die knapp 500 Meter unter der Erde liegenden Gänge unterhalb des lothringischen Dörfchens Bure immer ein Versuchslabor. Ein Labor, in dem untersucht werden sollte, ob die Lagerung von Atommüll auch in Tongestein möglich ist. Seit 1994 wird in Bure, gut 240 Kilometer entfernt von Trier, unterirdisch geforscht. Eine Entscheidung für den Standort eines Endlagers sei damit nicht getroffen, hieß es immer. Alternative Standorte wurden aber nie in Erwägung gezogen.

Befürchtungen bestätigt


Kritiker des Projektes, in das die staatliche Agentur für Atommüll, Andra, bislang mehr als 1,5 Milliarden Euro gesteckt hat, befürchteten immer schon, dass Bure der Standort für das erste und einzige Atommüll-Endlager in Frankreich - und das erste in Europa - werden wird. Diese Befürchtungen haben sich nun wohl bestätigt. Denn seit gestern läuft in Bure ein bis Oktober dauerndes Anhörungsverfahren, ein débat public (öffentliche Debatte). Rheinland-Pfalz will sich gemeinsam mit dem Saarland und mit Luxemburg an der Anhörung beteiligen. Und zwar mit einem eigenen Gutachter des Darmstädter Öko-Instituts, teilte Energie-Ministerin Eveline Lemke mit. Geprüft werden sollen die Eignung des Standorts, die Sicherheit des Grundwassers, die Strahlenbelastung und das Risiko durch Atomtransporte. Die Untersuchungsergebnisse sollen auf einem Sondergipfel der Großregion im Frühjahr kommenden Jahres vorgestellt werden.
Aus dem Versuchslabor in Bure ist nun offiziell ein Zentrum für umkehrbare Tiefenlagerung hoch radioaktiven Atommülls geworden. Was nichts anderes ist als ein Endlager, in dem 100 Jahre lang der radioaktive Müll der 58 französischen Atomkraftwerke gelagert werden soll. Derzeit werden die abgebrannten Brennstäbe in die Wiederaufbereitungsanlage im nordfranzösischen Le Havre transportiert. Ab 2025 sollen die ersten wie Riesenbatterien aussehenden Kokillen mit dem strahlenden Abfall in dem weit verzweigten Stollen eingelagert werden. Umkehrbar heißt: Falls bis 2125, also in 100 Jahren, andere Lösungen zur atomaren Endlagerung gefunden werden, könnten die Container wieder herausgeholt werden. Falls nicht, wird das Lager in Bure versiegelt, und der Atommüll lagert für immer unterhalb des 100-Einwohner-Dorfes am Rande des Départements Meuse. Baubeginn soll 2019 sein, 15 Milliarden Euro soll das Projekt kosten. "Es war immer der Plan von Staat und Industrie, dieses Labor zum Endlager zu machen", sagt der in Paris lebende deutsche Atomexperte und Träger des alternativen Nobelpreises, Mycle Schneider, unserer Zeitung.
In Deutschland ist die über 30 Jahre dauernde Suche nach einem Endlager-Standort noch nicht abgeschlossen. Von Anfang an wurde daher das Projekt in Bure nicht nur mit Interesse, sondern auch mit wissenschaftlichem Sachverstand von deutscher Seite verfolgt.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe war an der Erkundung des Tongesteins in Bure beteiligt und ist zu dem Schluss gekommen, dass es auch in Deutschland vergleichbare Gesteinsformationen aus Ton gibt, die untersuchungswürdig seien.

Kommentar: Widerstand zwecklos

 

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