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Landes-SPD in Sorge: Zugpferd Malu Dreyer zieht nicht mehr richtig

Ministerpräsidentin verliert laut Umfrage an Zustimmung – Große Koalition zeichnet sich ab

(Mainz) In Rheinland-Pfalz deuten auch die jüngsten Umfrageergebnisse auf eine große Koalition nach der Landtagswahl hin. Die SPD hat allerdings ein neues Problem: Die Wählergunst für Spitzenkandidatin Malu Dreyer sinkt rapide. Dossier zum Thema: Landtagswahl 2016

11.02.2016
Rolf Seydewitz
Haben die Kapriolen der rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten beim Thema SWR-Elefantenrunde ihre Spuren hinterlassen? Nach der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts Infratest Dimap deutet einiges darauf hin. Denn ausgerechnet das rote Zugpferd Malu Dreyer hat danach deutlich an Zugkraft verloren. Bei einer (in der Landesverfassung nicht vorgesehenen) Direktwahl der Ministerpräsidentin würden 46 Prozent der Rheinland-Pfälzer der Regierungschefin aus Trier ihre Stimme geben – sieben Prozentpunkte weniger als noch vor einem Monat. 

Dreyers Herausforderin Julia Klöckner (CDU) käme bei einer Direktwahl auf 37 Prozent und würde um vier Prozentpunkte besser abschneiden als im Januar. 

Dagegen treten die Parteien der beiden Spitzenkandidatinnen auf der Stelle. Wenn am Sonntag Landtagswahl wäre, blieben die Christdemokraten mit 37 Prozent stärkste Partei im Land, während die Sozialdemokraten weiter 31 Prozent der Stimmen für sich verbuchen könnten. 

Auffallend ist, dass die Genossen seit zwei Jahren auf dieser Prozentzahl festkleben, während bei nahezu allen anderen Parteien deutlich mehr Bewegung im Spiel ist. „Zwar können Regierungsparteien auf der Zielgeraden häufig noch ein wenig aufholen“, sagt der Mainzer Politikwissenschaftler Thorsten Faas im Gespräch mit unserer Zeitung, „aber die Zeit wird knapp.“ 

Die Grünen (8 Prozent) sind nach der jüngsten SWR-Umfrage nicht mehr drittstärkste Partei, wurden von der auf neun Prozent taxierten AfD abgelöst. „Die AfD wird im nächsten Landtag vertreten sein“, ist sich Politikwissenschaftler Thorsten Faas sicher. 

Die Liberalen konnten sich auf sechs Prozent leicht verbessern, während die Linke auf vier Prozent absackte und damit nicht im Landtag vertreten wäre. Als wahrscheinlichstes Bündnis kristallisiert sich einmal mehr die große Koalition heraus. Für ein Dreierbündnis müsste die CDU gemeinsam mit Grünen und FDP koalieren. Eine Ampel, also ein Bündnis von Roten, Liberalen und Grünen, hätte derzeit keine Mehrheit im Mainzer Parlament.
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