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Nach Beinahe-Unfall über dem Hahn fordert Ryanair Konsequenzen

Kritik an „unkontrollierter Fliegerei“ – Mehrere Zwischenfälle in den vergangenen Jahren

(Trier) Nach dem Beinahe-Zusammenstoß zwischen einer Passagiermaschine und einem Segelflieger über dem Hunsrückflughafen Hahn erhebt die Fluggesellschaft Ryanair schwere Vorwürfe. Das Gefahrenpotenzial sei höher als anderswo, es habe schon viele Zwischenfälle gegeben.

19.07.2013
Rolf Seydewitz
Der inzwischen fast drei Monate zurückliegende Beinahe-Crash einer mit 114 Menschen besetzten Ryanair-Boeing in knapp 2000 Meter Höhe könnte Folgen haben. Die irische Fluggesellschaft habe sich wegen des Vorfalls an die Europäischen Agentur für Flugsicherheit gewandt, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely unserer Zeitung. Auch mit den zuständigen deutschen Behörden werde „über das Sicherheitsproblem aufgrund unkontrollierter Aktivitäten von Segelfliegern am Hahn“ gesprochen.

Der Beinahe-Zusammenstoß war erst in der vergangenen Woche nach einer Veröffentlichung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) bekannt geworden (der TV berichtete). In einem Bulletin wird der Vorfall als schwere Störung eingestuft, was laut BFU einem Beinahe-Unfall entspricht. Beim Landeanflug auf den Hahn hatte der Kopilot einer aus dem italienischen Alghero kommenden Maschine das Segelflugzeug entdeckt. Wie später die Auswertung der Radaraufzeichnungen ergab, näherten sich die beiden Maschinen bis auf 200 Meter, wobei das Segelflugzeug etwas tiefer flog als die Passagiermaschine.

Bereits Anfang 2010 wäre eine aus Spanien kommende, voll besetzte Ryanairmaschine beim Landeanflug auf den Hahn um ein Haar mit zwei Segelfliegern zusammengestoßen. Die irische Fluggesellschaft spricht sogar von „zahlreichen Zwischenfällen“, ohne dies allerdings weiter zu konkretisieren. Bei der für die Luftraumüberwachung zuständigen Deutschen Flugsicherung (DFS) kann man bei dem jüngsten Vorfall kein Fehlverhalten des (noch nicht identifizierten) Segelfliegers erkennen. „Der durfte da fliegen, das war alles okay so“, sagt DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

Ähnlich sieht es auch der Experte des rheinland-pfälzischen Luftsportverbands, Reiner Schröer: „Beide Besatzungen hätten besser aufpassen müssen“, sagt der Luftraum-Referent, „aber motorgetriebene Flugzeuge müssen auf nicht motorgetriebene Rücksicht nehmen.“ Kurios: Der an jenem Tag für die Landung der Ryanairmaschine zuständige Fluglotse hatte den Segelflieger offenbar nicht auf dem Schirm.

Wie sicher ist der Himmel über dem Hahn?

Kommentar: Die Gefahr fliegt mit

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