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aus unserem Archiv vom 08. Januar 2011
Ort: Trier/Bernkastel-KuesKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Pegel steigen nach Regenfällen wieder

Nachdem sich an der Mosel die Hochwasserlage am Samstag etwas beruhigt hat, werden wegen neuer Regenfälle die Pegel bis Sonntagabend wieder ansteigen. In Koblenz spitzte sich am Mittag die Lage zu. Ministerpräsident Kurt Beck verschaffte sich am Samstag in den Moselorten Kesten und Lieser einen Eindruck von den Hochwasserschutzeinrichtungen.

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Die aktuellen Pegelstände an Mosel, Saar und Sauer:

PEGEL Stand 17 Uhr Prognose 22 Uhr
Trier 8,58 Meter fallend 8,60 bis 8,50 Meter
Perl 5,23 Meter fallend 5,25 bis 5,15 Meter
Zeltingen 9,11 Meter fallend 9,10 bis 9,00 Meter
Cochem -- 7,85 bis 7,75 Meter
Fremersdorf 4,17 Meter fallend 4,10 bis 4,00 Meter
Bollendorf 4,41 Meter fallend 4,35 bis 4,25 Meter


Quelle: Hochwassermeldezentrum Trier, Stand Sonntag, 17.30 Uhr

Die Entwicklung der Pegelstände sowie aktuelle Meldungen auf Twitter zum Thema Hochwasser (#howarlp) finden Sie auch hier auf volksfreund.de

(j.e./lrs/cb/f.k./uhe) In der Nacht zum Sonntag stagnierte der Pegel Trier bei ca. 8,52, allerdings rechnet das Hochwassermeldezentrum nach den Regenfällen der Nacht wieder mit einem neuerlichen Anstieg. "Wir erwarten, dass die Pegelstände von Mosel und Sauer noch einmal bis zum Abend ansteigen, aber sie werden nicht die Scheitelwerte erreichen, die wir gestern hatten", sagte Michael Schuhmacher vom Hochwassermeldezentrum Trier dem TV am Sonntagmorgen. Da es auch wieder etwas kälter wird, rechnet er mit fallenden Wasserständen an Mosel, Sauer und Saar, Letztere stetig. Am Nachmittag könnten in Trier 8,65 bis 8,75 Meter erreicht werden. Die Neun-Meter-Grenze wird nach Ansicht von Schuhmacher wohl nicht überschritten werden. Die 24-Stunden-Prognose  sieht die Mosel bei Trier auf 8,40 bis 8,60 sinken. Derweil ist der Sauerpegel bei Bollendorf wieder leicht gestiegen. Er lag am Morgen bei 4,23.

In der Nacht zum Sonntag sanken die Pegelstände auch in den besonders betroffenen Moselorten Zell und Cochem etwas. So falle der Pegelstand in Cochem derzeit um einen Zentimeter pro Stunde, sagte ein Feuerwehrsprecher. In Zell steht hingegen weiterhin die Altstadt zu rund 60 Prozent unter Wasser. Derzeit könne man nicht viel machen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Zell. „Die Situation ist stabil, unsere Zentrale ist besetzt, auch zwei Bootsbesatzungen sind in Bereitschaft“, sagte er. Wegen des Wochenendes seien aber kaum Menschen unterwegs. Am Abend stand das Wasser bis zu einer Höhe von 1,50 Meter in der Stadt.In Zell war das Moselhochwasser am Vormittag über die Schutzwand geschwappt und in die Stadt gelaufen. Von Panik war nach Angaben der Behörden aber nichts zu spüren. „Die Moselaner gehen mit dem Hochwasser sehr routiniert um“, sagte ein Polizeisprecher in Zell. Sie hätten die lange Vorlaufzeit genutzt und ihre Keller geräumt. Von größeren Schäden sei noch nichts bekannt. Allerdings setze langsam ein „Hochwassertourismus“ ein.

Das Hochwasser an Rhein und Mosel hat erste Keller in Koblenz volllaufen lassen. Betroffen seien Gebäude in den an der Mosel gelegenen Stadtteilen Güls und Lay sowie in dem am Rhein gelegenen Stadtteil Neuendorf, sagte ein Feuerwehrsprecher am Sonntag. „Zum Glück haben wir große Höhenunterschiede im Ort“, sagte er. Deshalb hätten in den betroffenen Stadtteilen nur für die ersten Häuserzeilen Stege aufgebaut werden müssen.

 Der Höchststand des Rheins von 7,50 Metern bis 8,00 Metern wird nach Angaben des Sprechers für Montagabend in Koblenz erwartet. Am Sonntagvormittag lag der Pegel bei 6,98 Metern. Ab einer Höhe von 7,20 Metern wird in Koblenz das Deutsche Eck überschwemmt, an dem die Mosel in den Rhein fließt. Bei den großen Hochwassern 1993 und 1995 hatte der Wasserstand in Koblenz die neun-Meter-Marke überschritten.

 Räumungen seien derzeit nicht nötig, sagte der Feuerwehrsprecher. Bettlägerige Patienten würden vom DRK versorgt. Für die Altstadt wird erwartet, dass der Uferbereich überflutet wird. Die Zufahrten in die Altstadt waren bereits am Samstagabend gesperrt worden, damit die Rettungskräfte ungehindert arbeiten können. Wegen Straßensperrungen erwartet die Polizei für Montagmorgen ein Verkehrschaos.


 Für den Sonntag kündigte der Deutsche Wetterdienst zum anhaltenden Tauwetter weiteren Regen an. „Es sind erhebliche Wasserabflüsse in die Bäche und Flüsse zu erwarten, somit bleibt die Hochwassergefahr weiter hoch“, hieß es. 

Nach Einschätzung von Alwin Mees vom Hochwasserkoordinierungsstab der Aufsichts-und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier ist die Lage relativ entspannt: "Die neun Meter in Trier werden wohl nicht erreicht. Die Gefahr an der Mosel ist jetzt nicht mehr ganz so groß, da die Schneeschmelze zum größten Teil abgeschlossen ist", sagte der Referent für Brand- und Katastrophenschutz am Samstag dem TV. Selbst neue  Regenfälle würden die Lage nicht mehr erheblich verschärfen.

Die sei am Freitag noch anders gewesen. Da seien, so Mees, vor allem kleinere Bäche und Nebenflüsse flächendeckend im ganzen Land über die Ufer getreten und hätten auch die nicht hochwassererprobten Orte betroffen. Am Samstag seien die Pegel der Nebenflüsse aber weitgehend zurückgegangen, so dass viele Feuerwehren bei Aufräum- und Reinigungsarbeiten im Ort helfen könnten. Die Trierer Feuerwehr-Leitstelle verzeichnete am Samstagnachmittag für die gesamte Region keine größeren hochwasserbedingten Einsätze. Dies bestätigte auch Willi Herres, Kreisfeuerwehrinspekteur für den Landkreis Bernkastel-Wittlich. Bis auf einen kleinen Einsatz am Hochwasserdamm in Kesten liefen keine Einsätze. Derzeit werden die Einsätze im Kreis vom Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr dirigiert. Mehrere Feuerwehrleute haben in dem Fahrzeug, das normalerweise in Bernkastel-Kues stationiert ist, die Lage von Wittlich-Wengerohr aus im Blick. Dank der relativ entspannten Lage kann die Feuerwehr so quasi live den (schlimmeren) Ernstfall üben.

Ministerpräsident Kurt Beck und die Umweltministerin Margit Conrad machten sich am Samstagmittag in den Moselorten Kesten und Lieser selbst ein Bild von der Lage. In Kesten verschafften sie sich einen Eindruck von der Funktionsfähigkeit des neuen Hochwasserschutzdamms. Gäbe es ihn nicht, wäre Kesten wieder wie in der Vergangenheit überflutet worden. Am Samstag stand das Wasser rund 1,50 Meter unter der Dammkrone. Beck sprach vor Ort auch mit Behördenvertretern und Feuerwehrleuten aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich.

Nach Einschätzung von Alwin Mees von der ADD ist die derzeitige Hochwasserlage nicht ungewöhnlich und noch "im zehnjährigen Bereich". Die meisten hochwassererprobten Anwohner an der Mittel- und unteren Mosel hätten sich schon seit dem Weihnachtshochwasser auf die jetzige Situation eingestellt und die Keller leergeräumt.

Kritisch ist nach Angaben von Mees die Lage in Koblenz. Dort wird in den nächsten Tagen ein Wasserstand von 7,70 Meter erwartet. Am Samstag wurden Stege gebaut und das Gelände der Bundesgartenschau geräumt.  Am Abend sollten die Zufahrten in die Altstadt gesperrt werden.

In Irrel (Prüm) und Neuerburg (Enz) sanken die Pegel am Samstag wieder leicht gesunken. An der unteren Ruwer wie etwa in Waldrach gab es am Samstag vorläufige Entwarnung. Ärger hatte der Fluss dort noch nicht gemacht. Kreisfeuerwehrchef Neuschwander rechnet wegen möglichen Starkregens in der Nacht gerade an Ruwer, Kyll und Sauer am Sonntag mit Problemen. Die Lage dort wird verstärkt beobachtet.

Entlang der Mosel sind immer noch zahlreiche Straßen überflutet, vor allem die B 53 zwischen Zeltinger Kreisel und Kröv sowie die B 49, aber auch viele Ortsdurchfahrten und Kreisstraßen (s.Übersicht unten).

In Bernkastel-Kues war die Lage nach Angaben der dortigen Polizeiinspektion am Samstag weitgehend ruhig. Die zuvor geräumte Parkzone am Ufer war überschwemmt, was die Parkplatzsituation in der Innenstadt erschwerte. Ein Problem für die Polizei: Viele Autofahrer scheinen den Hochwassersperrungen keine größere Beachtung zu schenken. Besonders clever wollte der Fahrer eines 7,5-Tonners sein. Wie die Polizei in Bernkastel-Kues berichtet, fuhr er, statt die Hochwassersperrung zu beachten und  Umwege in Kauf zu nehmen, in der Zeltinger Uferallee ins Hochwasser. Der Fahrer habe angenommen, es noch durch das Hochwasser zu schaffen. Weit kam er allerdings nicht. Aufgrund der Wassertiefe ging der Motor aus  und der LKW blieb stecken. Die Feuerwehr Zeltingen zog den LKW wieder aus dem Wasser.

Auch in Brandenburg schwollen fast alle Flüsse stark an. Am bedrohlichsten ist die Lage an der Oder.

 

Straßen gesperrt

Mehrere Straßen sind wegen des Hochwassers gesperrt. Betroffen sind nach Angaben der Polizei unter anderem folgende Strecken:

  • B53 an der Mosel zwischen Zeltinger Kreisel und Ürzig sowie zwischen Kinheim und Kröv und die Ortslage Brauneberg
  • B49 zwischen Ediger-Eller und Nehren,  zwischen Cochem und Moselbrücke Cochem und zwischen Senheim-Senhals und Bremm
  • K133 im Kreis Trier-Saarburg zwischen Konz und Wiltingen
  • L136 an der Mosel bei Neumagen-Dhron
  • K128 im Hochwald zwischen Papiermühle und Leiwen-Zummet
  • K58 zwischen Maring-Noviand und Platten
  • Die L43 bei Kordel ist nach einem Hangrutsch seit Freitagmorgen voll gesperrt.
  • L 189 zwischen Zeltingen und Lösnich
  • L 47 zwischen Bernkastel-Kues und Lieser
  • L156/K86 zwischen Neumagen und Trittenheim
  • K 136 zwischen Lieser und Kesten
  • B 421 zwischen Kronenburg und Hallschlag (Landkreis Vulkaneifel).








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